Wirtschaft

Vor der Hauptversammlung Bei Deutscher Bank herrscht große Unruhe

Wird die morgige Hauptversammlung ein Desaster? Bei der Deutschen Bank gibt es viele Baustellen. Investoren verlangen einen Umbau des Vorstandes. Auch der Aufsichtsrat bleibt von der Kritik nicht verschont. Die Sitzung könnte turbulent werden.

Die Hauptversammlung der Deutschen Bank am Donnerstag droht zu einem Fiasko zu werden. Die lang erwartete neue Strategie wirft bei den Investoren mehr Fragen auf, als sie Antworten gibt. Die Kritik mächtiger Aktionäre am Vorstand wird immer lauter. Bereits hingeworfen hat Privatkundenvorstand Rainer Neske. Beobachter rechnen bei der am Abend stattfindenden Aufsichtsratssitzung mit weiteren Personalentscheidungen.

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Investoren fordern inzwischen offen einen Vorstandsumbau. So richtig sicher sitzt aktuell kein Vorstand auf seinem Stuhl.
Der Aktionärsberater Hermes Investment Management verlangte, den Vorstand nicht zu entlasten. "Es gibt Fragen über die Leistung der Vorstandchefs in den vergangenen drei Jahren", sagte Direktor Hans-Christoph Hirt. "In der jetzigen Besetzung hat der Vorstand nicht mehr unser Vertrauen; daher bitten wir den Aufsichtsrat, seine Zusammensetzung kritisch zu überprüfen."

Investoren äußern sich ähnlich. Einer der 20 größten Anteilseigener, der namentlich nicht genannt werden will, verweigert ebenfalls die Entlastung. Weitere werden wohl folgen. Denn viele große Anteilseigner hören auf den Rat von Aktionärsberatern. So hatte Institutional Shareholder Services (ISS) Investoren geraten, das Management nicht zu entlasten. Die Berater von Glass, Lewis & Co empfehlen, sich zu enthalten. Sie begründen das mit dem laufenden Prozess gegen Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen und den Ermittlungen gegen Rechtsvorstand Stephan Leithner.

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Kritik prasselt auf die Bankchefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain herab.

(Foto: dpa)

Ein Ergebnis von mehr als 20 Prozent Gegenstimmen bei der Entlastung des Vorstands sollte laut Hermes-Chef Hirt dem Aufsichtsrat sehr zu denken geben, insbesondere wenn man die Aktionärsstruktur betrachtet. Rückenwind bekommt die Bank dagegen von Großinvestoren wie Blackrock, mit denen die Bank über andere Geschäfte verknüpft ist. Zusammen mit Paramount aus Katar hält Blackrock rund 15 Prozent.

Viele Fragen auch an Achleitner

Unter Druck steht auch der Aufsichtsrat selbst. "Wir werden Herrn Achleitner fragen, warum es erst im Jahr 2014 die Erkenntnis gab, einen Vorstand zu berufen, der sich nur mit Rechtsfragen befasst", sagte Hirt. Hermes ist mit der Kritik an der schleppenden Aufarbeitung der Rechtsstreitigkeiten nicht allein. "Für Herrn Achleitner gilt jetzt auch, was für die Vorstände gilt: Er ist drei Jahre dabei und somit für wesentliche Weichenstellungen mit verantwortlich", so Hirt.

Aufsichtsratschef Paul Achleitner ist sich des Drucks bewusst. Im Interview mit dem Wall Street Journal verlangte er von den beiden Chefs der Bank Ergebnisse. "Die Beurteilung (der Vorstandschefs) richtet sich künftig nach der Umsetzung der Strategie", sagte er. Die Kritik nimmt er ernst: "Wir sind sehr sensibel, wenn es um die Meinung der Aktionäre geht."

"Immer noch ein Problemfall"

Ob Kleinanleger oder Großinvestor, die Kritik an der Vorstandsriege ist ähnlich. Sie bemängeln vorrangig drei Punkte.
Erstens: Der Vorstand hat die wesentlichen Ziele klar verfehlt. Die Strategie 2015+ hat für die Aktionäre keinen Wert geschaffen, da der Vorstand zu spät auf das sich klar verändernde wirtschaftliche und regulatorische Umfeld reagiert hat. Die Kursentwicklung der Aktie ist dementsprechend.

Zweitens: Der Kulturwandel hat sich nicht in Verhaltensänderungen manifestiert. "Das war aus unserer Sicht von Anfang an ein PR-Gag", sagte ein Investor. "Wenn die Deutsche Bank den Kulturwandel ernst gemeint hätte, dann wären andere Leute am Ruder." Auch Hermes hat nach eigenen Angaben mit der Bank darüber diskutiert, ob Fitschen und Jain geeignet sind, den Kulturwandel umzusetzen. Denn beide hätten bereits zuvor Schlüsselpositionen besetzt und seien damit Teil der alten Kultur.

Drittens: Die Milliardenstrafen und die im Vergleich zu anderen Banken schleppende Aufarbeitung der Rechtsstreitigkeiten.
Für weiteren Druck vor der Hauptversammlung sorgt Kritik aus der Politik. "Drei Jahre nach Antritt des neuen Führungsduos ist die Deutsche Bank immer noch ein Problemfall", sagte der Grünen-Fianzexperte Gerhard Schick. Altlasten wie die Zinsmanipulation und der Vorwurf der Prozesstäuschung lähmten die Bank. "Der angekündigte Kulturwandel scheint nicht stattzufinden - wie sonst erklärt sich der Vorwurf der britischen und amerikanischen Aufsicht, dass die Bank mit Fehlinformation und Verzögerungstaktik die Aufklärung behindert hat?" Auch beim Umsatzsteuerbetrug mit Emissionszertifikaten sei die Rolle der Vorstände fragwürdig.

Quelle: ntv.de, von Madeleine Nissen, DJ