Börsenkurse im Aufwind BASF arbeitet an Übernahme seines Rivalen Evonik

Chemiekonzern BASF will Evonik übernehmen. Die Ludwigshafener wollen damit ihr Portfolio vertiefen. Die Nachricht schiebt die Evonik-Aktie kräftig an.
Die fragmentierte europäische Chemiebranche steuert auf eine milliardenschwere Übernahme zu: Der Chemieriese BASF hat Interesse an einer Übernahme des Konkurrenten Evonik. BASF habe den Essenern und ihrem größten Anteilseigner, der Kohle-Stiftung RAG, jüngst einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet, berichtete die "Financial Times" unter Berufung auf Insider. BASF stehe mit Banken in Kontakt mit Blick auf eine mögliche Transaktion und arbeite weiter daran.
Evonik bestätigte das kolportierte Interesse. Durch den Ludwigshafener Dax-Konzern sei dem Unternehmen eine unverbindliche Ansprache zugegangen, hieß es von Evonik. Diese sei auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien der Gesellschaft gerichtet. Gespräche fänden derzeit jedoch nicht statt.
BASF will mit einer Übernahme von Evonik seinen globalen Fußabdruck und sein Portfolio vertiefen, um im schwierigen Branchenumfeld besser zu bestehen, meldete die "Financial Times". Der weltgrößte Chemiekonzern BASF mit einem Börsenwert von 47 Milliarden Euro führt laut Bericht bereits seit Anfang des Jahres Gespräche mit Banken über eine mögliche Übernahme. Der FT zufolge würde die mit einer Marktkapitalisierung von 8,4 Milliarden Euro bewertete Evonik auf eine erhebliche Übernahmeprämie dringen. Der Unternehmenswert einschließlich Nettoverschuldung belaufe sich auf rund zwölf Milliarden Euro, hieß es.
"Die industrielle Logik ist gegeben"
Ankeraktionär von Evonik ist die Essener RAG-Stiftung, die rund 43 Prozent der Anteile hält. Sie will aber ihre Abhängigkeit von der Chemieindustrie verringern und hatte erklärt, den Anteil perspektivisch auf 25,1 Prozent abschmelzen zu wollen. Ihr käme bei einer möglichen Transaktion eine Schlüsselrolle zu. Sie habe derzeit drei Schuldverschreibungen mit einem Umtauschrecht in Aktien der Evonik AG ausstehen, teilte die Stiftung mit, die mit ihrem Vermögen für die Folgekosten des beendeten Steinkohlebergbaus in Deutschland haftet.
Ein Zusammenschluss könnte eine Konsolidierung der durch zahlreiche Unternehmen geprägten europäischen Chemieindustrie anschieben. Zusammen kämen BASF und Evonik auf einen Jahresumsatz von zuletzt rund 75 Milliarden Euro. Evonik fuhr nach eigenen Angaben 2025 rund 32 Prozent seiner Umsätze in Amerika, rund 44 Prozent in Europa und 24 Prozent in Asien ein. Evonik verfügt über eine Marktkapitalisierung von rund 8,4 Milliarden Euro.
Mit einer für eine Übernahme nötigen Prämie würde eine Transaktion für BASF also nicht billig. Sie könnte den Konzern Experten zufolge aber stärken: "Das Produktportfolio von Evonik ist komplementär zu BASF", erklärte Arne Rautenberg, Aktienchef bei Union Investment: "Mit der Übernahme von Evonik könnte BASF sich in der Spezialchemie stärker aufstellen und die Auslastung nach oben bringen." "Die industrielle Logik ist gegeben", bilanzierte er.
Die Nachrichten einer möglichen Übernahme brachten die Aktien von Evonik am Mittag ordentlich in Schwung. Mit elf Prozent Plus auf knapp über 20 Euro erklommen sie das höchste Niveau seit Mai 2025. Aktien von BASF korrigierten um mehr als drei Prozent an ihre 100-Tage-Linie. Bereits am Dienstag hatte das Magazin "Dealreporter" über angebliches Interesse von BASF an Evonik berichtet. Seither haben sich Evonik-Aktien sukzessive erholt, nun mit kräftigem Schwung.

