Wirtschaft

Kehrtwende in der Geldpolitik Beugt sich die Fed Trump?

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Trump appelliert an Fed-Chef Powell, mehr als nur einen kleinen Schritt zu wagen: "Die Fed hat alles falsche Entscheidungen getroffen. Eine kleine Zinssenkung ist nicht genug."

(Foto: REUTERS)

Die Europäische Zentralbank wird wahrscheinlich im September die Zinsen senken. Die US-Notenbank Fed will dagegen wohl sofort handeln. Braucht die US-Konjunktur wirklich niedrigere Zinsen? Droht eine Rezession? Warum attackiert Trump die Fed so heftig? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Die Fed will die Kehrtwende hin zu einer erneuten Lockerung der Geldpolitik allem Anschein nach schnell vollziehen. Vor knapp einem Jahr standen die Zeichen noch auf Straffung. Wie ernst ist die Lage? 

Objektiv sind Zinssenkungen für die US-Wirtschaft nicht zwingend notwendig. Die Konjunktur läuft, Arbeitslosigkeit und Inflation sind niedrig. Die US-Börsen befinden sich auf Rekordniveau. Lediglich einzelne Konjunkturdaten sind zuletzt schwächer ausgefallen. Die Frage ist: Ist das nun ein ernsthaftes Anzeichen für ein Abkühlen der Konjunktur oder verbirgt sich dahinter nur eine Konjunktur-Delle? Es kommt auf die Lesart an. Richtig ist: Die Handelskonflikte vor allem mit China bremsen die Wirtschaftsentwicklung. "Die Fed handelt also vorausschauend und hat dabei die globale Wirtschaft im Blick", sagt Michael Gollits von der Vermögensverwaltung von der Heydt & Co.n-tv.de. Viele Volkswirte teilen dieses "Versicherungsargument" gegen eine mögliche Abschwächung der US-Wirtschaft. Richtig ist aber auch, dass die EZB wegen der niedrigen Inflation in der Eurozone unter erheblich größerem Druck als die Fed steht, die Zinsen zu senken.

Wie kräftig wird der Zinsschritt der Fed ausfallen?

Das Gros der Börsianer erwartet eine erste Zinssenkung um mindestens einen Viertel Prozentpunkt auf eine Spanne zwischen 2,0 und 2,25 Prozent. Einige Beobachter halten auch einen Zinsschritt um einen halben Prozentpunkt nach unten für möglich. Zinsexperte Gollits hält so eine drastische Maßnahme aber für übertrieben. Vielmehr rechnet er mit zwei Zinsschritten um jeweils 0,25 Prozent. "Eine Zinssenkung um insgesamt 0,50 Prozentpunkte in diesem Jahr sollte ausreichen, um die Wirtschaft zu stabilisieren beziehungsweise stimulieren", so Gollits. Mit einer Rezession in den USA rechnet er weder in diesem Jahr noch 2020.

Notenbanker müssen auf jeden Fall Fingerspitzengefühl beweisen: Einen größeren Zinsschritt könnte der Markt "als Signal auffassen, dass die Fed-Verantwortlichen sich ernsthafte Sorgen machen und womöglich etwas wissen, was der Markt nicht weiß", heißt es in einer Commerzbank-Analyse.

Sind Zinssenkungen ein Allheilmittel für die Konjunktur?

Nein. Leitzinssenkungen wirken sich vor allem auf den Finanzmarkt aus und machen es auch für Unternehmen billiger, Kredite aufzunehmen. Die US-Konjunktur ist aber vor allem vom Verhalten der Verbraucher abhängig. "Wir bräuchten in den USA deshalb neben Zinsschritten auch fiskalische, also steuerliche Maßnahmen. Unternehmen können sich schon heute günstig refinanzieren. Wichtig wäre es, den privaten Konsum anzuregen", sagt Vermögensverwalter Gollits.

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US-Präsident Donald Trump hat die Fed mehrfach für ihre Geldpolitik kritisiert und niedrigere Zinsen gefordert. Gibt die Fed nun dem Druck Trumps nach?

Weil die Kehrtwende der Fed so abrupt kommt, glauben viele Kritiker, die Notenbank knicke ein. Gollits weist diese Zweifel an der Unabhängigkeit der Fed jedoch zurück. Seiner Überzeugung nach richtet sich Powell immer noch "ausschließlich nach der Konjunktur - im Gegensatz zur Türkei, wo Präsident Recep Tayyip Erdoğan die Notenbank regelrecht unterjocht hat".

Worauf zielt Trump dann mit seinen Attacken gegen die Fed ab?

Trump sagt, die Geldpolitik bremse Wirtschaft und Börsen. Einige Beobachter vermuten aber, dass es ihm in Wirklichkeit um den Dollar geht. Ihrer Ansicht nach ist der Handelsstreit zwischen den USA und China längst zu einem Währungskrieg eskaliert. Fakt ist: Der US-Dollar hat in den vergangenen Monaten gewonnen, viele andere Währungen, insbesondere auch die chinesische, haben dagegen abgewertet. Das geht zulasten der Konkurrenzfähigkeit US-amerikanischer Exporte. Also was genau will Trump? "Trump misst sich ganz klar an den Aktienmärkten", sagt Gollits n-tv.de. Die Wall Street sei das Erfolgsbarometer seiner Politik. Da die Aktienmärkte in den USA bereits auf Rekordniveau notieren, wolle er nun "den Dollar in Position bringen, um mit einer preiswerten Währung die Exporte anzuregen". Vor diesem Hintergrund sei Trump eben auch an einem leichteren Dollar interessiert.

Warum profitiert der Finanzmarkt von Zinssenkungen?

Billiges Notenbank-Geld lässt die Aktienkurse steigen, weil Anleger in Niedrigzinsphasen nicht wissen, wohin mit ihrem Geld. Auf den Sparkonten gibt es keine Zinsen. Inflationsraten von 1,6 Prozent in den USA und 1,3 Prozent in Europa bei gleichzeitig null Zinsen fressen den Wert des Ersparten auf. Ein weiterer Grund für steigende Kurse sind die Wetten auf steigende Unternehmensgewinne. Die Firmen können in Niedrigzinsphasen Investitionen mit preiswerten Krediten finanzieren. Wie stark die Finanzmärkte profitieren können, hat die Vergangenheit gezeigt: Die "Whatever it takes"-Rede von EZB-Präsident Mario Draghi Mitte 2012, in der er das Überleben der Eurozone garantierte, hat die Dax-Gewinnerwartungen laut Commerzbank um acht Prozent erhöht, die Kurse stiegen aber um 60 Prozent. Ökonom Mohamed El-Erian warnt in diesem Zusammenhang vor einem Teufelskreis für die Fed: "Wenn man den Märkten gibt, was sie wollen, verlangen sie gleich noch mehr."

Quelle: n-tv.de

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