Wirtschaft
Elvira Nabiullina leitet seit 2013 die russische Zentralbank.
Elvira Nabiullina leitet seit 2013 die russische Zentralbank.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 02. November 2017

Moskaus Zentralbankchefin: "Das russische Bankensystem ist gesund"

Russlands Zentralbankchefin Elvira Nabiullina hat die Zahl der Banken in den vergangenen Jahren radikal geschrumpft. Sie verrät, was es noch zu tun gibt, wie schwer die westlichen Sanktionen wiegen - und was an den Gerüchten zum Krypto-Rubel dran ist.

Die russische Zentralbankchefin Elvira Nabiullina ist mit ihrer Arbeit zufrieden. Bei der Sanierung der russischen Bankenbranche sieht sie sich auf der Zielgeraden. Der Großteil der Arbeit sei erledigt, das Finanzsystem weitgehend gesund, stellt die 54-Jährige im Gespräch mit dem "Handelsblatt" fest.

In den vergangenen vier Jahren sei gut ein Drittel der Banken vom Markt verschwunden, mittlerweile gebe es "etwas weniger als 600", sagt Nabiullina, die seit 2013 die russische Zentralbank leitet und sich vor allem durch die von ihr verordnete radikale Schrumpfkur der russischen Bankenbranche einen Namen gemacht hat. In den 1990er Jahren waren es nach ihren Angaben noch 2500 Banken.

Abgeschlossen ist die Bankenkonsolidierung damit noch nicht, wie Nabiullina einräumt. Lizenzentzug sei das eine, jetzt gehe es darum, Regulierung und Aufsicht zu verstärken. "Ein oder zwei Jahre müssen wir wohl noch aufräumen", prognostiziert die ehemalige Wirtschaftsberaterin des russischen Präsidenten Wladimir Putin. 

Sanktionen werden kompensiert

Danach könne man die stockende Privatisierung von Staatsbanken fortsetzen, sagt Nabiullina. Denn hierfür gebe es derzeit keinen Markt. "Das Vertrauen der Menschen zu einer Bank hängt davon ab, dass sie staatlich ist." Erst wenn "die Sorgen um die Solidität einzelner Privatbanken gesunken sind, können wir zu dieser Diskussion zurückkehren".

Die Auswirkungen der bisherigen Sanktionen sieht die Zentralbankchefin unterdessen gelassen, der Schock sei überwunden. Die Auswirkungen seien Ende 2014 am größten gewesen, als gleichzeitig der Ölpreis fiel. "Der Effekt des Ölpreises war größer als der der Sanktionen. Jetzt hat sich die Wirtschaft an beide Faktoren gewöhnt", sagt Nabiullina dem "Handelsblatt" weiter. Das Bruttoinlandsprodukt wachse wieder.

Zumindest laut der offiziellen Statistik des russischen Wirtschaftsministerium - dem Experten nicht so recht trauen mögen, weil es auf einem neuen Berechnungsverfahren basiert - ist das BIP in den ersten neun Monaten um 1,8 Prozent gewachsen. Für russische Verhältnisse ist das bescheiden. Nach den Boomjahren der ersten Amtszeit Präsident Wladimir Putins werden sich die Russen aber daran wohl gewöhnen müssen.

Der Kapitalabfluss aus Russland sei zwar nicht gestoppt, räumt Nabiullina ein. Doch die Investoren zeigten zuletzt wieder verstärkt Interesse an russischen Staatsanleihen. Die Zentralbankerin führt dies vor allem auf die makroökonomische Stabilität zurück.

Die im laufenden Jahr auf unter drei Prozent gedrückte Inflation soll nach Worten von Nabiulliana mittelfristig stabil "bei etwa vier Prozent" bleiben. Da die Bevölkerung der niedrigen Inflationsrate nicht traue, bleibe die Geldpolitik weiterhin strikt. Der aktuelle Leitzinssatz der russischen Zentralbank liegt bei 8,5 Prozent.

Und wann kommt Putins Krypto-Rubel?

Zu den jüngst aus Moskau geschürten Spekulationen über eine unmittelbar bevorstehende Einführung eines Krypto-Rubels bleibt die Zentralbankerin dagegen vage. Entgegen anderslautenden Gerüchten ist die russische Führung hier offenbar noch deutlich in der Findungsphase. "Wir erwägen nur die Möglichkeit. Es gibt noch keine endgültige Entscheidung über unser Engagement", sagt die studierte Wirtschaftspolitikerin dem "Handelsblatt".

Die Technologien, die Digitalwährungen zugrunde lägen, seien zwar "sehr interessant" und zukunftsweisend, eine grundlegende Neugestaltung des Finanzsektors sei auch offensichtlich. Dennoch bleibe sie skeptisch: "Es geht um eine neue Technologie, deren Regulierung noch erarbeitet wird." Die Zentralbank brauche "eine Kontrolle über den Geldumlauf, um Geldwäsche und Terrorfinanzierung zu verhindern.

Die Zentralbank sieht sich vor allem als Regulator: Hier "müssen wir bereit sein". Wie und was genau hierfür geschehen soll, lässt die Notenbankerin offen. Derzeit würden diese Technologien mit Akteuren des Finanzmarkts noch untersucht und getestet.

Quelle: n-tv.de

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