Wirtschaft

Bitcoin-Boom Anleger fiebern Event im Mai entgegen

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"Die Bitcoin-Menge ist nicht von Menschenhand veränderbar", sagt Krypto-Experte Markus Miller. Das kommt offenbar gut an.

(Foto: imago images / Panthermedia)

Die Ur-Kryptowährung Bitcoin nimmt Kurs auf alte Höchststände. Auftrieb gibt ein eingebauter Inflationsschutz, der bald zum dritten Mal zündet. Nicht nur bei Anlegern sorgt das für Vertrauen. "Bitcoin ist raus aus der Schmuddelecke", sagt Krypto-Experte Miller ntv.de.

Der große Hype um den Bitcoin mag vorbei sein, abgeschrieben ist er deshalb noch lange nicht. Ein Blick auf den Chart verrät, trotz zahlreicher Einbrüche und Schwankungen in den vergangenen Jahren weist der Kurs immer noch ein beachtliches Plus auf: War der Bitcoin vor drei Jahren rund 900 US-Dollar wert, sind es heute annähernd 9000. Glaubt man den Prophezeiungen der Experten, dürfte das noch nicht das Ende der Fahnenstange in diesem Jahr sein.

Bitcoin Liquid Index
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Für strammen Rückenwind sorgt vor allem ein technisches Ereignis, das demnächst bevorsteht. Seit dem Start von Bitcoin am 3. Januar 2009 fand es lediglich zweimal statt. Es handelt sich um das sogenannte Halving, das ungefähr für den 12. Mai erwartet wird. Dabei werden die Erlöse der Miner, die die Bitcoin-Blöcke digital schürfen, routinemäßig und völlig automatisiert halbiert. Das kommt ungefähr alle vier Jahre vor.

Es ist dieses anstehende "Blockbelohnungsreduzierungsereignis", das bereits seit Wochen seine Schatten vorauswirft: Der Bitcoin ist allein im vergangenen Monat um 1000 Dollar auf 8825 gestiegen. "Es ist durchaus möglich, dass wir den Höchststand des vergangenen Jahres bei 14.000 US-Dollar ansteuern werden", zitiert das Wirtschaftsportal Business Insider Timo Emden von Emden Research.

Was sich wie ein komplizierter Prozess anhört, ist relativ einfach erklärt: Alle 210.000 Blöcke, die Miner schürfen, halbiert sich ihre Belohnung fürs Schürfen. Bekommt ein Miner derzeit für seine Arbeit 12,5 Bitcoins pro geschürftem Block, sind es nach dem Halving im Mai nur noch 6,25. Die gleichmäßige Ausgabe von Coins ist das zentrale Wirtschaftsmodell im Krypto-Protokoll des Bitcoin. Das Angebot wächst langsamer und der Wertverlust oder die Inflationierung wird unter Kontrolle gehalten.

Fortgesetzt werden die Halbierungen so lange, bis das Gesamtvolumen von 21 Millionen Bitcoin digital abgebaut ist. Laut dem Portal Coin-Update könnte das bis 2140 dauern. Das heißt, auch in 120 Jahren würde es dann immer noch Miner geben. Und die Menge an Bitcoin immer noch mit angezogener Handbremse auf den Krypto-Markt geworfen.

Satte Kurssprünge nach Halvings

Die gestiegene Nachfrage nach Bitcoin basiert vor allem auf der Erfahrung rund um die beiden ersten Halbierungs-Ereignisse, die am 28. November 2012 und am 9. Juli 2016 stattfanden. Beim ersten Mal reduzierte sich die Blockprämie für die Miner von 50 Bitcoin auf 25, beim zweiten Mal von 25 auf 12,5 Bitcoin pro Block. Beide Male reagierte die Kryptowährung mit satten Kurssprüngen.

Die Anleger wetten darauf, dass sich genau diese Geschichte wiederholt. Der Kryptowährungs- und Makroanalyst Alex Kruger führte kürzlich eine Umfrage durch: Auf die Frage, wo die User den Höchststand von Bitcoin 2020 sehen, antwortete annähernd die Hälfte, über 20.000 Dollar. Und knapp 30 Prozent prognostizierten einen Kurs zwischen 14.000 und 19.999 Dollar.

Schwingt sich der Kurs tatsächlich in diese luftigen Höhen, stellt sich unweigerlich die Frage, ob die Kursgewinne auch nachhaltig sind? Der Finanzexperte und Initiator des Informationsdienstes Krypto-X Markus Miller ist zuversichtlich. Die Entwicklungen und Fortschritte in der Finanz- und Realwirtschaft sowie Regulierung seien noch nie so gut gewesen. An Beispielen, wie sich "Krypto" im konventionellen Finanzmarktgeschäft etabliert hat, mangelt es nicht: "Selbst große Vermögensverwalter wie Blackrock und Fidelity haben den Markt für sich entdeckt", sagt Miller ntv.de.

Die Akzeptanz wächst

Die Börse Stuttgart kooperiert seit kurzem mit der japanischen SBI Holdings im Geschäft mit digitalen Anlageformen. Sie hat bereits zwei Blockchain-Handelsplattformen ins Leben gerufen. Und auf der anderen Seite des Atlantiks führte die US-Börse CME erst in dieser Woche den Optionshandel auf Bitcoin-Terminkontrakte ein. All das fördere den Ruf und die Akzeptanz.

Der Bitcoin stehe nicht mehr in der "Schmuddelecke", sagt der Krypto-Experte. "Seit 2020 gibt es in der Europäischen Union eine liberale Regulierung für Kryptowährungen. In Deutschland ist das Kryptoverwahrungsgesetz in Kraft. Banken können jetzt ganz einfach und unbürokratisch eine Lizenz erwerben und Kryptowährungsdienstleistungen anbieten."

"Derartige Entwicklungen sind die Grundlage dafür, dass weiter Finanzprodukte auf den Bitcoin durch Banken emittiert werden können", sagt Miller weiter. Das Ereignis des Halvings sei hier ein "Mosaikstein". Denn der eingebaute Inflationsschutz erhöhe die Akzeptanz. "Die Bitcoin-Menge ist nicht von Menschenhand veränderbar, sondern durch einen mathematischen Algorithmus bestimmt." Im Unterschied zu Dollar und Euro könne die Inflation des Bitcoin eben nicht davongallopieren. Das schaffe Vertrauen - vor allem in Ländern mit schwachen Währungen.

Quelle: ntv.de