Wirtschaft

Bauernverband blickt aufs Jahr Angespannt, desaströs, zappenduster

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Neues deutsches Problemtier - das Schwein: Im Ausland nicht mehr gefragt, im Schlachthaus nicht gewollt und im Handel nicht geschätzt.

(Foto: imago images/Countrypixel)

Ein jubelnder Bauer ist eine rare Spezies. Doch in diesem Jahr kommt es für viele Landwirte knüppeldick. Wegen Corona bricht monatelang die Gastronomie und Hotellerie als Absatzmarkt weg. Die Schweinepest versiegelt lukrative Märkte. Und der Einzelhandel drückt die Preise.

Für die Bauern gehören Schwankungen zum Geschäft - allein schon beim Wetter. In diesem Jahr kam für viele Höfe aber noch mehr zusammen: Corona, Afrikanische Schweinepest, Preisdruck der großen Supermarktketten. "Die Situation auf vielen Höfen ist extrem angespannt", sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied zur wirtschaftlichen Bilanz. Zwar erholten sich die Gewinne der Betriebe im Ende Juni abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2019/20 im Schnitt um 13 Prozent auf 64.500 Euro. Noch nicht verbucht sind darin aber etwa die Folgen der erst später aufgetauchten Schweinepest.

Auch verlängerte Corona-Beschränkungen drücken auf den Lebensmittelmarkt. Es könne nun von "keiner Entspannung" die Rede sein, sagte Rukwied. Sondern nur einer "temporären Ergebnisverbesserung" nach vorherigen Gewinnrückgängen auf breiter Front. Und in der zweiten Halbzeit des bis Juni 2021 laufenden aktuellen Geschäftsjahres dürfte sich die Einkommenslage wieder klar verschlechtern.

Bei Milch- und Ackerbauern bleibe es wohl bei zuletzt unterdurchschnittlichen Gewinnen, von denen auch noch Investitionen zu zahlen sind. Vor allem Tierhaltern drohten erhebliche Einbrüche. Dazu kommen diverse Konfliktthemen:

Zoff mit dem Handel

Mit den vier großen dominierenden Supermarktketten kocht gerade Streit um die Preispolitik für Fleisch und andere Lebensmittel hoch - auch bei Bauernprotesten vor Zentrallagern des Handels. Für den Frust und Zorn habe er volles Verständnis, sagte Rukwied. Die Erzeugerpreise für Schweinefleisch seien gerade katastrophal, aber Preise an der Verkaufstheke stabil. Auch die Politik hat das Thema verschärft im Blick - gibt es Signale einer Veränderung?

Der Discounter Lidl verkündete am Donnerstag, den Einkaufspreis für zehn Artikel seines Schweinefleischsortiments um einen Euro pro Kilogramm anzuheben. Als Folge soll auch der Verkaufspreis im gleichen Umfang steigen. Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands begrüßte die Reaktion. Am morgigen Freitag will der Discounter Aldi Gespräche unter anderem mit der Bauern-Protestbewegung "Land schafft Verbindung" führen. Auch Rindfleischpreise stünden unter Druck, heißt es beim Bauernverband. Daneben gibt es Ärger um ungünstige Bedingungen für Lieferanten.

Der Schweinemarkt

Die Lage für Schweinehalter sei "zappenduster", berichtete Rukwied. Die in Brandenburg und Sachsen aufgetauchte Schweinepest bei Wildschweinen betrifft zwar weiterhin keine Ställe. Als Folge brachen aber Exporte aus ganz Deutschland in große Märkte außerhalb der EU wie China weg - und die Preise gleich mit. Für ein Ferkel lägen sie etwa auf einem "desaströsen Niveau" von gut 20 Euro, teils auch nur bei 12 oder 13 Euro. Insgesamt verlören die deutschen Schweinehalter gerade jede Woche rund 40 Millionen Euro. Dabei hatte eine enorme Nachfrage aus China die Gewinne bis zum Auftreten der Tierseuche in Deutschland noch kräftig angekurbelt. Das könnten sich die Schweinehalter aber nun als "temporäres historisches Ergebnis" einrahmen, sagte der Bauernpräsident.

Keine Entspannung in Sicht sei auch bei Engpässen in großen Schlachthöfen, die von Corona-Ausbrüchen beim Personal ausgelöst wurden. Als Folge stauten sich inzwischen 650.000 Schweine, die geschlachtet werden müssten. Über den Jahreswechsel könnte es sogar noch schwieriger werden: Wenn Saisonkräfte nach Rückkehr aus den Feiertagen in den Heimatländern in Quarantäne müssten und so erst Mitte Januar wieder antreten könnten.

Die Corona-Verschiebungen

Die Pandemie hatte den Markt schon vor allem im Frühjahr durcheinander gebracht. Während es in Supermärkten Umsatzrekorde und teils sogar Hamsterkäufe gab, brachen wichtige Großabnehmer wie die Gastronomie weg. Über den Sommer normalisierte sich das wieder.

Angesichts der zweiten Corona-Welle sind Restaurants und Hotels aber erneut dicht und dürfen nur zum Mitnehmen verkaufen - und das ausgerechnet in der wichtigen Zeit von Weihnachtsfeiern. Das schlägt auch auf Landwirte durch, wie Rukwied erläuterte.

Manche Landwirte hätten speziell Weihnachtsgänse produziert, da gebe es aber nun schleppenden Absatz. Auch die Direktvermarktung, wenn Bauern zum Beispiel Marmelade auf Weihnachtsmärkten verkaufen, fehle jetzt. Auf Internet-Handelsplattformen vertreten seien die ja nicht. Der Verband forderte, auch Landwirte in Corona-Wirtschaftshilfen einzubeziehen.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa