Wirtschaft

"Wichtiger als die Raumfahrt" Daimler fordert mehr Geld für Gaia-X

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Was hält die Wirtschaft von Altmaiers Traum einer europäischen Datenwolke? Daimler-Manager Porth rät dringend dazu, staatliche Mittel in den Aufbau einer Alternative zu den Cloud-Angeboten chinesischer und amerikanischer Digitalgiganten zu pumpen.

Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth fordert rasche Investitionen zum Aufbau einer europäischen Daten-Infrastruktur als Alternative zu Diensten aus den USA und China. "Eine europäische Cloud wäre aus meiner Sicht wichtiger als ein europäisches Raumfahrtprogramm", sagte Porth mit Blick auf laufende Verhandlungen zur Zukunft der europäischen Raumfahrt und deren Finanzierung. "Deshalb sollte man hier Geld und Energie investieren."

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Personal- und Arbeitsdirektor bei Daimler: Wilfried Porth.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wie viele Mittel in die europäische Raumfahrt fließen, weiß man bei Daimler sehr genau. Über die frühere Konzerntochter Dasa waren die Stuttgarter lange Jahre auch in der Luft- und Raumfahrt engagiert. Auch an der Gründung des Airbus-Vorläufers EADS war der Dax-Konzern beteiligt. 2013 zog sich Daimler jedoch aus diesem Geschäftsbereich zurück.

In Sachen Cloud-Architektur müsse nun dringend gehandelt werden, betonte Porth, der seit 2009 bei Daimler im Konzernvorstand sitzt. Es sei nicht sinnvoll, nur darüber zu jammern, "dass bislang keiner eine europäische Cloud aufgebaut hat, die Amerikanern und Chinesen Wettbewerb bieten kann".

Porths Vorstoß kommt nicht aus heiterem Himmel. Pläne für den Aufbau eines europäischen Online-Datenspeichers liegen bereits vor. Den Vorstellungen der Bundesregierung zufolge sollen sich deutsche und europäische IT-Anbieter künftig zu einem Netzwerk zusammenschließen, bei dem Unternehmen ihre Daten sicher und selbstbestimmt speichern und verarbeiten können.

Projektstart Ende 2020?

Dieses Cloud-Netzwerk läuft unter dem Projektnamen Gaia-X, und geht auf eine Initiative von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zurück. Dem CDU-Politiker schwebt dabei nichts anderes als eine "vernetzte Dateninfrastruktur" vor, die zur "Wiege eines vitalen, europäischen Ökosystems" werden soll.

Der Zeitplan wirkt ambitioniert: Schon Ende kommenden Jahres soll der Betrieb mit ersten Anbietern und Anwendern starten. Erklärtes Ziel ist es dabei unter anderem, europäischen Firmen den Weg zu digitalen Geschäftsmodellen ebnen. Nebenbei soll eine nach europäischem Recht operierende Cloud auch den Datenschutz sicherstellen, einer womöglich systematisch betriebenen Wirtschaftsspionage vorbeugen und allgemein verhindern, dass die deutsche Wirtschaft in die von Kanzlerin Angela Merkel befüchteten "Abhängigkeiten" gerät.

Zahlreiche Fragen sind allerdings noch ungeklärt. Offen sind etwa die Punkte Kosten und Finanzierung, wie Beobachter wiederholt anmerkten. Ohne starke Anschubförderung vom Staat, heißt es, dürfte Gaia-X kaum über das Planungsstadium hinauskommen.

Kampfansage an die US-Riesen

Das Projekt soll gegen etablierte Cloud-Dienste von US-Konzernen wie Amazon, Microsoft und Google antreten. Diese verfügen zum Teil über Bar-Reserven in dreistelliger Milliardenhöhe. Die Finanzkraft der Digital-Giganten fließt auch in die Entwicklung marktfähiger Konkurrenzangebote.

Porth betonte, es fehle bundes- und europaweit keineswegs an Innovationskraft, um eine wettbewerbsfähige europäische Daten-Infrastruktur aufzubauen. "Wenn man sich beispielsweise mit Patenten beschäftigt, findet man heraus, dass ganz viel in Europa und auch in Deutschland erfunden und erforscht wird", sagte er.

Das Problem sei die Umsetzung der Forschungsergebnisse in die reale Wirtschaftswelt. "Wir bekommen das dann nicht schnell genug in den Markt. Uns fehlt leider ein wenig die Risikobereitschaft, die man vielleicht eher in den USA, in Israel und China findet."

Quelle: ntv.de, mmo/dpa