Wirtschaft

Politik des billigen Geldes Beginnt die EZB bald mit dem Ausstieg?

Sabine Lautenschläger erwartet, dass die EZB sich bald nach und nach von der lockeren Geldpolitik verabschiedet. Und das sagt sie in ihrer Eigenschaft als Direktorin der Notenbank. Die Frage ist nur, ob EZB-Chef Draghi das genauso sieht.

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"Alle Vorbedingungen für einen stabilen Anstieg der Inflation sind gegeben."

(Foto: picture alliance / dpa)

EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger ist optimistisch, dass die Notenbank bald mit dem Ausstieg aus ihrem umstrittenen Anleihekaufprogramm beginnen kann. Es ist das erste Mal, dass ein Mitglied des sechsköpfigen EZB-Direktoriums zumindest andeutet, dass die Tage des sogenannten Quantitative-Easing-Programms der EZB gezählt sein könnten.

EZB-Präsident Mario Draghi vermied zuletzt stets Äußerungen zum möglichen Ende des 2,3 Billionen Euro schweren Ankaufprogramms. Noch in der vergangenen Woche sagte Draghi, das Thema sei von den Geldpolitikern nicht einmal diskutiert worden. Die Kritik an der EZB ist vor allem in Deutschland zuletzt gewachsen, nachdem die deutsche Inflationsrate im Dezember sprunghaft auf 1,7 Prozent gestiegen war.

Die EZB solle nicht zu lange mit der Abkehr von der lockeren Geldpolitik warnen, warnte Lautenschläger in Hamburg. "Alle Vorbedingungen für einen stabilen Anstieg der Inflation sind gegeben", erklärte die Direktorin. "Ich bin deshalb zuversichtlich, dass wir uns bald der Frage eines Ausstiegs widmen können."

Die Verbraucherpreise im Euroraum stiegen im Dezember vor allem wegen der wieder anziehenden Energiepreise mit einer Jahresrate von 1,1 Prozent und damit so stark wie seit drei Jahren nicht. Die Inflationsrate liegt aber immer noch um Einiges unter dem Ziel der EZB von knapp unter zwei Prozent. Entscheidend ist, dass die sogenannte Kernteuerung, die volatile Preise wie die von Energie, Nahrungsmitteln, Alkohol und Tabak außen vorlässt - hartnäckig niedrig geblieben ist.

Verringerung der Dosis

Im Bewusstsein dieser Kluft versprach Draghi in der vergangenen Woche, das Anleihekaufprogramm bis Jahresende zu verlängern. Allerdings wird nach dem im Dezember bereits gefassten Beschluss das Volumen der monatlichen Ankäufe ab April von derzeit 80 Milliarden auf 60 Milliarden verringert.

Die Worte Lautenschlägers deuten darauf hin, dass sie ein Ende der Bondkäufe vor Dezember bevorzugt. Die EZB-Direktorin warnte, dass die Risiken und negativen Nebeneffekte der Quantitative Easing stiegen, je länger das Programm laufe. Sie schränkte aber ein, während es "wichtig ist, die Einnahme der Arznei so bald wie möglich zu beenden", sollte sie aber dennoch nicht zu früh abgesetzt werden. Man solle vielmehr allmählich die Dosis verringern.

Jedes offizielle Signal, dass die EZB ihr Anleihekaufprogramm tatsächlich beendet, dürfte zu starken Anpassungen der Preise von Vermögenswerten führen, weil die Investoren dann zukünftig höhere Zinsen einpreisen.

Quelle: ntv.de, wne/DJ