Wirtschaft

Test des Schutzmechanismus? Bafin sieht einige Pensionskassen wanken

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EZB-Chef Draghi hat die Finanzbranche in den Sturm gestellt. Für einige könnte dies zu heftig sein.

(Foto: imago/Richard Wareham)

Pensionskassen, Banken und Verbraucherkredite - die Auswirkungen der EZB-Zinspolitik umfassen immer mehr Finanzbereiche. Und die Aufseher der Bafin machen sich zunehmend Sorgen. Die Überwachung soll genauer werden.

Einigen deutschen Pensionskassen könnte angesichts der Niedrigzinsen die Luft ausgehen. "Einzelne könnten bald möglicherweise nicht mehr aus eigener Kraft ihre Leistungen in voller Höhe erbringen", warnte Bafin-Versicherungsdirektor Frank Grund. "Mit ihnen besprechen wir aktuell, wie es weitergehen kann." Unterm Strich litten die Pensionskassen mehr als die Lebensversicherer unter dem niedrigen Zinsniveau, sagte er. Die Pensionsberechtigten stünden aber nicht ohne Schutzmechanismen da. Diese könnten bald einem Praxistest unterzogen werden. Ein Auge will die Finanzaufsicht zudem stärker auf Banken und Verbraucherkredite werfen.

Die Pensionskassen haben fast nur Verträge im Bestand, in denen sie sich dazu verpflichtet haben, lebenslang Renten an die Versicherten zu zahlen. "Die werden im Durchschnitt immer älter, was die Ergebnisse zusätzlich belastet", erklärte Grund. Die Kassen hätten zwar schon früh begonnen, gegenzusteuern und zusätzliche Rückstellungen gebildet. Doch der durchschnittliche Rechnungszins liegt immer noch bei 3,28 Prozent. "Und die lassen sich in diesen Tagen nur schwer stemmen", sagte Grund. Die Bafin bestärkt die Pensionskassen darin, ihre Träger, also die Arbeitgeber, zu ermuntern, Mittel zur Verfügung zu stellen. Bei Pensionskassen, die Aktiengesellschaften sind, könnten die Aktionäre nachlegen.

Die Lebensversicherer hätten dagegen auf kurze und mittlere Sicht ausreichendes Stehvermögen, um die Niedrigzinsen wegzustecken, sagte BaFin-Präsident Felix Hufeld. Es könne jedoch sein, "dass nicht alle Unternehmen diesem Druck auf Dauer standhalten".

Banken brauchen strengere Vorgaben

Sorgen bereiten der Finanzaufsicht zudem Banken. Diese täten sich immer schwerer, auf lange Sicht auskömmliche Erträge zu erwirtschaften, sagte Hufeld weiter. Sollten die Zinsen noch lange niedrig bleiben, könnte auch eine Zinswende für die Institute zu einem Problem werden. Um dieses Risiko abzusichern, will die Bafin die von ihr direkt beaufsichtigten 1600 kleinen und mittleren Banken und Sparkassen in Deutschland künftig zu Kapitalaufschlägen zwingen.

Darüber hinaus will die Finanzaufsicht die Zinsen für Verbraucherkredite genauer unter die Lupe nehmen. Mit einer Umfrage wollen die Aufseher herausfinden, ob Banken und Sparkassen systematisch Kunden benachteiligten, indem sie bei Verbraucherkrediten Zinsänderungen mit "ungerechtfertigter Verzögerung" weitergeben, wie die Chefin der Wertpapieraufsicht bei der Bafin, Elisabeth Roegele sagte.  Verbraucherschützer hatten in der Vergangenheit mehrfach kritisiert,  Geldhäuser würden Zinssenkungen bei Sparprodukten vergleichsweise schnell weiterreichen, sich bei der Anpassung der Kreditzinsen aber mehr Zeit lassen.

"Wir wollen ein angemessenes Schutzniveau für alle Verbraucher - egal, in welchem Finanzsektor sie unterwegs sind", sagte Roegele mit Blick auf den kollektiven Verbraucherschutz als neue Aufgabe der Bafin.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts/DJ/dpa

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