Fast ein Drittel russischer ImporteSüdkorea liefert Treibstoff an Russland - Ukraine übt scharfe Kritik

Die Ukraine hat Südkorea wegen der Lieferung von Treibstoff an Russland scharf kritisiert. Die Lieferungen stünden "in scharfem Kontrast" zur Sanktionspolitik Südkoreas, sagte der ukrainische Präsidentenberater Wladyslaw Wlasjuk.
Seoul habe Moskau damit geholfen, die durch ukrainische Angriffe ausgelöste Treibstoffknappheit auszugleichen.
Laut einem Bericht des britischen "Guardian", der sich auf Angaben von Häfen und Schiffstracking-Daten stützt, wurden im Juli und August 176.000 Tonnen Ölprodukte von Südkorea nach Russland verschifft. Aus den Unterlagen geht demnach nicht hervor, wem der Treibstoff gehörte oder wer ihn verkaufte. Die Lieferungen machten dem Bericht zufolge im August fast ein Drittel der russischen Treibstoff-Importe auf dem Seeweg aus. Drei der sieben eingesetzten Tanker sind demnach mit westlichen Sanktionen belegt.
"Diese Lieferungen begannen genau zu dem Zeitpunkt, als ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien die Verarbeitungskapazitäten verringerten und in der Russischen Föderation einen Treibstoffmangel verursachten", sagte Wlasjuk, der den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Sanktionsfragen berät. "Mit anderen Worten: Importe aus Südkorea haben Russland de facto dabei geholfen, die Folgen des Verlustes seiner eigenen Raffineriekapazitäten auszugleichen."
Südkorea hatte nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine verschärfte Exportkontrollen gegenüber Russland und dessen Verbündeten Belarus verhängt. Außerdem schränkte Seoul Geschäfte mit den wichtigsten russischen Banken und der Zentralbank ein.
Bereits im September war es zu diplomatischen Verstimmungen zwischen der Ukraine und Südkorea gekommen. Seoul warf Kiew einen Verstoß gegen eine vertrauliche Vereinbarung vor, nachdem Selenskyj bei der UN-Generaldebatte gesagt hatte, sein Land habe zwei nordkoreanische Soldaten an Südkorea überstellt. Südkorea bestellte daraufhin den ukrainischen Gesandten ein und forderte eine offizielle Entschuldigung. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha sprach von einem "diplomatischen Missverständnis".