Wirtschaft

Mehr als verdoppeltDIW hebt Wachstumsprognose für deutsche Wirtschaft deutlich an

02.09.2026, 14:14 Uhr
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Wegen der guten ersten Jahreshälfte sind die wirtschaftlichen Aussichten wieder besser. (Foto: picture alliance/dpa)

Innerhalb weniger Monate haben sich die Konjunkturaussichten laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung deutlich gebessert. Es geht zwar von einem deutlich größeren Wachstum in den nächsten beiden Jahren aus, allerdings ist das Gesamtniveau immer noch bescheiden.

Das DIW-Institut blickt mit mehr Zuversicht auf die Konjunktur in Deutschland und erhöht seine Wachstumsprognose deutlich. Nach einer starken ersten Jahreshälfte dürfte die Wirtschaft 2026 um 1,2 Prozent wachsen und 2027 um 1,0 Prozent zulegen, erklärte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zu seiner Herbstschätzung.

"Die deutsche Wirtschaft erholt sich in diesem Jahr etwas besser als gedacht, steht aber noch immer auf etwas wackligen Beinen", sagte DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik. 2028 dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um weitere 0,7 Prozent zulegen. Auch Bundesbankchef Joachim Nagel sieht Deutschland auf gutem Weg zu einem höheren Wirtschaftswachstum.

Im Juni hatte das DIW seine Prognose noch auf 0,5 Prozent Wachstum halbiert und für 2027 ein BIP-Plus von 0,8 Prozent erwartet. Ausschlaggebend für die aktuelle Aufwärtsrevision waren der im Frühsommer unerwartet kräftige Außenhandel und dass der Energiepreisschock infolge des Iran-Kriegs geringer ausfiel als zunächst befürchtet, wie die Berliner Ökonomen betonten.

Keine Euphorie

"Dennoch bleiben die Aussichten gedämpft", hieß es weiter. Für das laufende Sommer-Quartal erwarten die Regierungsberater nur eine Stagnation - auch wegen der negativen Folgen für die Industrie durch das Niedrigwasser etwa des Rheins. Hohe Gaspreise, strukturelle Probleme der Industrie und die schwache private Binnennachfrage bremsten die Konjunktur. "Wichtigster Wachstumstreiber bleiben die Investitionen des Staates, vor allem in Form des Sondervermögens für Klimaschutz und Infrastruktur und der Verteidigungsausgaben."

Bundesbank-Präsident Nagel sagte der französischen Zeitung "Le Monde", das Wachstum sei nach wie vor nicht sehr hoch. "Auf der Grundlage der ersten beiden Quartale befinden wir uns jedoch auf einem guten Weg, dieses Jahr eine Wachstumsrate von rund einem Prozent zu erzielen." Dieser Wert sei besser als in der Juni-Prognose der Bundesbank vorhergesagt. Damals ging sie davon aus, dass das unbereinigte BIP 2026 um 0,7 Prozent steigt.

Rund 70 Prozent des Wirtschaftswachstums in diesem Jahr gingen auf öffentlichen Konsum und Investitionen zurück, erklärte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Neben steigenden Ausgaben für Gesundheit, Pflege und Rente sorgten höhere Investitionen in Infrastruktur und Verteidigungsausgaben für Schwung. "Die deutsche Wirtschaft steht vor einer möglichen Trendwende zu stärkerem Wachstum in den kommenden zwei Jahren", betonte Fratzscher.

Zu wenig private Investitionen

Die größte Schwachstelle bleibe hingegen die private Binnennachfrage. "Die privaten Investitionen reichen weiter nicht aus, um die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit Deutschlands nachhaltig zu stärken", mahnte Fratzscher. "Eine Eskalation im Nahen Osten oder neue Handelskonflikte könnten die Erholung erneut bremsen." Der DIW-Chef betonte aber: "Dennoch gibt es Anlass zu vorsichtigem Optimismus, dass eine nachhaltige Erholung nach mehreren Anläufen nicht erneut ausbleibt."

Die DIW-Fachleute nehmen künftig Auswirkungen auf die Konjunktur von hybriden Attacken etwa auf die Infrastruktur in Deutschland stärker unter die Lupe. "Das haben wir jetzt auf der Agenda", sagte Dany-Knedlik. Bisher habe man dies in der Prognose nicht direkt berücksichtigt. Man werde sich anschauen, was etwa Anschläge an Ausfällen und Verwerfungen oder an Kosten für mehr Sicherheit nach sich ziehen.

Im zweiten Quartal war die deutsche Wirtschaft um 0,3 Prozent gewachsen, nach einem Plus von 0,4 Prozent zum Jahresstart 2026. Die anderen vier großen Wirtschaftsforschungsinstitute und Regierungsberater - das Kieler IfW, das Münchner Ifo, das Essener RWI und das IWH aus Halle - legen ihre neuen Prognosen am Donnerstag vor.

Quelle: ntv.de, rog/rts

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