Wirtschaft

Von teuer auf weniger teuer Aldi schraubt die Fleischpreise runter

Die Umsätze in den Metzgereien sinken, gleichzeitig schnellen die Kosten für den Verbraucher in die Höhe: Seit Jahresbeginn sind die Preise für Fleisch doppelt so schnell gestiegen wie die Verbraucherpreise insgesamt. Nun läutet Aldi die Trendwende ein.

Überraschung im Kühlregal: Während die meisten Produkte im Supermarkt und beim Discounter immer teurer werden, geraten die Fleischpreise gerade ins Rutschen. Der Discounter Aldi verbilligte zahlreiche Frischfleischprodukte vom gemischten Hackfleisch bis zum Rindersteak. Der Händler gebe damit sinkende Einkaufspreise an die Kundinnen und Kunden weiter und leiste einen Beitrag zur Abschwächung der Inflation, sagte ein Unternehmenssprecher im Namen von Aldi Nord und Aldi Süd in Essen.

Der Schritt von Aldi dürfte auch Auswirkungen auf große Teile des übrigen Handels haben. Denn nach wie vor orientieren sich viele Wettbewerber gerade im Preiseinstiegsbereich an dem Erfinder des Discounts."Nachdem es Anfang des Jahres zunächst einen deutlichen Anstieg am Markt gab, sehen wir aktuell wieder sinkende Basispreise insbesondere bei Schwein", berichtete Aldi. Das liege nicht zuletzt an den nach wie vor hohen Überkapazitäten in Deutschland.

Für die Überkapazitäten bei der Fleischproduktion gibt es eine ganze Reihe von Gründen. So ist der Fleischkonsum in Deutschland schon seit geraumer Zeit rückläufig. Laut der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung lag er im vergangenen Jahr bei 55 Kilogramm. Zehn Jahre zuvor waren es pro Person und Jahr noch 7,8 Kilogramm mehr. Stattdessen boomt das Geschäft mit veganen und vegetarischen Fleischersatzprodukten.

Fleischkonsum nimmt deutlich ab

Außerdem verdirbt offenbar die hohe Inflation vielen Menschen aktuell die Lust an Wurst, Koteletts und Steaks. "Die Nachfrage kommt trotz des guten Grillwetters noch nicht so richtig in Schwung", beobachtete der Agrar-Informationsdienst AMI. Nach einer vor wenigen Wochen veröffentlichten, repräsentativen Forsa-Umfrage haben 42 Prozent der Menschen in Deutschland ihren Fleisch- und Fisch-Konsum reduziert, um sparsamer zu kochen. Außerdem leidet das früher florierende Exportgeschäft der deutschen Fleischindustrie nach wie vor unter dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest.

Die Preissenkung könne nun auch den Landwirten zugutekommen, die auf ihren Produkten sitzen bleiben, berichtete die "Bild"-Zeitung. Diese hätten den Handel bereits dazu aufgefordert, die Überkapazitäten abzubauen und so die Marktpreise zu stabilisieren - notfalls auch mit niedrigeren Preisen. Verbraucher würden sonst immer öfter "ins Billigsegment greifen", erklärte Bauernverbands-Generalsekretär Bernhard Krüsken. Die Metzgereien machten schon 2021 weniger Umsatz als in den Jahren zuvor - der Wert sank auf den niedrigsten Stand seit 1994.

Fleischpreise stiegen zuvor kräftig an

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Die Preise für Fleisch und Wurst waren in den ersten fünf Monaten des Jahres deutlich stärker gestiegen als die Verbraucherpreise insgesamt. Im Mai betrug die Teuerung für Fleisch und Fleischwaren 16,5 Prozent im Vorjahresvergleich, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Das war doppelt so hoch wie die Inflationsrate insgesamt von 7,9 Prozent - die Preise für Nahrungsmittel insgesamt stiegen um 11,1 Prozent. Am stärksten verteuerte sich der Statistik zufolge im Mai Geflügel mit fast 24 Prozent.

Die Preissenkungen machen sich im Portemonnaie also durchaus bemerkbar: Der Preis für 500 Gramm gemischtes Hackfleisch sank von 4,59 Euro auf 3,99 Euro. Bratwurst vom Schwein in der 400 Gramm-Packung verbilligte sich von 3,49 auf 2,99 Euro. Der Preis für ein Kilo Rindersteaks sank von 27,99 Euro auf 24,99 Euro.

Quelle: ntv.de, mbu/dpa/AFP

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