Wirtschaft

Kein europäischer Kampfjet?Airbus-Belegschaft: "Drama mit Dassault endlich beenden"

26.02.2026, 11:33 Uhr
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Deutschland, Frankreich und Spanien wollen ein gemeinsames Kampfflugzeug bauen. Die Planungen stocken allerdings seit langem. Jetzt fordern Airbus-Mitarbeiter, eine Gewerkschaft und der Luftfahrtindustrieverband das Ende des Projekts.

Die Forderungen nach einer Beendigung des Dauerstreits um das Luftkampfsystem FCAS (Future Combat Air System) werden lauter. Die deutsche Airbus-Belegschaft lehnt es ab, mit dem französischen Industriepartner Dassault bei der Entwicklung eines zukünftigen Kampfflugzeugs weiter zusammenzuarbeiten. Diese Kooperation wäre allerdings die zentrale Säule im FCAS-Projekt.

"Es wird Zeit, das Drama mit Dassault endlich zu beenden", sagte der Betriebsratschef der Airbus-Rüstungssparte, Thomas Pretzl, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Der in Bayern ansässige Airbus-Zweig ist zusammen mit Dassault Hauptauftragnehmer von FCAS. Pretzl forderte ein eigenes, federführend von Airbus gebautes Kampfflugzeug. "Europäische Souveränität, Unabhängigkeit von den USA, darf Deutschland nicht in die Abhängigkeit der französischen Firma Dassault führen", so der Betriebsratschef mit Blick auf Frankreichs Führungsanspruch beim Kampfflugzeug.

Ursprünglich sollte das neue Kampfflugzeug FCAS von einem Konsortium gebaut werden, zu dem neben Airbus auch der französische Hersteller Dassault gehört. Forderungen von Dassault, in dem Konsortium die eindeutige Führung zu übernehmen, haben das hundert Milliarden Euro schwere Kampfflugzeugprojekt allerdings zuletzt ins Wanken gebracht. An dem Projekt ist zudem Spanien beteiligt. Eine Entscheidung der Regierungen zur FCAS-Zukunft wird noch für Februar erwartet. Eine Alternative zu einem gemeinsamen FCAS-Jet ist, dass die Länder zwar ein gemeinsames Luftkampfsystem entwickeln, aber zwei getrennte Kampfflugzeuge bauen.

Neben dem Airbus-Betriebsrat fordern auch der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie und die IG Metall eine "Zwei-Flugzeug-Lösung" innerhalb von FCAS. Deutschland und Frankreich sollten jeweils eigene Flugzeuge entwickeln. Der Airbus-Chef Guillaume Faury hatte vergangene Woche dagegen betont, dass FCAS aus seiner Sicht weiterhin "als Ganzes sinnvoll ist". Airbus verfüge allerdings auch über die Möglichkeiten, ein Flugzeug ohne Hilfe aus dem Ausland zu entwickeln, sagte Faury dem Sender BFM TV.

Der Triebwerkshersteller MTU Aero Engines hofft zwar noch auf neue Aufträge im Rahmen des europäischen Rüstungsprojekts. Doch MTU-Chef Johannes Bussmann hält es für unwahrscheinlich, dass es im Rahmen des aktuellen Konsortiums noch ein einziges, gemeinsames Kampfflugzeug geben werde. Er drängte jüngst im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" auf eine politische Einigung in dem Konflikt. Es gehe um die Verteidigungsfähigkeit Europas. Eine "Zwei-Flugzeuge-Lösung" bezeichnete Bussmann als "zweitbeste Lösung". Der MTU-Konzern entwickelt gemeinsam mit Safran und ITP Aero das Triebwerk für einen neuen Kampfjet, der ab 2040 den Eurofighter und die französische Rafale ablösen soll. Sollte MTU allerdings ein Konsortium für die Triebwerksentwicklung neu verhandeln müssen, würde das Zeit kosten, so Bussmann.

Quelle: ntv.de, mpa/rts/DJ

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