Wirtschaft

Strategiespiel statt Ego-Shooter Corona macht sogar Senioren zu Zockern

In der Pandemie vertreiben sich mehr Menschen die Zeit mit Videospielen. Millionen Deutsche zocken in Corona-Zeiten zum ersten Mal, auch immer mehr Ältere spielen am Bildschirm. Die Spieldauer verdoppelt sich sogar. Und Gamer sind öfter bereit, dafür zu bezahlen.

Die Hälfte der Deutschen spielt inzwischen zumindest hin und wieder an Konsole, Smartphone oder PC. Die Corona-Pandemie hat dem Zocken noch einmal deutlich Auftrieb gegeben, wie eine repräsentative Umfrage des Branchenverbands Bitkom zeigt. 2,5 Millionen sogenannte Gamer kamen demnach im vergangenen Jahr neu dazu. Die Spieldauer verdoppelte sich in der Pandemie sogar. Vor Corona wurde im Schnitt fünf Stunden pro Woche gespielt - inzwischen zehn Stunden lang. Entsprechend viele dürften der Eröffnung der weltgrößten Spielemesse Gamescom am Mittwoch entgegenfiebern.

Auch in Zukunft werden die Befragten wahrscheinlich länger daddeln als früher, sie selbst gehen von 8,5 Stunden pro Woche aus. Dabei spielen noch immer vor allem die Jüngeren digital. Von den 16- bis 29-Jährigen zocken laut der Studie 81 Prozent. Doch auch zwei Drittel der 30- bis 49-Jährigen spielen an Konsole und Co.

Den größten Zuwachs gibt es bei den über 50-Jährigen. Während vor zwei Jahren noch jeder vierte 50- bis 64-Jährige angab, mindestens hin und wieder Videospiele zu spielen, sind es inzwischen 40 Prozent in der Altersgruppe. Ab 65 Jahren spielt nun schon fast jeder Fünfte; vor einem Jahr waren es nur 13 Prozent. Der Branchenverband Bitkom befragte von Mitte Juni bis Mitte Juli knapp 1300 Menschen ab 16 Jahren am Telefon.

Einfache Gelegenheitsspiele am beliebtesten

Ein Grund für den deutlichen Anstieg bei den Älteren dürften die coronabedingten Einschränkungen sein. Denn zwei Drittel der über 64-jährigen Gamer gaben an, ohne die Spiele wäre ihnen in der Pandemie die Decke auf den Kopf gefallen - fast genauso viele wie bei den 16- bis 29-Jährigen. Ein Jahr zuvor, als die Pandemie erst wenige Monate alt war, hatten das nur halb so viele der Älteren so empfunden. In den Augen von Bitkom-Präsidiumsmitglied Olaf May ist die digitale Spielwelt wesentlich mehr als ein Zeitvertreib: "Sie wird zunehmend zum zentralen Element, um das eigene Wohlbefinden zu steigern, in Kontakt mit anderen zu bleiben und Nähe zu finden."

Die Zahlungsbereitschaft wächst ebenfalls weiter: Drei Viertel gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten Geld fürs digitale Spielen ausgegeben zu haben. Am häufigsten zahlen die Spielenden für sogenannte In-Game-Käufe, bei denen zwar das Basisspiel meist gratis ist, einzelne kosmetische Inhalte dann aber kosten. Auch bei Videospielen sind zudem Abos verbreitet: 58 Prozent der Gamer zahlen für mindestens ein Spiele-Abo, zum Großteil für einzelne Spiele. Etwa jeder fünfte Zocker gibt Geld für Plattformen zum Download von Spielen aus. Streaming-Spiele-Abos dagegen wachsen zwar stark, führen aber noch ein Nischendasein: 7 Prozent der Gamer haben ein solches Abo.

Am beliebtesten sind nach wie vor sogenannte Casual Games, also einfache Gelegenheitsspiele wie Kartenspiele oder "Angry Birds" und "Candy Crush". Strategie-, Management- und Aufbauspiele verdrängten Ego-Shooter und Action-Spiele vom zweiten Platz. Noch immer spielen aber fast zwei Drittel der Befragten solche Spiele - und zwar genauso viele Frauen wie Männer. Im Vorjahr waren es noch deutlich mehr Männer als Frauen. Auch insgesamt sind digitale Spiele längst keine Männerdomäne mehr. Mit 53 Prozent sind die Männer unter den Spielenden nur noch ein bisschen stärker vertreten als die Frauen.

Jeder Zehnte schaut Gaming-Livestreams

Fitness- und Bewegungsspiele werden ebenfalls immer beliebter. Während sie vor zwei Jahren noch 39 Prozent der Gamer spielten, sind es inzwischen schon 59 Prozent. Auch hier liegt ein Zusammenhang mit der Corona-Pandemie nahe.

Das beliebteste Spielgerät ist das Smartphone, auf dem 84 Prozent der Gamer spielen. Nur bei den über 64-Jährigen zockt nicht einmal ein Drittel auf dem Handy. Auf dem Tablet hingegen spielen nur noch die Hälfte aller Zocker.

Neben dem Spielen wird es auch immer beliebter, anderen beim Zocken zuzuschauen. Jeder Zehnte in Deutschland hat in den vergangenen zwölf Monaten Gaming-Livestreams geschaut. Das ergab eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Branchenverbands Game. Fast ein Drittel davon guckt anderen sogar mehrmals pro Woche beim Spielen zu. Hier sind die Älteren aber noch kaum vertreten; von den über 44-Jährigen streamen deutlich weniger als zehn Prozent.

Quelle: ntv.de, mit dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.