Wirtschaft

Zehn Millionen Kurzarbeiter Corona-Krise wütet auf dem Arbeitsmarkt

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Die Gastronomie etwa ist bundesweit praktisch zum Erliegen gekommen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die rosigen Zeiten auf dem Arbeitsmarkt sind vorbei. Immer deutlicher werden die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise sichtbar. Innerhalb eines Monats verlieren mehr als 370.000 Menschen ihren Job. 750.000 Firmen haben Kurzarbeit angemeldet - mit Folgen für zehn Millionen Beschäftigte.

Die Corona-Krise schlägt mittlerweile voll auf den deutschen Arbeitsmarkt durch. "Die Corona-Pandemie dürfte in Deutschland zur schwersten Rezession der Nachkriegszeit führen", erklärte der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele. "Dadurch gerät auch der Arbeitsmarkt stark unter Druck." Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung seien erstmals in einem April gestiegen. Die Anzeigen für Kurzarbeit stiegen auf ein noch nie da gewesenes Niveau. "Und die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern ist regelrecht eingebrochen."

Wie die BA mitteilte, stieg die Arbeitslosenzahl bereinigt um saisonale Einflüsse im Vergleich zum März um 373.000. Damit sind nun 2,644 Millionen Menschen ohne Beschäftigung. Volkswirte hatten lediglich eine Zunahme um 95.000 Personen erwartet. Im März hatte sich die Zahl der Arbeitslosen saisonbereinigt um 1000 erhöht, doch darin war die Stilllegung weiter Teile der Wirtschaft noch nicht enthalten. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote erhöhte sich im April deutlich um 0,8 Punkte auf 5,8 Prozent. Auf Jahressicht waren 415.000 Menschen mehr arbeitslos gemeldet.

Im März und bis zum 26. April meldeten bei den Arbeitsagenturen 751.000 Unternehmen Kurzarbeit für insgesamt bis zu 10,1 Millionen Personen an. Das heiße nicht, dass diese Menschen schlussendlich auch alle kurzarbeiten würden. "Nichtsdestotrotz ist das eine im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten nie da gewesene Zahl", hieß es. Sie übersteige um ein Vielfaches die Zahl der Anzeigen während der Rezession 2008/2009. Im gesamten Krisenjahr 2009 seien zum Vergleich Anzeigen für 3,3 Millionen Menschen eingegangen. Die Kurzarbeit dient dazu, Arbeitnehmer mit staatlicher Hilfe im Job zu belassen und Entlassungen zu vermeiden.

Arbeitsminister Hubertus Heil verwies darauf, dass Kurzarbeit in Deutschland Millionen Arbeitsplätze sichere. "In den USA dagegen haben in den vergangenen fünf Wochen über 26 Millionen Menschen ihren Job verloren. Die Entwicklung zeigt: Wir können zwar auch in unserem Land nicht für jeden Arbeitsplatz garantieren, aber wir werden um jeden Job kämpfen. Kurzarbeit ist teuer, aber Arbeitslosigkeit ist um ein Vielfaches teurer", sagte der SPD-Politiker. Es werde "Unternehmen und Beschäftigte geben, die länger auf Kurzarbeit angewiesen sein werden. Deshalb ist es richtig, dass wir das Kurzarbeitergeld anheben und Beschäftigte vor unverhältnismäßigen Lohneinbußen geschützt werden." Dies sichere auch Kaufkraft und Nachfrage.

Im April 2020 waren nur noch 626.000 unbesetzte Stellen bei den Arbeitsagenturen gemeldet, 169.000 weniger als noch vor einem Jahr. Saisonbereinigt sei die Zahl der offenen Stellen um 66.000 nach unten gegangen.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ/dpa

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