Wirtschaft

Firmen kritisieren Corona-Hilfen Der Rettungsschirm hat viele Löcher

imago98383090h.jpg

Gähnende Leere: Nicht nur der Einzelhandel ist wegen des Coronavirus nahezu zum Erliegen gekommen.

(Foto: imago images/Ralph Peters)

Hunderte Milliarden Euro stellt die Bundesregierung bereit, um Unternehmen in der Corona-Krise vor dem Schlimmsten zu bewahren. Doch das Geld kommt nicht überall an, wo es dringend nötig ist.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) sieht eine mangelnde Unterstützung für den Mittelstand in der Corona-Krise und beklagt eine Förderlücke. "In dieser Extremlage brauchen neben den kleinen Betrieben auch solche mit mehr als zehn Mitarbeitern Soforthilfen", sagte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer mit Blick auf die Coronavirus-Krise. Bund und Länder hatten verschiedene Hilfsprogramme auf den Weg gebracht. Neben Kreditprogrammen der staatlichen Förderbank KfW und Steuerstundungen geht es um einen Stabilisierungsfonds für große Unternehmen und ein milliardenschweres Paket mit direkten Zuschüssen für kleine Firmen mit bis zu zehn Beschäftigten. 

Wollseifer kritisierte, weite Teile des Mittelstandes fielen durch das Raster von direkten Zuschüssen. Ähnlich äußerte sich auch der Deutsche Reiseverband (DRV). "Die Bundesregierung muss dringend Maßnahmen für mittelständische Unternehmen bewilligen", forderte DRV-Präsident Norbert Fiebig. Ein Großteil der Unternehmen in der Reisewirtschaft falle unter die Größenordnung zwischen 10 und 250 Mitarbeitern - für diese Gruppe aber wird aus Sicht des Reiseverbands zu wenig gemacht.

Zwei Tage nach dem Bundestag hatte am Freitag auch der Bundesrat gewaltigen Hilfspaketen in der Corona-Krise zugestimmt. Damit können nun etwa große Firmen unter einen 600 Milliarden Euro umfassenden Schutzschirm schlüpfen und notfalls ganz oder zum Teil verstaatlicht werden.

90 Prozent haben noch kein Geld gesehen

Die beklagte "Förderlücke" für den Mittelstand ist aber nicht der einzige Kritikpunkt der Wirtschaft an den Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung. Einer Umfrage des DRV zufolge haben 90 Prozent der befragten Unternehmen von den Kredithilfen über das KfW-Programm noch kein Geld gesehen. "Und das in dem Wissen, dass sie ohne schnelle und unbürokratische Liquiditätshilfen bald am Ende sind", sagte Fiebig.

Von den fast 700 teilnehmenden Unternehmen gaben mehr als 540 an, welches Problem sie mit den Hilfen haben. Die meisten davon teilten mit, das ihnen das Verfahren zu lange dauere - beim KfW-Kreditprogramm spielen die Hausbanken der Firmen bei Prüfungen eine Schlüsselrolle. Banken und Sparkassen werden überrannt von Anfragen.

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks forderte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung", dass die Hilfen schneller und besser verfügbar sein sollten. Vieles sei noch zu bürokratisch, die örtliche Arbeitsagentur sei vielfach nicht erreichbar, teilte der Verband mit. Für viele Betriebe werde es schwierig, wenn die staatliche Hilfe nicht schnell und unbürokratisch vermittelt werde.

Banken überlastet

Die Stiftung Familienunternehmen teilte ebenfalls mit, ihre Mitglieder hätten Sorge, dass Hilfen nicht schnell genug ausbezahlt werden. "Die Firmen berichten von einer Überlastung der für die Durchreichung und Prüfung der Kredite zuständigen Geschäftsbanken", sagte Geschäftsführer Stefan Heidbreder. Ähnlich äußerte sich auch der Verband der Familienunternehmen. Die Banken kämen um eine Bonitätsprüfung bei der Vergabe nicht umher, sagte Verbandspräsident Reinhold von Eben-Worlée. "Für Unternehmen, denen die Absatzmärkte weggebrochen oder Lieferketten gerissen sind, dauert die bisherige Prüfung bei ihrer existenziellen Notlage aber viel zu lange." Er forderte deshalb, die Geschäftsbanken "für einen kurzen, genau fixierten Zeitraum komplett aus der Haftung herauszunehmen, indem die Förderbanken für das gesamte vergebene Kreditvolumen bürgen".

Bei Betriebsmittelkrediten und Investitionen kleiner und mittlerer Unternehmen trägt die KfW 90 Prozent des Kreditrisikos. Bei größeren Firmen sind es 80 Prozent. Für Kredite bis drei Millionen Euro pro Unternehmen verzichtet die KfW auf eine eigene Risikoprüfung. Bei Summen bis zehn Millionen Euro gibt es eine vereinfachte Prüfung. Die Zinsen liegen je nach Größe des Unternehmens zwischen 1 und 2,12 Prozent bei Krediten mit fünf Jahren Laufzeit. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hält eine möglichst durchgängig digital organisierte Bearbeitung der Zuschussanträge für sinnvoll. "Denn nur so lassen sich die nun zu erwartenden Antragszahlen für das Bundesprogramm in kurzer Frist bewältigen", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Achim Dercks.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa