Wirtschaft

Zweifel an der Flugsicherheit Australien sperrt neue Boeing-Jets aus

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Überarbeitetes Erfolsgmodell mit neuer Steuerungssoftware im Cockpit: Die Grounding-Anordnungen für die 737 Max wachsen sich für Boeing-Kunden zur Krise aus.

(Foto: REUTERS)

Zwei Tage nach dem Absturz eines Passagierjets in Äthiopien wird die Luft für Boeings Hoffnungsträger 737 Max immer dünner. Singapur sperrt ein wichtiges Drehkreuz. Indien verhängt Auflagen. Australien legt die Betriebserlaubnis vorerst ganz auf Eis.

Die Luftfahrtbehörden in Singapur, Indien und Australien haben in Reaktion auf den ungeklärten Absturz einer Boeing 737 Max in Äthiopien, bei dem am vergangenen Sonntag 157 Menschen starben, den Einsatz des betroffenen Flugzeugtyps untersagt oder eingeschränkt.

Die indische Luftfahrtbehörde DGCA etwa schreibt ab sofort eine Flugerfahrung von mindestens 1000 Stunden für Piloten des Flugzeugtyps vor. Co-Piloten müssten mindestens 500 Stunden Flugerfahrung vorweisen, wie die DGCA mitteilte. Dies sei eine vorläufige Sicherheitsmaßnahme, die für alle Flüge im indischen Luftraum gelte. Diese sowie neue Vorgaben zur Wartung der Maschinen seien dem US-Luftfahrtkonzern Boeing und der US-Luftfahrtbehörde FAA mitgeteilt worden.

Die Behörden in Singapur gehen mit Blick auf die Zweifel an der Flugsicherheit des Boeing-Modells einen Schritt weiter: Auf dem Flughafen des Stadtstaats - einem der größten weltweit - dürfen bis auf Weiteres keine Passagiermaschinen des Typs Boeing 737 Max 8 mehr starten und landen. Das südostasiatische Land verhängte mit sofortiger Wirkung ein sogenanntes Grounding.

Immer mehr Zielflughäfen gesperrt

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Die Anordnung soll einer Mitteilung der nationalen Flugsicherheitsbehörde zufolge solange gelten, bis "weitere Informationen gesammelt und das Sicherheitsrisiko neu bewertet" ist. Einen genaueren Zeitraum nannte die Behörde nicht. Betroffen von dem Verbot sind unter anderem die Fluggesellschaften China Southern, Thai Lion, Garuda, Silk Air und Shandong.

Ähnliche Anordnungen hatten zuvor die Aufsichtsbehörden in China, Südafrika, Indonesien und einer Reihe kleinerer Staaten verhängt. Zuletzt schloss sich auch die australische Luftfahrtaufsicht CASA ("Civil Aviation Safety Authority") diesem Vorgehen an. Passagiermaschinen des Typs Boeing 737 Max 8 dürfen demnach ab sofort keinen einzigen Flughafen in Australien mehr ansteuern oder von dort abheben.

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Die Sicherheitsmaßnahme trifft hier unmittelbar vor allem die beiden Fluggesellschaften Silk Air aus Singapur und Fiji Airways von den Fidschi-Inseln, die die Boeing 737 Max 8 in Australien im Einsatz haben. Australische Fluggesellschaften fliegen nicht mit dem Modell 737 Max. Indirekt wirken sich die neuen Grounding-Anordnungen jedoch auf die gesamte Luftfahrtbranche aus.

Da immer mehr Zielflughäfen für die neuen Boeing-Modelle gesperrt sind - oder einzelne Maschinen aufgrund des Grounding dort festhängen -, müssen die Fluggesellschaften ihre Pläne umstellen und Ersatzmaschinen für bereits fest gebuchte Verbindungen bereitstellen. Dies führt im Flugbetrieb zu erheblichem Zusatzaufwand, der sich über kurz oder lang auch in den Kosten niederschlagen wird. Und noch ist vollkommen unklar, ab wann die Maschinen wieder uneingeschränkt eingesetzt werden dürfen.

US-Aufsicht sieht keine Bedenken

Die Ermittlungen der Unfallsachverständigen im Fall des Unglücksflugs ET-302 haben gerade erst begonnen. Üblicherweise dauert es mehrere Monate, bis die Experten einen ersten Zwischenbericht zur Unglücksursache vorlegen können.

Wie schwer die 737-Max-Sperre die Airlines trifft, zeigt ein Blick auf das Beispiel Singapur: Mit mehr als 60 Millionen Passagieren gehört der Changi-Flughafen dort zu den 20 größten der Welt. Insbesondere für den Weiterflug in andere asiatische Länder und nach Australien wird das Drehkreuz Singapur auch von europäischen Passagieren viel genutzt.

Die US-Luftfahrtaufsichtsbehörde Federal Aviation Administration (FAA) hält den Flugzeugtyp Boeing 737 Max 8 ungeachtet des Absturzes zweier Maschinen binnen weniger Monate weiter für flugtauglich. Hersteller Boeing stellte eine rasche Überarbeitung der Cockpit-Software in Aussicht. Nach Angaben des Konzerns wurden über 370 Maschinen dieses Typs an 47 Kunden ausgeliefert.

Bei dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 von Äthiopiens nationaler Fluggesellschaft Ethiopian Airlines waren am Sonntag auf dem Weg in die kenianische Hauptstadt Nairobi kurz nach dem Start in Addis Abeba 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen. Unter den Opfern waren dem Auswärtigen Amt zufolge fünf Deutsche. Im Oktober waren beim Absturz einer baugleichen Maschine der Fluglinie Lion Air in Indonesien 189 Menschen gestorben.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa

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