Wirtschaft

Scheuer: Kein Jubeltag BER nimmt Flugbetrieb auf

Mit mehr als achtjähriger Verspätung geht der Berliner Hauptstadtflughafen BER ans Netz. Den Startschuss gab die Landung einer Easyjet- und einer Lufthansa-Maschine. Die Eröffnung hatte sich mehrfach wegen baulicher Mängel verschoben. Die Kosten verdreifachten sich.

Nach jahrelangen Verzögerungen ist der neue Hauptstadtflughafen BER eröffnet. Um 14 Uhr landete ein Flugzeug der Airline Easyjet und brachte die ersten Passagiere zum neuen Terminal in Schönefeld bei Berlin. Wenige Minuten später landete eine Maschine der Lufthansa. Beide Gesellschaften werden künftig die größten Kunden am Flughafen sein. Am morgigen Sonntag sollen die ersten Passagiere vom neuen Airport starten.

"Es gab frustrierende Momente und viele Rückschläge", sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. "Wir haben nun endlich einen Flughagen nach internationalem Standard." Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke sagte, es habe Krisen und eine viel zu lange Bauzeit gegeben. "Heute schreiben wir das erste Kapital einer Erfolgsgeschichte." Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller bezeichnete den BER auch als ein Stück Wiedervereinigungsgeschichte.

"Es ist kein Jubeltag, es ist ein Arbeitstag - mit sehr viel Erleichterung und Vorfreude", erklärte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Nun müsse man mit einem "Wirtschaftswunder" durchstarten, um die Virus-Pandemie möglichst rasch zu überwinden. "Die Zeit der Jokes über den BER muss jetzt vorbei sein", forderte der CSU-Politiker.

"Wir machen einfach auf"

Die Eröffnung hatte sich wegen nicht enden wollender Widrigkeiten um Jahre verzögert. Wegen Pfusch am Bau explodierten die Kosten am Großflughafen Berlin Brandenburg BER. Der Airport gilt deswegen seit Jahren als Synonym für Fehlplanung, Missmanagement, Aufsichtsversagen und milliardenschwere Verschwendung von Steuergeldern. Aus diesem Grund verzichten die Betreiber Berlin, Brandenburg und der Bund auf eine große Party. "Wir machen einfach auf", hatte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup wiederholt betont.

Die Eröffnung, die unter anderem 2012 unter großem Aufsehen kurzfristig verschoben wurde, fällt nun mitten in die Corona-Krise. Wegen des Einbruchs im Flugverkehr schreibt der BER wohl auf Jahre hinaus Verluste und benötigt staatliche Hilfen. Dabei hat das Projekt die Kassen der öffentlichen Hand bereits arg strapaziert: Die Kosten stiegen von rund 2,7 Milliarden auf knapp 6 Milliarden Euro. Wegen einer Vergrößerung des Airports im Vergleich zu den ursprünglichen Planungen von 2005 verdreifachten sich die Kosten sogar fast.

Lufthansa: Kein neues Drehkreuz

Die Branche wird nach Worten von Lufthansa-Chef Carsten Spohr noch lange unter der Krise leiden. "Wir müssen realistisch sein. Es wird bis Mitte des Jahrzehnts dauern, bis wir frühestens, wenn überhaupt das Niveau von 2019 wieder erreichen können." Anders als bei Tegel sei es am BER möglich, Umsteigeflüge anzubieten und damit genug Passagiere für Langstreckenflüge zu sammeln. Für die Lufthansa sei ein drittes Drehkreuz in Deutschland neben Frankfurt und München nicht vorstellbar, aber das Angebot von direkten Interkontinentalflügen möglich, wenn es profitabel möglich sei.

Mit der BER-Eröffnung soll der innerstädtische Berliner Flughafen Tegel am 8. November schließen. Der alte DDR-Airport Schönefeld wird als Terminal 5 zunächst in den BER integriert, soll aber langfristig mit Eröffnung von Terminal 3 geschlossen werden.

Quelle: ntv.de, jwu/rts

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