Wirtschaft

Folgen der Corona-Beschlüsse "Damit kommt die Rezession ein Stück näher"

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Im Bereich der Gastronomie und der Hotellerie dürfte eine Einführung der 2G-Regel laut IW-Berechnungen im Dezember zu zusätzlichen Einbußen in Höhe von rund einer Milliarde Euro führen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die neuen Beschlüsse von Bund und Ländern bedeuten für viele Unternehmen vor allem mehr Aufwand und höhere Kosten bei niedrigen Einnahmen, warnt der DIHK. Weil immer mehr Kunden wegbleiben, sieht ein Ökonom die Rezession immer näher rücken.

Bund und Länder haben angesichts hoher Neuinfektionen ihre Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Krise verschärft. Bundesweit soll künftig die 2G-Regel im Einzelhandel gelten, bei der nur noch Geimpfte oder Genesene Zutritt zu Geschäften erhalten sollen. Ausgenommen sind Geschäfte des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Apotheken und Drogerien. "Damit kommen wir der Rezession wieder ein Stück näher", schätzt ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski die Lage ein. In den vergangenen Wochen hätten die Aktivitäten im Einzelhandel, Veranstaltungs- und Gastgewerbe wegen der neuen Inzidenzen und Unsicherheiten ja schon deutlich abgenommen. Das nehme jetzt nur noch zu. "Trotz allem werden diese Maßnahmen deutlich geringere negative Folgen haben als noch die Lockdowns 2020."

Für den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sind die weitreichenden Maßnahmen zwar ein "wichtiges Signal", dass mit den Beschlüssen ein erneuter Lockdown für den größten Teil der Wirtschaft verhindert werde, sagte DIHK-Präsident Peter Adrian der "Rheinischen Post". Sie bedeuteten für viele Unternehmer jedoch auch mehr Aufwand und höhere Kosten bei niedrigeren Einnahmen.

"Dort, wo 2G bereits in Handel und Gastronomie gilt, berichten gerade kleinere Geschäfte von wegbleibenden Kunden und praktischen Umsetzungsproblemen, auch weil die Kontrolle der Impfzertifikate viel Personal bindet", sagte Adrian weiter. Die Impf- und Testregeln würden zudem "die Kundenfrequenz gerade im Konsumbereich dämpfen".

Milliardeneinbußen im Einzelhandel und Gastgewerbe

Die Verlängerung der Corona-Wirtschaftshilfen sei deshalb eine folgerichtige und wichtige Entscheidung. Gerade Schausteller und Markthändler bräuchten jetzt rasch Hilfe. "Viele verlieren gerade einen Großteil ihres Jahresumsatzes." Das Bundeswirtschaftsministerium hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, dass die Bedingungen für die Überbrückungshilfe IV stehen, demnach sollen die Corona-Wirtschaftshilfen bis Ende März 2022 verlängert werden. Die derzeitigen Hilfen für von der Pandemie geschädigte Firmen gelten bis zum Jahresende.

Auch das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) geht davon aus, dass eine umfassende Anwendung der 2G-Regel zu Milliardeneinbußen im Einzelhandel und im Gastgewerbe führen dürfte. "Wir gehen davon aus, dass 2G beim stationären Einzelhandel zu Umsatzeinbußen im Dezember von etwa 5,3 Milliarden Euro führen würde", sagte IW-Experte Christian Rusche.

Auch in Gastronomie und Hotellerie sei die Lage "prekär". Eine flächendeckende Einführung von 2G werde die Unternehmen im zweiten Jahr in Folge im wichtigen Weihnachtsgeschäft treffen. "Vieles spricht dafür, dass zahlreiche Inhaber überlegen würden, ob es sich noch lohnt, das Geschäft zu öffnen", sagte Rusche weiter.

Welche Betriebe können sich über die vierte Welle retten?

Im Bereich der Gastronomie und der Hotellerie dürfte eine Einführung der 2G-Regel den IW-Berechnungen zufolge im Dezember zu zusätzlichen Einbußen in Höhe von rund einer Milliarde Euro führen. Zusätzlich entstehe den Unternehmen Aufwand durch Einlasskontrollen. Auch im Gastgewerbe sei deshalb fraglich, ob Unternehmer ihre Betriebe dann in den Wintermonaten geöffnet ließen. Generell stelle sich die Frage, welche Betriebe sich über die vierte Welle der Pandemie retten könnten.

Auch laut Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer stehen Restaurants, Hotels, Kneipen und andere Dienstleister vor schwierigen Zeiten. Er erwartet deswegen mehr denn je, dass die deutsche Wirtschaft im Winterhalbjahr schrumpfen werde. "Deshalb ist für das gesamte Jahr 2022 nur ein Wachstum von drei Prozent wahrscheinlich, obwohl sich die Wirtschaft nach dem Abklingen von Corona ab dem Frühsommer rasch erholen dürfte."

Quelle: ntv.de, jki/dpa/rts

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