Schwarz-Rot hat es in der HandDas Ende der Wirtschafts-Schwarzmalerei ist noch kein Aufschwung

Die Wirtschaft läuft besser, als die Schwarzmalerei der vergangenen Monate vermuten ließ. Ökonomen und Banken korrigieren ihre Prognosen nach oben. Dieser Vertrauensgewinn kann Deutschland aus der konjunkturellen Pessimismus-Spirale befreien. Doch von einem echten Aufschwung ist sie noch weit entfernt.
0,3 Prozent statt 0,2 Prozent - das sieht nicht nach einem großen Unterschied aus, und es ist auch keiner. Dennoch ist die Meldung des Statistischen Bundesamtes, das heute das Wirtschaftswachstum für das zweite Quartal 2026 um diesen minimalen Wert gegenüber einer ersten Schätzung nach oben korrigiert hat, wichtig. Sie liefert zwar keinen Anlass zum Jubeln oder auch nur zur Entwarnung mit Blick auf die aktuelle Lage der deutschen Wirtschaft. Deutschland steckt nach wie vor in einer Krise. Aber die aktuellen Zahlen zeigen: Das Fundament der Wirtschaft ist deutlich stärker als es die Schwarzmalerei in den politischen Debatten der vergangenen Monate erscheinen ließ. Ein stabiler, breiter Aufschwung nach der jahrelangen Stagnation zeichnet sich noch immer nicht ab. Doch er ist, anders als viele Untergangspropheten zuletzt glauben machen wollten, möglich.
0,3 Prozent Steigerung der Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal und 1,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist nicht viel, aber viel mehr als der Rückgang der Wirtschaftsleistung, den viele Ökonomen angesichts der Verwerfungen durch den Iran-Krieg noch im Frühjahr erwartet hatten. Zudem hat das Statistische Bundesamt nicht nur die Daten für das vergangene Quartal, sondern auch für die vergangenen Jahre routinemäßig überprüft und unter anderem festgestellt: 2024 schrumpfte die deutsche Wirtschaft nicht wie bisher angenommen um 0,5 Prozent, sondern stagnierte lediglich.
Auch andere Indikatoren machen Hoffnung: Der Auftragseingang der Industrie ist zuletzt deutlich gestiegen. Vor allem Maschinenbauer berichten im Zusammenhang mit dem globalen KI-Boom von einer hohen Nachfrage. Technologie aus Deutschland ist in diesem Zukunftssektor durchaus wettbewerbsfähig. Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe stieg im August auf den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren. Das traurige Bild, mit dem die Autobranche derzeit die Schlagzeilen beherrscht, ist offensichtlich nicht repräsentativ für die gesamte Wirtschaft.
Bei den Ökonomen, die die deutsche Konjunktur beobachten, zeichnet sich eine bemerkenswerte Trendwende ab. Bis vor wenigen Wochen noch setzten die Wirtschaftsforschungsinstitute und Banken mit beängstigender Regelmäßigkeit ihre Vorhersagen für die Wirtschaft von Prognose zu Prognose herab. Im Frühjahr hatte selbst die Bundesregierung ihre Konjunkturprognose für 2026 von einem auf nur noch 0,5 Prozent halbiert. Der erhoffte Aufschwung durch das schuldenfinanzierte Investitionsprogramm würde ausfallen, so die einhellige Meinung der Wirtschaftsexperten.
Erwartungen treiben die Konjunktur
Inzwischen setzten die ersten Ökonomen ihre Voraussagen wieder deutlich herauf. Die Förderbank KfW erklärte heute, dass sie nun ein Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent für das laufende Jahr erwartet, statt wie bisher nur 0,7 Prozent. Unter anderem die Deka Bank und die Commerzbank hatten ihre Prognosen - nach vorherigen Abwärtskorrekturen - vorher bereits erhöht. Weiter positive Revisionen der Wirtschaftsaussichten in den kommenden Wochen und Monaten dürften folgen. Da Erwartungen ein maßgeblicher Treiber der Wirtschaftsentwicklung sind, ist diese Trendwende bei den Ökonomen ein wichtiger Faktor, um Deutschland aus dem Teufelskreis der konjunkturellen Schwarzmalerei zu befreien.
Auch wenn sich die aktuelle Situation damit deutlich besser darstellt als zuletzt, ist die Lage der deutschen Wirtschaft keineswegs zufriedenstellend. Einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft zufolge sind Deutschland durch die jahrelange Stagnation seit 2020 fast eine Billion Euro an Wirtschaftsleistung und damit Wohlstand entgangen. Ein BIP-Zuwachs von einem oder 1,5 Prozent reicht kaum aus, um auf den Wachstumspfad der Vorkrisenjahre zurückzukehren, geschweige denn den Wohlstandsverlust dieser Zeit auch nur teilweise auszugleichen.
Zudem ist selbst dieses bescheidende Wachstum fragil. Die Energiepreise, die bislang trotz des Iran-Kriegs nur mäßig gestiegen waren, ziehen aktuell wieder schneller an. Die erfreulich starke Exportnachfrage kann durch neue Handelskonflikte mit den USA oder China jederzeit wieder nachgaben. Vor allem im Inland fehlen nach wie vor die notwendigen Voraussetzungen für einen tragfähigen Aufschwung. Der Konsum ist nach wie vor schwach, die Investitionen gehen sogar weiter zurück.
Die gute Nachricht ist, dass es - anders als externe Krisen wie der Iran-Krieg oder die US-Zollpolitik - in der Hand der deutschen Politik liegt, diese Schwächen anzugehen. Mit entsprechenden Maßnahmen - etwa Steuerreform, Bürokratieabbau, Sozialversicherungsreformen - kann die schwarz-rote Koalition die Voraussetzungen für einen echten Wirtschaftsaufschwung schaffen.