Wirtschaft

Aktienkurs erbost Aktionäre BMW-Chef Krüger geht durchs Fegefeuer

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"Fährt mit angezogener Handbremse": Die Aktionäre wollen mehr Mut von BMW-Chef Krüger.

(Foto: picture alliance/dpa)

Anders als VW setzt der BMW-Chef nicht allein auf die Batterietechnik - das drückt den Gewinn. Die Aktionäre gehen mit Krüger hart ins Gericht. Sie kreiden ihm Kursverluste und mangelnden Mut an. In einem Jahr läuft sein Vertrag aus.

BMW-Chef Harald Krüger hat vor der Entscheidung über eine Verlängerung seines Vertrages ein schlechtes Zeugnis von den Aktionären bekommen. Auf der Hauptversammlung in München hagelte es Kritik. Kartellstrafe, Gewinneinbruch, Kursverlust und Dividendenkürzung: "Von BMW kommen derzeit nur Hiobsbotschaften", sagte Janne Werning von Union Investment, der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken.

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Die Vizepräsidentin der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), Daniela Bergdolt, sagte: "Ich bin nicht zufrieden mit BMW." Viele Probleme seien hausgemacht, BMW habe die Zeichen der Zeit zu spät erkannt. "Sie haben sich viel zu lange auf Ihrer Position der Stärke ausgeruht", warf Bergdolt der Konzernspitze vor. Sie erwarte von BMW eine Strategie, "die Tesla vom Tisch bläst".

Der US-Rivale gilt als Elektroautopionier und wächst mit seinem ersten Massenmarktmodell Model 3 derzeit stark. Die BMW-Aktie hat innerhalb eines Jahres dagegen 25 Prozent ihres Wertes verloren. Der Münchner Autobauer hatte im vergangenen Jahr zwar mehr Autos verkauft als im Vorjahr, aber der Gewinn vor Steuern sank von den 10,7 Milliarden Euro des Rekordjahrs 2017 auf 9,8 Milliarden Euro und soll im laufenden Jahr sogar unter 8,9 Milliarden Euro fallen. Die drohende Milliardenstrafe der EU-Kartellwächter wegen Technikgesprächen mit VW und Daimler ist nur ein Grund.

Krüger verteidigt Technologieoffenheit

Im Gegensatz zum Volkswagen-Konzern setzen BMW und Daimler nicht voll auf das Batterieauto, sondern auch auf Benzin-, Diesel- und Hybridautos mit Verbrenner- und Elektroantrieb kombiniert. Das erfordert noch höhere Investitionen. Doch die Konzernspitze verteidigt ihren Weg: Technologische Offenheit sei entscheidend, um die verschiedenen Kundenwünsche flexibel bedienen zu können, sagte Krüger. "Alles auf eine Karte zu setzen, ist der falsche Weg und für den Wohlstand in Deutschland gefährlich." Mit zehn elektrifizierten Autos habe BMW heute das breiteste Angebot und sei beim Verkauf Marktführer in Europa.

Daniel Bauer, Chef der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), lobte diese Strategie. Langfristig betrachtet schneide die BMW-Aktie deutlich besser ab als die Papiere von Daimler, sagte Bauer. Dagegen kritisierte Fondsmanager Werning: "BMW wirkt zaghaft, kraft- und mutlos." Die Konkurrenz in Wolfsburg, Ingolstadt und Stuttgart drücke bei der Elektromobilität mehr aufs Tempo, BMW fahre mit angezogener Handbremse. Mit einem deutlichen Seitenhieb auf Vorstandschef Krüger sagte der Fonds-Analyst: "Daimler wandelt sich zur Holding und sorgt mit dem anstehenden Wechsel an der Konzernspitze für neue Impulse." Der 66-jährige Daimler-Chef Dieter Zetsche übergibt sein Amt kommende Woche an Ola Källenius.

Verlängerung oder nicht: Der neue Aufsichtsrat entscheidet

Der 53-jährige Krüger steht seit vier Jahren an der Spitze von BMW, sein jetziger Vertrag läuft in genau einem Jahr aus. Über eine Verlängerung entscheidet der neue Aufsichtsrat. Die Geschwister Susanne Klatten und Stefan Quandt, die knapp die Hälfte der Aktien und Stimmrechte halten, bewarben sich erneut für den Aufsichtsrat. Neu kandidierte der frühere SAP-Manager Vishal Sikka. Außerdem zieht die IG-Metall-Funktionärin Verena Dohna-Jäger neu in das Kontrollgremium ein.

Wie die anderen Autobauer kämpft auch BMW mit der weltweit schwächeren Nachfrage und neuen Zollhürden. Zugleich müssen die Konzerne enorme Summen in Elektroautos und die Umrüstung der Fabriken investieren, um die Vorgaben in China und der EU einzuhalten und Strafabgaben zu vermeiden. Dazu kommen Investitionen in selbstfahrende Autos und Mobilitätsdienste, um nicht in naher Zukunft als bloßer Zulieferer der finanzstarken IT-Konzerne dazustehen.

Analyst Daniel Schwarz von der Schweizer Großbank Credit Suisse erwartet in einer aktuellen Studie, dass BMW den Tiefpunkt der Profitabilität jetzt erreicht habe. Nächstes Jahr habe BMW die jüngste Modellpalette im Wettbewerb.

Quelle: n-tv.de, Von Roland Losch und Marco Engemann, dpa

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