Wirtschaft

Wie weit geht die Edelmetall-Rally? Brexit heizt Preise für Gold und Silber an

Während der europäische Aktienmarkt nach einer zwischenzeitlichen Erholung wieder auf dem Rückzug ist, flüchten Investoren weiter in Gold und Silber. Die weltweiten Notenbanken dürften die Rally noch befeuern.

Auf Zwei-Jahres-Hochs ist der Goldpreis nach oben geschossen: Die Brexit-Krise fordert nun ihren Tribut, weil sich keine schnelle Lösung über den Austritt Großbritanniens aus der EU abzeichnet. Im Gegenteil, die ersten Immobilienfonds des Landes schließen vorübergehend und verstärken die Unsicherheit. Die britische Notenbank hat Gegenmaßnahmen eingeleitet und auch die EZB dürfte die Geldpolitik noch weiter lockern, um die Auswirkungen des Brexit auf die englische und die Wirtschaft Kontinentaleuropas abzufedern.

Daher sind die Zinsen, beispielsweise für zehnjährige Anleihen aus Deutschland und Großbritannien, auf Rekordtiefs abgerutscht. Inzwischen werfen Staatsanleihen im Volumen von umgerechnet mehr als elf Billionen Dollar Strafzinsen ab. 6,2 Billionen davon entfallen auf Japan, 3,7 Billionen auf die Euro-Zone. Gleichzeitig sind Schweizer Staatsanleihen bis in den Bereich von 50 Jahren im negativen Bereich. Weil die Strafzinsen weltweit immer weiter um sich greifen, wird das Umfeld für Gold immer besser, denn mit dem Edelmetall umgehen Investoren Strafzinsen.

Nach dem Brexit ist Gold zudem als sicherer Hafen gefragt wie selten zuvor. Investoren befürchten, dass die Wirtschaft in der EU massiv belastet wird, werden doch Monat für Monat doppelt so viele Güter und Dienstleistungen nach Großbritannien exportiert als nach China. "Damit trüben sich die Konjunkturperspektiven und damit die Gewinnperspektiven der europäischen Unternehmen deutlich ein", meint Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets. Verstärkt wird das Problem durch die Strafzinsen. Sie entziehen Sparern immer mehr Zinseinnahmen, weshalb sie sich beim Konsum zurückhalten. Das belastet die Wirtschaft. In dem unsicheren Umfeld flüchten Investoren verstärkt in Gold.

Bestände der Gold-ETCs schießen nach oben

Diese Entwicklung spiegelt der Markt für Gold-ETCs, also für börsengehandelte Indexfonds, klar wider. Allein in der vergangenen Woche sind die Bestände der weltweiten Gold-ETCs um 37 Tonnen gestiegen auf zuletzt 1959,1 Tonnen – das ist das höchste Niveau seit 2013. Das Plus seit Anfang 2016 summiert sich damit auf mehr als 500 Tonnen. In den nächsten Monaten dürfte sich der Bestand zusehends dem Rekord von 2632,5 Tonnen aus dem Jahr 2012 nähern. Die Bestände der Silber-ETCs liegen mit rund 20.000 Tonnen bereits jetzt in der Nähe ihres Rekordhochs. Wenn der Goldpreis steigt, klettert der Preis des "kleinen Bruders" von Gold üblicherweise deutlich stärker. Entsprechend stark gefragt sind daher auch Silber-ETCs.

Die Perspektiven für Gold und Silber werden zusehends besser. Während die Zinsen in den Industriestaaten auf immer neue Rekordtiefs sinken, dürfte die Nachfrage nach Gold- und Silberinvestments weiter kräftig steigen. Das ist das perfekte Umfeld für die Edelmetalle.

Quelle: n-tv.de

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