Wirtschaft

Alternative zu Bitcoin China testet eigene Digitalwährung

imago65426656h.jpg

Geldzählen leicht gemacht: Eine eigene Blockchain-Währung könnte der Zentralbank eine nie dagewesene Kontrolle über den Zahlungsverkehr ermöglichen.

(Foto: imago/Xinhua)

Digitalwährungen wie Bitcoin sind effizient bei der Zahlungsabwicklung und entziehen sich staatlicher Kontrolle. Chinas Zentralbank möchte die Vorteile der Technologie nutzen, ohne die Nachteile in Kauf zu nehmen.

China könnte bald das erste Land mit einer eigenen Digitalwährung als gesetzlichem Zahlungsmittel werden. Chinesischen Medienberichten zufolge hat die Zentralbank gemeinsam mit einigen der größten Geschäftsbanken einen ersten Versuchslauf für eine selbstentwickelte Variante der Blockchain-Technologie erfolgreich abgeschlossen. Ein Datum für die Einführung der Währung gibt es allerdings noch nicht.

Die neue Digitalwährung soll nach dem Willen der Notenbank sowohl in Konkurrenz zur besonders in China populären Digitalwährung Bitcoin treten als auch den Bargeldverkehr teilweise ablösen. Bitcoin basiert ebenfalls auf der Blockchain-Technologie, bei der die Informationen über sämtliche Zahlungsvorgänge bei den Empfängern und Sendern selbst gespeichert werden, somit entfallen sowohl ein zentrales Register als auch die Notwendigkeit für Konten bei Banken.

Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen Bitcoin, das von einer privaten Community betrieben wird und komplett anonyme Transaktionen ermöglicht, und der neuen chinesischen Währung. Denn letztere soll komplett von der Zentralbank kontrolliert werden. Das würde nicht nur den Kampf gegen Geldwäsche und Kapitalflucht erleichtern, sondern eine Nachverfolgung sämtlicher Geldströme in Echtzeit ermöglichen. Das wiederum würde der Zentralbank ganz neue Möglichkeiten zur Analyse und exakten Steuerung ihrer Geldpolitik bieten.

Auch für die Nutzer soll die neue Währung Vorteile bieten: Anders als Bitcoin soll sie, wie "Bloomberg" berichtet, gesetzliches Zahlungsmittel werden. Das heißt, alle Händler, Banken, Behörden und anderen Institutionen wären verpflichtet, sie anzunehmen. Verglichen mit elektronischen Zahlungen mit dem chinesischen Yuan, die in China bereits sehr populär sind, dürfte die Blockchain-Technologie effizienter und billiger sein, da Gebühren von Banken oder Zahlungsabwicklern wegfallen.

Auch Bundesbank forscht zu Blockchain

Chinas Behörden gehen derzeit verschärft gegen Bitcoin vor. Auf chinesischen Internetplattformen werden etwa 90 Prozent der weltweiten Bitcoin-Transaktionen abgewickelt. Die Regierung befürchtet, dass Anleger dort nicht nur Geld aus illegalen Geschäften waschen, sondern angesichts der anhaltenden Abwertung der Landeswährung auch versuchen, unter Umgehung der strengen Kapitalverkehrskontrollen ihre Yuan außer Landes zu schaffen. Die Schaffung einer eigenen Alternative unter offizieller Kontrolle ist ein weiterer Schritt, um die Verwendung von Bitcoin einzudämmen.

Setzt sich die Digitalwährung der Zentralbank in China tatsächlich durch, dürfte das weitreichende Konsequenzen für Bitcoin-Besitzer auf der ganzen Welt haben. Aus dem Land fließt nicht nur derzeit offenbar das meiste Geld in die bislang populärste Ditigalwährung. In China stehen auch mit Abstand die meisten Computer, die in aufwendigen Rechenoperationen immer neue Bitcoin-Einheiten schaffen und damit das Wachstum der Währung ermöglichen.

In einer ersten Ankündigung hatte die Zentralbank im vergangenen Jahr bereits von einer "praktischen und einer weitreichenden historischen Bedeutung" ihrer Pläne gesprochen. Der nun abgeschlossene Testlauf zeigt, dass Chinas Währungshüter ihren Kollegen in anderen Ländern weit voraus sind. So beschäftigen sich unter anderem die Notenbanken von Singapur, Schweden, Kanada und auch die Bundesbank mit möglichen Anwendungen der Blockchain-Technologie. Konkrete Pläne für die Einführung neuer Währungen haben sie bislang allerdings nicht präsentiert.

Quelle: n-tv.de, mbo

Mehr zum Thema