Wirtschaft

Reaktion auf den Datenskandal Auch "Playboy" löscht seine Facebook-Seite

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Der Gründer des "Playboy"-Magazins Hugh Hefner ist vergangenes Jahr im Alter von 91 Jahren gestorben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Tesla-Chef Musk hat es vorgemacht. Jetzt zieht der "Playboy" nach und meldet seinen Auftritt bei Facebook ab. Doch ganz aus den sozialen Medien will das US-amerikanische Männermagazin damit nicht verschwinden.

Cooper Hefner, Kreativchef des US-Magazins "Playboy", folgt dem Beispiel von Tesla-Chef Elon Musk und kündigt an, dass sich das Magazin der "#deletefacebook"-Bewegung anschließt und seine Seite in dem sozialen Netzwerk löscht.

*Datenschutz

"Die Richtlinien von Facebook widersprechen weiterhin unseren Werten. Wir haben versucht, als Stimme auf der Plattform vertreten zu sein, die unserer Meinung nach sexuell repressiv ist", erklärte der 26-jährige Sohn des im vergangenen Herbst verstorbenen "Playboy"-Gründers Hugh Hefner. Die Einmischungen in demokratische Wahlen hätten jedoch erneut gezeigt, wie fahrlässig Facebook mit den Daten von Nutzern umgehe.

Die mehr als 25 Millionen "Playboy"-Fans würden ihm, so Hefner weiter, klar machen, dass sie die Plattform jetzt verlassen müssten. Der Auftritt der Marke "Playboy" bei Facebook ist inzwischen nicht mehr erreichbar - die Profile von Ablegern aus beispielsweise Deutschland und den Philippinen hingegen schon.

Die eigenständige Internetseite "Playboy.com" zieht monatlich ungefähr vier Millionen Besucher an, von denen einige vermutlich von Facebook stammen. Doch das Magazin hatte in den vergangen Jahren Schwierigkeiten sich an die Nutzungsbedingungen des sozialen Netzwerks anzupassen. Als sich "Playboy" 2014 eine "No Nudes"-Politik auferlegte, begründeten die Verantwortlichen diesen Schritt auch damit, dass sich das Unternehmen an die Standards von Facebook anpassen wolle. Facebook unterbindet zum Beispiel die Darstellung unverhüllter Geschlechtsmerkmale.

Die "No Nudes"-Strategie machte Cooper Hefner jedoch 2017 wieder rückgängig. "Nacktheit war nie das Problem, weil Nacktheit kein Problem ist", erklärte der junge Kreativchef damals. "Heute beanspruchen wir wieder unsere Identität und fordern zurück, wer wir sind."

"Was ist Facebook?"

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Für Facebook entwickelt sich der Rückzug einflussreicher Nutzer der Plattform mehr und mehr zum ernsten Problem: Unter dem Hashtag "#deletefacebook" sprach sich zuletzt auch der WhatsApp-Mitgründer Brian Acton für eine solche Boykott-Maßnahme aus. Acton hatte den populären Messaging-Dienst WhatsApp einst für 22 Milliarden Dollar an Facebook verkauft. Ein Tweet von Acton mit dem Aufruf "Es ist Zeit" gilt auch als Auslöser für die Löschung der Facebook-Seiten von Tesla und SpaceX.

Tesla-Chef Musk reagierte auf Actons Appell mit der Frage "Was ist Facebook?" und wurde anschließend von Twitter-Nutzern aufgefordert, die Facebook-Präsenz seiner Unternehmen zu löschen. Hintergrund der Kontroverse sind Enthüllungen rund um die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica. Das Unternehmen soll sich unberechtigten Zugang zu Informationen von 50 Millionen Facebook-Nutzern besorgt haben, um damit gezielt Wahlen in den USA und auch das Brexit-Referendum in Großbritannien zu beeinflussen.

Halbherziger Protest

Der Datenskandal lenkte die Aufmerksamkeit von Politik, Aufsichtsbehörden und Justiz auf die Missbrauchsmöglichkeiten der Nutzerdaten: Facebook-Chef Mark Zuckerberg muss in dieser Sache unter anderem vor dem US-Kongress Rede und Antwort stehen. Zwar haben "Playboy", SpaceX und Tesla ihre Internetauftritte auf Facebook mittlerweile entfernt. Auf Instagram, das ebenfalls zu Facebook gehört, unterhalten alle drei ihre Seiten jedoch noch immer reichweitenstarke Auftritte. Das Instagram-Profil von "Playboy" etwa zählt momentan 6,4 Millionen Follower.

Hefner, Acton und Musk sind nicht die einzigen Kritiker, die ihr Engagement bei Facebook zurückfahren: Einige andere Firmen wie Mozilla, der Entwickler des bekannten Web-Browsers "Firefox", kündigten vor dem Hintergrund des Datenskandals an, ihre Werbung bei dem Online-Netzwerk, zumindest für kurze Zeit, aussetzen zu wollen. Dieser Schritt dürfte Facebook sehr viel stärker treffen - weil er das Geschäftsmodell des Netzwerkriesen berührt: Mit Werbeanzeigen, die der US-Konzern seinen über zwei Milliarden Nutzern individuell zugeschnitten anzeigen kann, erzielt Facebook einen Großteil seiner Einnahmen.

Quelle: n-tv.de, jki

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