Wirtschaft

Blaupause für Deutschland? China sendet unerwartetes Wachstumssignal

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Chinas Betriebe produzieren wieder - doch für wen?

(Foto: picture alliance / Yu Fangping/X)

Die chinesische Industrie überrascht mit starken Konjunktursignalen. Die Botschaft lautet: Die Betriebe fahren die Produktion wieder hoch. Allerdings zeigen die Daten nicht, ob sie ihre Waren noch loswerden. Zudem erlauben sie wohl einen Blick auf die bevorstehende Entwicklung in Deutschland.

Die chinesische Industrie ist ach dem Corona-bedingten Rekordeinbruch überraschend auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Der offizielle Einkaufsmanagerindex stieg im März auf 52,0 Punkte, nachdem er im Februar seinen bisherigen Tiefststand von 35,7 Zählern erreicht hatte, wie das Statistikamt (NBS) unter Berufung auf die Unternehmensumfrage mitteilte. Damit liegt das Barometer wieder über der Marke von 50, ab der es Wachstum signalisiert. Ökonomen hatten lediglich mit 45,0 Punkten gerechnet.

Analysten warnen jedoch davor, den Anstieg überzubewerten: Schließlich deute er nur auf eine Geschäftsbelebung hin, ohne anzugeben, wie stark diese ausfalle. Sie rechnen damit, dass die exportabhängige Industrie in den kommenden Monaten mit der schrumpfenden Nachfrage aus Europa und den USA zu kämpfen haben dürfte. Beide Regionen stehen wegen der Corona-Krise vor einer schweren Rezession.

"China zeigt, wie lang der Weg hierzulande ist"

"Das größte Problem, dem sich Chinas Wirtschaft im zweiten Quartal gegenübersieht, ist der Einbruch der Auslandsnachfrage", sagte Ökonomen Nie Wen vom in Shanghai ansässigen Finanzhaus Hwabao Trust. Darauf deuteten schwache Exportaufträge und steigende Lagerbestände hin.

"Solange also die USA und Europa wirtschaftlich darniederliegen, wird auch China weiterhin unter Ansteckungsgefahren leiden", erklärte der Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel. Auch bedeute die Rückkehr zur Normalität nach den strengen Ausgangsbeschränkungen in der Volksrepublik, dass die Zahl der Neuinfektionen wieder zunehmen könnte.

"Die Entwicklungen in China zeigen aber auch, was noch vor uns liegt." Die Einschränkungen in der Volksrepublik hätten im Januar begonnen, erst jetzt finde die Wirtschaft zu Normalität zurück. "Für Europa und die USA bedeutet dies: Die Durchquerung des Tals der Tränen dauert länger als man vielerorts wahr haben möchte", sagte er weiter.

Exportaufträge sinken

Ökonomen prognostizieren einen Einbruch des chinesischen Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal. Einige Experten rechnen mit einem Rückgang von neun Prozent oder mehr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das wäre der erste derartige Rückgang seit drei Jahrzehnten.

Der Teilindex der Umfrage für die Industrieproduktion kletterte von 27,8 auf 54,1 Punkte. Die neuen Exportaufträge schrumpften aber, auch wenn dieses Barometer ebenfalls deutlich anzog. Die Hersteller sehen sich nach wie vor einem großen Druck ausgesetzt, wie die Umfrage ergab. Mehr als jeder zweite Betrieb klagt über eine mangelnde Marktnachfrage, 42 Prozent berichten von Finanzierungsproblemen.

An den asiatischen Börsen blieben Anleger trotz des Lebenszeichens auf der Hut. In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei schwächer. Im gesamten ersten Quartal brach er um 20 Prozent ein - das ist der stärkste Rückgang seit der Finanzkrise im vierten Quartal 2008. In China lagen die Kurse kaum verändert.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/AFP