Wirtschaft

Kursrutsch an den Börsen Aktien der Corona-Profiteure stürzen ab

Die Inflation ist zurück. Aus Angst vor steigenden Zinsen und in der Hoffnung auf höhere Renditen bei Staatsanleihen machen Anleger bei Aktien Kasse. Der Dax rutscht um 2,5 Prozent ab. Besonders heftig ist der Kurssturz bei einigen der Investoren-Lieblinge der Krisen-Monate.

Aus Furcht vor steigenden Preisen und Zinsen fliehen Anleger aus den europäischen Aktienmärkten. Dax und EuroStoxx50 schlossen 1,8 und 1,9 Prozent tiefer. "Mit der Rückkehr der Inflation ist zu erwarten, dass die riesigen Konjunkturprogramme in den USA, Großbritannien, der EU und anderen Staaten eher früher als später zurückgefahren werden", sagte Analystin Susannah Streeter vom Brokerhaus Hargreaves Landsdown.

Steigende Zinsen erhöhten nicht nur die Finanzierungskosten für die Unternehmen, sondern machten Anleihen wieder zu einer attraktiven Alternative für Investoren, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Beides führt dazu, dass die aktuell hohen Aktienbewertungen immer schwieriger zu rechtfertigen sind."

Entscheidend für die weitere Entwicklung an den Börsen könnten die am Freitag anstehenden US-Verbraucherpreisdaten sein. "Die Toleranz der Notenbank Fed gegenüber der Inflation ist begrenzt", warnten die Analysten der DBS Bank. Analysten rechnen im Schnitt für April mit einer Teuerungsrate von 3,6 Prozent im Jahresvergleich. Im Vormonat hatte der Wert bei 2,6 Prozent gelegen. Je nachdem wie die Zahlen ausfielen, müsse mit weiteren Verlusten am Aktienmarkt gerechnet werden, sagte Anlagestratege Sebastien Galy von der Vermögensverwaltung der Nordea Bank.

Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses Avatrade, mahnte dagegen zur Besonnenheit. Die aktuellen Kursrücksetzer seien überfällig und gesund. Da sich die Konjunkturaussichten dank den Fortschritten bei den Coronavirus-Massenimpfungen und der erwarteten Erholung der Weltwirtschaft verbesserten, sehe er den aktuellen Ausverkauf als Gelegenheit zum Einstieg.

Gold ist gefragt

Dennoch flüchteten Anleger in den "sicheren Hafen" Gold. Das Edelmetall verteuerte sich um 0,2 Prozent auf 1840 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). "Investoren sehen Gold als Absicherung gegen Inflation", sagte Carlo Alberto De Casa, Chef-Analyst des Brokerhauses Activtrades. Sollte sich der Preis über 1840 Dollar etablieren, sei der Weg bis 1870 Dollar frei.

Am Aktienmarkt flogen vor allem Technologiewerte, die zunächst zu den Profiteuren der Pandemie gehören und in den vergangenen Monaten überdurchschnittlich zugelegt hatten, aus den Depots. Im Sog der Kursverluste der US-Konkurrenten brach der Index für den europäischen Technologiesektor um mehr als drei Prozent ein. Gleichzeitig setzte ihm dank sinkender Fallzahlen in Deutschland die Diskussion über eine Lockerung der Pandemie-Beschränkungen zu. So verbuchten die Aktien von Home24 mit einem Minus von zeitweise gut 16 Prozent einen der größte Kursstürze der Firmengeschichte, obwohl der Online-Möbelhändler seinen Quartalsumsatz um zwei Drittel steigerte und operativ schwarze Zahlen schrieb.

Quelle: ntv.de, mbo/rts

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