Wirtschaft

Tiefpunkt April Daimler und VW bereiten auf Verluste vor

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Die Autobauer rechnen im zweiten Quartal mit dem Tiefpunkt der Krise.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die beiden Autohersteller Daimler und VW verdienen im ersten Quartal noch Geld. Doch nun schlägt sich die Corona-Krise voll in der Bilanz nieder: Im zweiten Quartal werden die Zahlen tiefrot. Intern sortieren sich die Unternehmen neu - doch das Thema Elektromobilität wird wie geplant abgearbeitet.

Die beiden Autohersteller Daimler und Volkswagen rechnen angesichts der Corona-Pandemie mit einem trüben Frühling. Die Wolfsburger gehen inzwischen von einem Verlust im Tagesgeschäft aus. "Das operative Ergebnis im zweiten Quartal wird negativ sein", sagte VW-Finanzchef Frank Witter. Auch Daimler erwartet rote Zahlen. "Es wird ein schwieriges Quartal", sagte Konzern-Chef Ola Källenius. Sein Finanzchef Harald Wilhelm stellte das erste Quartalsminus seit der Finanz- und Wirtschaftskrise in Aussicht.

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Im zweiten Quartal werde sich das ganze Ausmaß des Lockdowns zeigen, sagte Wilhelm weiter. Der Absatz werde voraussichtlich im April am schwächsten sein und sich im Mai bessern. "Aber wir werden den Sturm überstehen", sagte Konzernchef Källenius.

Daimler kann monatelang durchhalten

VW hatte im ersten Quartal bereits einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen müssen, weil ab Mitte März die meisten Werke in Europa und Nordamerika heruntergefahren wurden und Händler kaum noch Autos verkaufen konnten. Volkswagen fuhr die Kapazitäten zu Wochenbeginn nach sechs Wochen moderat wieder hoch.

Daimler ging es ähnlich. Auch hier stoppten die Bänder - nun wird nach vier Wochen Produktionsstopp die Fertigung langsam wieder hochgefahren. Für die ersten drei Monate wiesen die Stuttgarter nur noch einen Überschuss von 94 Millionen Auto aus. Vor einem Jahr hatten sie den ersten Dreimonatszeitraum noch mit einem Überschuss von gut zwei Milliarden Euro beendet. Bei VW blieben nun immerhin noch 517 Millionen in der Kasse - 83 Prozent weniger.

Zugleich bemühte sich der Hersteller von Autos mit Stern um ein Signal der Stärke: Mit insgesamt 68 Milliarden Euro verfügbarer Finanzmittel sei der Autobauer aber für mehrere Monate einer wirtschaftlichen Eiszeit gewappnet, sagte der Konzernchef Källenius. "Wir haben zahlreiche Gegenmaßnahmen ergriffen, um die Kosten zu senken sowie die Liquidität zu sichern und sind finanziell weiter robust aufgestellt", erklärte VW-Finanzchef Frank Witter.

Dennoch kippten beide bereits in den vergangenen Wochen ihre Jahresprognosen. Daimler geht von Absatzeinbrüchen auf den Pkw- und Nutzfahrzeugmärkten weltweit aus. Das Prognosehaus IHS Markit schätzt, dass der Pkw-Absatz weltweit in diesem Jahr um gut ein Fünftel sinken wird. Folglich erwartet Daimler inzwischen Umsatz, Absatz und Betriebsergebnis unter dem Vorjahr. Auch für 2021 sei er nicht allzu optimistisch, erklärte Källenius. Die Wolfsburger rechnen auf Jahressicht mit einem positiven operativen Ergebnis, wenn auch "gravierend" unter dem Vorjahreswert.

Elektromobilität wird nicht angetastet

Um die Krise zu bekämpfen, greifen beide zum Rotstift. Bei Daimler sollen Investitionen gekürzt, Kosten gesenkt und die Liquidität gesichert werden. Strategisch wichtige Projekte wie neue Elektroautos und die für Jahresende geplante neue S-Klasse sollen aber nach Plan laufen.

Bei Volkswagen werden einige Verbrenner von Seat und Skoda wohl etwas später kommen. Am Marktstart des ersten E-Autos für den Massenmarkt werde nicht gerüttelt. Der VW ID.3 komme wie geplant im Sommer, sagte Vertriebschef Christian Dahlheim. Auch die Absatzplanungen für das Fahrzeug stehen, mit dem VW den Markt für rein elektrisch betriebene Autos aufrollen will. Das gelte übrigens für die gesamte ID-Familie und die Elektroautos bei Audi. Der Weg zur Elektrifizierung bleibe, sagte Finanzchef Frank Witter. Dies sei die einzige Möglichkeit, die Flottenziele beim CO2-Ausstoß einzuhalten. Auch ändere sich nichts beim Ziel, Software-Kompetenz in der Auto-IT aufzubauen.

"Bei uns brechen nicht alle Dämme in der Strategie", sagte Witter. Auch stellt VW die geplante Übernahme des US-Nutzfahrzeugherstellers Navistar nicht infrage. Allerdings sei die Umsetzbarkeit des Vorhabens nicht klar, so Witter.

Das Projekt zum Bau eines neuen Werks in der Türkei ist ebenfalls nicht vom Tisch. Das entwickelte Konzept für den Bau von Skoda Superb und VW Passat mit vielen Gleichteilen bei größtmöglicher Differenzierung beider Fahrzeuge in einem einzigen Werk sei bislang in keinem vorhandenen Werk umsetzbar, sagte Witter. Außerdem sei die Türkei ein Limousinenmarkt. Eine Entscheidung falle im Laufe des Jahres.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/rts