Wirtschaft

In Zeiten immer neuer Sanktionen Daimler eröffnet erstes Werk in Russland

imago90467130h.jpg

Bei Moskau laufen Fahrzeuge der E-Klasse vom Band.

(Foto: imago images / ITAR-TASS)

Diverse EU-Sanktionen sind derzeit gegen Russland in Kraft. Doch das scheint die Feierstimmung nicht zu trüben. Wirtschaftsminister Altmaier und Staatschef Putin treffen sich heute zur Eröffnung des ersten Mercedes-Benz-Werks des Landes. Doch Russlands Wirtschaft schwächelt.

Ein neues Autowerk. Gebaut von den Deutschen in Russland. Gerade in diesen in Russland wirtschaftlich nicht einfachen Zeiten. Kremlchef Wladimir Putin kann die glanzvollen Bilder vom landesweit ersten Mercedes-Benz-Werk gut gebrauchen. Bilder mit Daimler-Chef Dieter Zetsche und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier von der CDU. Beide empfängt der Präsident in der Nähe der russischen Hauptstadt im Moskauer Gebiet auf einem nagelneuen Fabrikgelände mit mehr als 1000 Arbeitsplätzen.

Die Anlage soll ein Zeichen des Aufbruchs sein - in Zeiten immer neuer Sanktionen der EU und der USA wegen der Ukraine-Politik Putins. Das neue Werk, das mehr als 250 Millionen Euro gekostet hat, soll auch Ansporn für deutsche und andere ausländische Investoren sein, trotz aller Risiken weiter Geld in den russischen Markt zu pumpen. Es gehe darum, neues Vertrauen zu schaffen, ließ Minister Altmaier vor seiner Abreise mitteilen. Bei den Gesprächen mit Putin und russischen Ministern wollte er alte Partnerschaften wieder stärken.

Stärkste Premiummarke in Russland

Etwas mehr als ein Jahr im Amt, ist es schon seine dritte Reise nach Russland. Dabei sind die deutschen Hersteller bei dem Autofreund Putin, der fließend Deutsch spricht und oft selbst am Steuer sitzt, traditionell willkommen. Volkswagen produziert in Russland, BMW lässt hier Fahrzeuge montieren. Und auch Opel in Rüsselsheim kündigte nun an, nach dem Rückzug wegen einer Absatzkrise 2015 in diesem Jahr mit zunächst drei Modellen wieder durchzustarten. Die deutschen Marken genießen bei den Russen einen tadellosen Ruf. Wohl auch deshalb wagt sich Daimler nun daran, in der Geschichte von Mercedes-Benz in Russland - wie das Unternehmen mitteilt - ein neues Kapitel aufzuschlagen.

Daimler betrachtet seine erste Produktionsstätte im Riesenreich als "strategisches Investment". Zwar lässt der Konzern schon Lastwagen und auch Vans in Russland produzieren, aber keine Pkw. Bislang musste jedes einzelne Auto importiert werden. Das soll sich nun ändern. Jene Autos, die Daimler am häufigsten in Russland verkauft, sollen künftig auch direkt hier vom Band laufen. Die sogenannte Lokalisierungsstrategie ist eine gängige Vorgehensweise unter Autobauern auch in anderen Regionen der Welt. Dieses Vorgehen soll unter anderem unabhängig machen von Zöllen und Handelsproblemen.

Russland ist für den schwäbischen Autobauer ein wichtiger Absatzmarkt. Mercedes gilt hier seit Jahren als stärkste Premiummarke. 37.788 Fahrzeuge verkauften die Stuttgarter 2018, drei Prozent mehr als 2017. Auch für dieses Jahr erwarten die Schwaben ein leichtes Plus - für den gesamten Markt. Das wäre besser als die Stagnation in Europa.

Russland birgt Risiken

Daimler
Daimler 53,39

Nach einem zweistelligen Wachstum von 2017 auf 2018 ist der russische Automarkt allerdings mit Einbrüchen in dieses Jahr gestartet. Ein Grund für den Rückgang ist, dass die Mehrwertsteuer zum Jahresbeginn von 18 auf 20 Prozent stieg. Im vorigen Jahr wurden noch 1,8 Millionen Autos verkauft - das waren 12,8 Prozent mehr als 2017. Ein anderer Grund für den Einbruch in diesem Jahr ist die aktuell nicht berauschende Kaufkraft russischer Familien. Der Autoexperte Jörg Schreiber von der Vereinigung Europäischer Unternehmen (AEB) in Moskau sah bei einem Ausblick im Januar noch ein mögliches Wachstum von 3,6 Prozent für dieses Jahr. Vor allem aber mögliche schärfere US-Sanktionen gehörten weiter zu den bedeutenden Risiken für den Markt, sagte er.

Das frühere Ziel, Russland zum größten Absatzmarkt in Europa zu machen, ist in weiter Ferne. Vor allem gibt es neben Erfolgsmeldungen auch immer wieder Negativschlagzeilen - von nicht ausgelasteten Produktionsanlagen etwa. Der US-Autobauer Ford teilte dieser Tage mit, sich vom russischen Markt zurückzuziehen und Werke zu schließen. Nach 17 Jahren in Russland sind den Amerikanern die Absatzzahlen zu gering.

Dagegen sieht Mercedes-Benz unter dem Dach einer eigens gegründeten Gesellschaft sein neues Werk als Teil des globalen Produktionsnetzwerks. So könnte der Daimler-Konzern zur Not Schwankungen bei der Nachfrage ausgleichen. Bei Moskau laufen nun zunächst Fahrzeuge der E-Klasse vom Band. Später kommen mehrere SUV-Modelle hinzu. Aber die S-Klasse, das Top-Segment, ist auch in Russland tabu - sie bleibt "Made in Germany".

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, Nico Esch und Ulf Mauder, dpa

Mehr zum Thema