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Kiel Institut für WeltwirtschaftStudie: Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände würde Wohnungsmangel verschärfen

29.09.2026, 11:41 Uhr
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(Foto: picture alliance/dpa)

Eine Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände, wie dies die Berliner Linke fordert, würde den Wohnungsmangel in der Hauptstadt laut einer Studie noch verschärfen.

Die für die Entschädigung angenommene Milliardensumme, in den Neubau investiert, könnte dagegen bis zu 71.000 neue Wohnungen bis 2045 schaffen und so den Mietenanstieg "deutlich dämpfen", heißt es in einer Studie des Kiel Instituts für Weltwirtschaft.

Das Institut veranschlagte den Wert der betroffenen Wohnungsbestände auf 40,2 Milliarden Euro. Die Verfechter einer Enteignung schätzen demnach die Entschädigung auf die Hälfte des Verkehrswerts, also 20,1 Milliarden Euro. "Würde diese Summe alternativ in neue Wohnungen fließen, könnten die Angebotsmieten bis 2045 um bis zu 8,7 Prozent unter der heute zu erwartenden Entwicklung liegen", heißt es in der Studie.

Denn: Wer in eine neu gebaute Wohnung zieht, mache häufig eine andere Wohnung frei. Über solche "Umzugsketten" reduziere zusätzliches Angebot den Preisdruck im Markt. Baue die Stadt Berlin gezielt im unteren Mietsegment neu, wäre die Mietdämpfung dort nach Modellrechnungen des Kiel Instituts besonders ausgeprägt.

Eine Vergesellschaftung von Mietwohnungen dagegen "ersetzt Marktpreise durch Privilegien für diejenigen, die das Glück haben, in einer dann verstaatlichten Wohnung zu leben oder eine solche künftig zu ergattern", erklärte Studienautor Stefan Kooths vom Kiel Institut. "Im Ergebnis wird es zu noch mehr Stillstand und Fehlbelegungen kommen. Das kann weder wohnungswirtschaftlich noch sozialpolitisch überzeugen."

Mitautor Jonas Zdrzalek vom Kiel Institut betonte: "Entscheidend ist nicht, wem die Wohnungen gehören, sondern ob neue dazukommen." Neubau entlaste direkt.

Auftraggeber der Studie ist die Wirtschaftsinitiative "Berlin denkt weiter", Mitglieder sind die Industrie- und Handelskammer Berlin, die Handwerkskammer Berlin, die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg sowie der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller. Die Initiative warnte vor einem "gefährlichen Enteignungs-Experiment".

Die Berliner Linke hatte nach ihrem Wahlsieg bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus angekündigt, an ihren Plänen zur Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen festzuhalten. Die Pläne stoßen parteiübergreifend auf scharfe Kritik. Sie könnten zu einem zentralen Streitpunkt in möglichen Sondierungsgesprächen mit SPD und Grünen werden.

Erst vor wenigen Tagen hatten das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung sowie die Universität Mannheim und die Universität Duisburg-Essen eine Studie zur Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände veröffentlicht. Auch sie kommen zu dem Schluss, dass dies den Wohnraummangel nicht beheben würde. Eine Vergesellschaftung könnte demnach aber als "ergänzendes Element" zu Neubau sinnvoll sein, um das Bezahlbarkeitsproblem von Mieten zu vermindern.

Quelle: ntv.de, AFP

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