Wirtschaft

Branchenprimus Edeka hat Vorrang Bietergefecht um Tengelmann beginnt

Die Zerschlagung der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann geht in die entscheidende Runde: Interessenten für die einzelnen Filialen können ab sofort Gebote abgeben. Für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch sieht es damit eng aus.

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub will heute die Zerschlagung der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann einleiten. Interessenten werden aufgefordert, für jede einzelne der knapp 450 Filialen zu bieten. Am Wochenende hatte es keine Signale für weitere Gespräche der Handelskonzerne Edeka, Rewe, Markant und Norma gegeben, die das noch verhindern können.

In der Frage um die Verantwortung für den drohenden Verlust von Tausenden Arbeitsplätzen gibt es indes neuen Diskussionsstoff. Interne Protokolle widerlegen laut "Süddeutscher Zeitung" öffentliche Aussagen von Rewe-Chef Alain Casparros im Gefeilsche um die Supermarktkette. Casparros behauptet, dass sich alle Parteien am 6. Oktober über eine Aufteilung der Tengelmann-Filialen zwischen Edeka und Rewe geeinigt hätten. Er wirft Tengelmann-Chef Haub vor, sich anschließend überraschend zurückgezogen zu haben. Der "S.Z" liegen nun offenbar interne Protokolle einer Telefonkonferenz vor, die belegen sollen, dass nicht einmal Casparros eigene Mitarbeiter von der geplanten Aufteilung überzeugt waren.

Haub bekräftigt Gesprächsbereitschaft

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub sieht bei der "Verwertung" bis zu 8000 Stellen gefährdet, weil sich vermutlich nicht für alle Geschäfte ein Käufer findet. Die größten Sorgen machen die 105 Supermärkte in Nordrhein-Westfalen. Haub zeigte sich aber weiter offen für eine Lösung, die Kaiser's Tengelmann mit über 15.000 Beschäftigten als Ganzes erhält.

Das "Zeitfenster" schließe sich erst, wenn die erste Filiale verkauft sei. Für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch gibt es noch einen Rest Hoffnung. Die Gewerkschaft Verdi hatte am Freitag betont, es gebe noch Kontakte zwischen allen Beteiligten. Angesichts der drohenden Zerschlagung hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zudem ein Schlichtungsverfahren ins Gespräch gebracht.

Edeka bevorzugt

Haub sieht beim Einzelverkauf der Filialen ein bevorzugtes Zugriffsrecht für Branchenprimus Edeka. "Wenn Edeka Märkte von Kaiser's Tengelmann übernehmen will, die kartellrechtlich unproblematisch sind, dann hat Edeka für mich den Vorrang", sagte der Tengelmann-Chef dem "Handelsblatt". "Das gebietet alleine der Anstand nach zwei Jahren Zusammenarbeit", betonte Haub.

Seit zwei Jahren versucht der Tengelmann-Inhaber, die Supermarktkette komplett an den Konkurrenten Edeka zu verkaufen. Da die Übernahme durch Klagen der Konkurrenten blockiert ist, will Tengelmann nun die Standorte einzeln verkaufen. "Wir haben bereits viele Interessensbekundungen für Einzelfilialen erhalten", sagte Haub. Tengelmann werde versuchen, nicht nur einzelne Märkte, sondern möglichst große Pakete von Standorten zu vermarkten.

Quelle: ntv.de, jgu/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen