Wirtschaft

Militärflugzeug macht Probleme Airbus bügelt Patzer mit Verkäufen aus

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Der A400M macht Probleme - und kostet Airbus immer mehr Geld.

(Foto: dpa)

Der A400M, aber auch der Langstreckenjet A350XWB machen Airbus weiterhin Probleme. Dass der Konzern im ersten Halbjahr dennoch mehr verdient, liegt an Verkäufen von Anteilen. Vorstandschef Enders zeigt sich trotzdem mächtig sauer.

Der Flugzeugbauer Airbus hat im ersten Halbjahr trotz milliardenschwerer Sonderlasten durch die Probleme mit dem Militärfrachter A400M mehr verdient. Dank der Verkäufe seiner Anteile an Dassault und der Gründung des Raketen-Joint-Venture Airbus Safran Launchers kletterte der Gewinn des Konzerns binnen Jahresfrist auf 1,76 Milliarden Euro von 1,52 Milliarden im Vorjahreszeitraum, wie Airbus mitteilte.

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Der Umsatz stagnierte für das Halbjahr bei etwa 28,8 Milliarden Euro, obwohl die Zahl der ausgelieferten Flieger leicht auf 298 schrumpfte. Für die drei Monate April bis Ende Juni berichtete Airbus einen Umsatz von knapp 16,6 Milliarden Euro. Das war gut ein  Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, aber mehr als Analysten erwartet hatten. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) vor Einmaleffekten sank um vier Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Hier hatten die Marktbeobachter weniger erwartet.  Unter dem Strich blieb ein Konzerngewinn von knapp 1,4 Milliarden Euro nach 732 Millionen im Vorjahresquartal.

Jahresprognose steht

Ins Kontor schlugen die Probleme mit dem A400M sowie weitere Verzögerungen beim neuen Langstreckenjet A350XWB. Insgesamt muss Airbus dafür fast 1,4 Milliarden Euro zur Seite legen. Wegen Verzögerungen beim A400M buchte Airbus eine Belastung in Höhe von mehr als eine Milliarden Euro. Der A400M macht Airbus schon seit Jahren Probleme. Der Militärtransporter soll die in die Jahre gekommenen Transall-Maschinen der Bundeswehr ersetzen. Wegen technischer Probleme und unterschiedlicher Wünsche der Bestellerländer verzögerte sich die eigentlich für 2011 geplante Auslieferung des Flugzeugs jedoch erheblich. Airbus warnte vor weiteren möglichen Belastungen. Der Hersteller verhandelt zurzeit mit den Streitkräften mehrerer Staaten über revidierte Lieferpläne und bezeichnete die möglichen Auswirkungen als "beträchtlich".

Die Kosten für den Bau des Langstreckenflugzeugs A350 stiegen um weitere 385 Millionen Euro. Hier bremsten Probleme bei Zulieferern die Produktion. Auch die Auslieferungen des A320neo werden von Problemen bei den Zulieferern überschattet.

Konzernchef Tom Enders zürnte angesichts der kostspieligen Patzer: "Verluste bei diesen Programmen konnten zwar durch hohe Veräußerungsgewinne aus der Anpassung des Portfolios gemindert werden, dennoch sind sie schlicht nicht hinnehmbar!"

An seiner Jahresprognose hielt Enders allerdings fest. Vor Sondereffekten würden die Ergebnisse seines Hauses auf Vorjahresniveau bleiben. "Trotz der anstehenden Herausforderungen werden wir weiterhin alles tun, um die Wachstumsgeschichte des Unternehmens mit Blick auf Gewinn und Liquidität fortzuschreiben", erklärte er. Im laufenden Jahr erwartet Airbus einen weiteren Anstieg des Auftragsbestands für Zivilflugzeuge.

Volle Bücher

Im Gesamtjahr sollen unverändert mehr als 650 Flugzeuge ausgeliefert werden, auch wenn die Kunden im ersten Halbjahr nur 298 Maschinen bekamen. Auch bekräftigte Airbus, dass die Neubestellungen in diesem Jahr über den Auslieferungen liegen sollen, obwohl der Auftragseingang in den ersten sechs Monaten recht schwach war. Der Konzern konnte jedoch sein Auftragsbuch auf der Luftfahrtmesse in Farnborough Mitte Juli weiter füllen und hat sich in diesem Jahr damit bislang 380 Deals gesichert.

Airbus und sein US-Erzrivale Boeing, der weltgrößte Flugzeugbauer, haben zuletzt von einem Auftragsboom profitiert. Bei einigen ihrer Modelle sind die Auftragsbücher voll mit verkauften Maschinen, deren Auslieferung sich bis über das Jahr 2020 hinaus ziehen wird. Beide Hersteller steigern die Produktion wichtiger Serien, um die Nachfrage zu bedienen. Die Zulieferer haben allerdings gelegentlich Probleme, bei dem Tempo mitzuhalten.

Quelle: ntv.de, mli/jwu/rts/DJ