Wirtschaft

Reiche will Gründen erleichternBundesregierung will erstmals Rüstungs-Startups fördern

22.07.2026, 15:28 Uhr
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Wirtschaftsministerin Reiche will mit der Startup-Strategie die nächste Generation deutscher Weltmarktführer schaffen. (Foto: picture alliance / photothek.de)

Bei der Förderung von Startups läuft Deutschland oft hinterher. Die Startup-Strategie soll das ändern. Sie soll das Gründen leichter machen und die Abwanderung aus Deutschland verhindern. Erstmals im Fokus stehen dabei Verteidigungsunternehmen.

Die Bundesregierung will junge, innovative Unternehmen künftig gezielt in ihrer Wachstumsphase unterstützen. Dabei steht erstmals der Bereich Sicherheit und Verteidigung im Fokus der staatlichen Förderung. Das ist der Kern der neuen "Startup- und Scaleup-Strategie" der schwarz-roten Koalition, die im Bundeskabinett verabschiedet wurde. Damit soll verhindert werden, dass erfolgreiche Gründungen bei ihrer internationalen Expansion ins Ausland abwandern, heißt es in dem Strategiepapier.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sagte, mit der neuen Strategie lege man das "Fundament für die nächste Generation deutscher Weltmarktführer." Sie verfolge drei Ziele: "Gründen erleichtern, Wachstum beschleunigen und Innovation in Deutschland halten." Dafür senke man bürokratische Hürden, mobilisiere mehr privates sowie öffentliches Wagniskapital und erleichtere Gründungen direkt aus der Wissenschaft heraus. Die Bundesregierung nehme zudem erstmals auch Startups aus dem Bereich der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie in den Blick.

Um das Nadelöhr beim Zugang zu dringend benötigtem Wachstumskapital zu weiten, plant der Bund unter anderem den Ausbau des Deutschlandfonds. Der Deutschlandfonds ist ein Förder- und Absicherungsprogramm der Bundesregierung, das durch staatliche Garantien gezielt das Investitionsrisiko abfedert, um bis zu 130 Milliarden Euro an privatem Kapital für Zukunfts- und Infrastrukturprojekte in Deutschland zu mobilisieren. Laut dem Strategiepapier sollen Wagniskapital-Investitionen auch in der Altersvorsorge eine größere Rolle spielen. Außerdem soll Stiftungen erleichtert werden, verstärkt in Startups zu investieren.

Bürokratieabbau dank Digitalisierung

Bei der Startup-Förderung beabsichtigt die Bundesregierung zudem, Bürokratie abzubauen. Das Projekt "Schneller Gründen" soll Verwaltungsprozesse durchgängig digitalisieren. Auf europäischer Ebene soll eine einheitliche Rechtsform für die Unternehmen dafür sorgen, dass grenzüberschreitende Aktivitäten spürbar erleichtert werden.

Dass dieser politische Handlungsbedarf dringend geboten ist, untermauert das aktuelle Startup-Barometer der Beratungsgesellschaft EY. Zwar verzeichnet der hiesige Markt im ersten Halbjahr 2026 mit rund 5,3 Milliarden Euro an eingesammeltem Risikokapital einen Anstieg von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr, jedoch sank die Anzahl der Finanzierungsrunden parallel um elf Prozent.

Kleine Startups haben oft das Nachsehen

Da Investoren ihr Geld zunehmend in vermeintlich sichere Wetten und wenige Mega-Deals mit einem Volumen von mehr als 50 Millionen Euro stecken, haben junge und kleine Startups im harten Wettbewerb um das Kapital derzeit oft das Nachsehen. Genau hier setzt die Strategie der Regierung an, um das Fundament der Gründerszene in der Breite zu stärken und den Kapitalzugang entlang aller Wachstumsphasen robuster aufzustellen.

Die neue Strategie der Bundesregierung wurde vom Startup-Verband begrüßt. Entscheidend sei aber jetzt, was daraus folge. "Aus dem Papier muss schnell Realität werden. Denn angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage und hohen Jobverlusten in der klassischen Industrie müssen wir uns viel stärker für Neues öffnen", sagte Helmut Schönenberger, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbandes.

Auch in der traditionellen Industrie stießen die Pläne der Bundesregierung auf Zustimmung. Hildegard Müller, die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), sagte, die Zusammenarbeit zwischen dem automobilen Mittelstand und Startups sei ein zentraler Erfolgsfaktor für die Transformation der Branche. Während Startups als schnelle Innovationstreiber - etwa bei der Software - agierten, bringe der Mittelstand industrielle Skalierungskraft ein. "Es ist deshalb gut, dass die Startup-Strategie auch auf eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Startups und Mittelstand zählt."

Quelle: ntv.de, als/dpa

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