Wirtschaft

Sorgenkind A321-ACF-Produktion Airbus muss Kunden vertrösten

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Beim Kabineneinbau hapert es derzeit bei Airbus.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Luftfahrtkonzern Airbus arbeitet nach eigenem Bekunden äußerst profitabel. Das zeige sich am steigenden Ergebnis. Doch bis zum Jahresende muss das Unternehmen nun so viele Flugzeuge fertigstellen wie im Rekordquartal vor einem Jahr. Sonst wackelt selbst das gesenkte Absatzziel.

Der europäische Flugzeugbauer Airbus will im laufenden Jahr weniger Verkehrsflugzeuge als geplant ausliefern. Dennoch hält der Konzern an seinem Gewinnziel fest. Am Jahresende sollen insgesamt rund 860 Flugzeuge an Kunden übergeben worden sein. Das wären 20 bis 30 Maschinen weniger als geplant, kündigte Unternehmenschef Guillaume Faury an.

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Airbus kämpft in Hamburg seit fast zwei Jahren mit Verzögerungen bei der Produktion des A321 ACF, der mit seinem modifizierten Rumpf eine flexiblere Kabinengestaltung und Zusatztanks ermöglicht. Faury hatte deshalb bereits im Sommer angedeutet, dass die Auslieferungszahlen nach unten gehen könnten. Der Einbau der neuartigen Kabinenausstattung des Fliegers dauere deutlich länger als bei der herkömmlichen Version, erläuterte Faury. Die Airbus Cabin Flex (ACF) genannte Kabinenvariante schafft in der längeren Flugzeugversion A321neo Platz für mehr Passagiere.

Dennoch soll das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) in diesem Jahr um etwa 15 Prozent steigern. "Unser Festhalten am Gewinnziel trotz der reduzierten Auslieferungen zeigt, wie profitabel wir mit den Flugzeugen der A320neo-Serie sind", sagte Finanzchef Dominik Asam.

Der Produktionshochlauf des A321 ACF bleibe herausfordernd, erklärte der Konzern. Er senkte deshalb auch die Prognose für den Mittelzufluss (Free Cash Flow) von vier auf etwa drei Milliarden Euro. Mitten in der Ausweitung der Produktion falle es dem Unternehmen besonders schwer, Verspätungen wieder aufzuholen, sagte Faury.

Um sein reduziertes Auslieferungsziel zu erfüllen, muss Airbus im letzten Quartal noch 289 Flugzeuge an die Kunden übergeben - und damit fast so viele Maschinen wie im vierten Quartal 2018, als der Flugzeugbauer eine Rekordzahl von 297 Flugzeugen auslieferte. Bis 2021 will Airbus die Produktionsrate für die A320-Familie auf 63 Maschinen pro Monat steigern.

Airbus will bei Zollweitergabe geschmeidig sein

Kopfzerbrechen bereitet dem Konzern weiter der Zollstreit zwischen den USA und Europa, nachdem die USA in Europa gebaute Flugzeuge zuletzt mit Einfuhrzöllen in Höhe von zehn Prozent belegt hatten. Eine Gegenentscheidung aus Brüssel wird im kommenden Jahr erwartet. Faury deutete an, dass Airbus seinen US-Kunden bei den Mehrkosten für bereits in der Produktion befindliche Flugzeuge entgegenkommen könnte. "Wir kümmern uns um jeden Einzelfall und bemühen uns, die Hindernisse zu überwinden", sagte er. Die Lage werde sich jedoch weit schwieriger gestalten, sobald auch Maschinen betroffen seien, die in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres und später ausgeliefert werden sollten. Der Zollstreit sei sinnlos, niemand werde daraus als Gewinner hervorgehen, warnte Faury erneut.

Das bereinigte Ebit stieg nach neun Monaten um 51 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro, wie der Konzern mitteilte. Geschuldet sei dies vor allem dem Hochlauf der Produktion beim A320neo und Fortschritten im A350-Programm. Der Umsatz kletterte danach auf 46,2 Milliarden Euro.

Allein für das dritte Quartal wies das Unternehmen einen Umsatz von 15,3 Milliarden Euro, ein Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das bereinigte Ebit stieg um zwei Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente Airbus mit 989 Millionen Euro rund 40 Millionen Euro mehr als vor einem Jahr.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa