Norwegen garantiert LieferungenBundesnetzagentur sieht Gasversorgung im Winter gesichert

Die deutschen Gasspeicher sind deutlich weniger gefüllt als vor einem Jahr. Die Netzagentur gibt sich dennoch gelassen und erwartet keine Probleme im Winter. Um Signale der Entspannung bemüht sich auch Norwegen: Man sei lieferbereit.
Die Bundesnetzagentur rechnet trotz niedriger Füllstände der Gasspeicher mit keinen Verwerfungen im Winter. "Die Versorgung ist gesichert", sagte Behördenchef Klaus Müller in Berlin. Deutschland habe seine Gas-Infrastruktur in den vergangenen Jahren umgebaut und sei nun robuster aufgestellt, nicht nur mit LNG-Flüssiggasimporten aus den USA. Ein normaler Winter beispielsweise mit kalten Januartagen könne auch mit den jetzigen Speicherständen abgedeckt werden. Zum Ende des Winters hin wären die Stände dann aber sehr niedrig.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hatte unlängst das verstaatlichte Energieunternehmen Sefe angewiesen, mehr Gas einzuspeichern. Dies sei in Absprache mit Kanzler Friedrich Merz geschehen, so das Wirtschaftsministerium. Hintergrund seien geopolitische Risiken, also der Nahost-Krieg, der Energielieferungen vom Persischen Golf eingeschränkt habe. Sefe teilte mit, die Anweisung erhalten zu haben, bis zum 15. Dezember acht Terawattstunden Gas zu beschaffen und einzuspeichern.
"Das ist eine logische Schlussfolgerung", sagte Müller. Die vorherigen Appelle hätten nicht zu dem gewünschten Ergebnis geführt. Sefe habe die Regierung anweisen können, andere private Gashändler dagegen nicht.
Die Gasspeicher sind aktuell nur zu knapp 58 Prozent gefüllt. Das ist ungewöhnlich wenig und weit weniger als eigentlich vorgegeben. Ein Grund dafür sind die durch den Iran-Krieg gestiegenen Preise. Sie haben es im Sommer für private Anbieter unattraktiv gemacht, Gas für die Speicher einzukaufen. Die Speicher waren zudem Ende des vergangenen Winters sehr niedrig.
Derweil sendet Norwegen ein beruhigendes Signal nach Europa: Der staatliche Betreiber der Gasleitungen und -anlagen, Gassco, teilte mit, das Land sei für große Lieferungen im kommenden Winter gerüstet. "Mit dem Beginn der Wintersaison, abgeschlossenen Wartungsarbeiten und einem gut funktionierenden Transportsystem ist der norwegische Festlandsockel gut gerüstet, um die Nachfrage aus Europa zu decken", sagte der Direktor für den Systembetrieb bei Gassco, Alfred Skaar Hansen. Der Betreiber hatte vor Kurzem umfangreiche Instandhaltungsarbeiten abgeschlossen, die im September zu einer Drosselung der Lieferungen geführt hatten; diese Maßnahmen entsprachen dem für das Jahr geplanten Wartungsplan.
Norwegen ist seit der russischen Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 zum größten Gaslieferanten Europas aufgestiegen und deckt rund 30 Prozent der Nachfrage der EU und Großbritanniens. Die Zusage kommt zu einer Zeit angespannter Märkte. Die europäischen Gaspreise haben sich 2026 auf rund 73 Euro je Megawattstunde (MWh) mehr als verdoppelt, nachdem der Krieg der USA und Israels gegen den Iran die Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG) stark eingeschränkt hatte. Am 1. Oktober beginnt das neue Gaswirtschaftsjahr und damit die Hauptsaison für Lieferungen nach Europa, wo die Speicherstände deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt liegen.
Bereits vergangene Woche hatte EU-Energiekommissar Dan Jorgensen vor einer Energiepreiskrise in diesem Winter gewarnt und die Mitgliedstaaten dazu aufgerufen, die Bemühungen zur Befüllung der Gasspeicher und zur Senkung der Nachfrage fortzusetzen.