34,7 ZählerZEW-Barometer legt kaum zu – teure Energie nagt an Konjunkturoptimismus

Börsenprofis sind trotz steigender Energiepreise im Zuge des Iran-Krieges vorsichtig optimistisch mit Blick auf die deutsche Wirtschaft.
Das vom Mannheimer Forschungsinstitut ZEW erhobene Barometer legte im September zwar den fünften Monat in Folge zu – und zwar auf 34,7 Zähler von zuvor 34,2 Punkten. Von Reuters befragte Ökonomen hatten allerdings mit einem weit stärkeren Anstieg auf 40,0 Zähler gerechnet. "Die ZEW-Konjunkturerwartungen bleiben stabil", sagte ZEW-Chef Achim Wambach am Dienstag zu der Umfrage unter 196 Investoren und Analysten. Sie wurden vom 7. bis 14. September befragt und somit in einer Zeit, in der die Preise für Öl und Gas stark anzogen.
Wambach sagte, die wirtschaftliche Erholung bleibe von staatlichen Ausgaben abhängig und werde durch zusätzliche Exportimpulse gestützt. Die Risiken seien dennoch erheblich: "Teure Energie bei anhaltendem Iran-Krieg und zusätzliche Verunsicherung durch hybride Angriffe belasten die Wirtschaft."
Die deutsche Wirtschaft war im zweiten Quartal trotz der Widrigkeiten durch den Iran-Krieg um 0,3 Prozent gewachsen. Viele Forschungsinstitute haben ihre Prognosen für das laufende Jahr nach oben gesetzt. Das Münchner Ifo-Institut veranschlagt ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 1,4 Prozent. Laut dem Bundeswirtschaftsministerium zeichnet sich nach der spürbaren Erholung im ersten Halbjahr zur Jahresmitte allerdings eine wirtschaftliche Abschwächung ab.
Der wiederaufgeflammte Konflikt zwischen den USA und dem Iran treibt zugleich die weltweiten Ölpreise nach oben. Zuletzt verteuerten sich auch Diesel und Gas kräftig. Dies macht auch der Europäischen Zentralbank als Hüterin der Preisstabilität im Euroraum zu schaffen. EZB-Direktorin Isabel Schnabel nannte die Preisanstiege im Bereich Energie jüngst "ziemlich besorgniserregend". Ob es mit der Zinserhöhung auf 2,50 Prozent getan sei, müsse sich zeigen.
Die EZB hatte die Zinszügel am 10. September zum zweiten Mal in diesem Jahr angezogen. Zudem signalisierte sie, dass die Inflation noch längere Zeit über dem von der EZB angepeilten Zielwert von 2,0 Prozent verharren dürfte. An den Finanzmärkten wird daher damit gerechnet, dass die EZB bald nachlegen wird - womöglich bereits Ende Oktober.