Wirtschaft

Auch VW ist bald vergessen Der Skandal sind wir

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Schönheit ist nicht alles. Transparenz ist wichtig.

(Foto: REUTERS)

Das Diesel-Desaster wirft ein Schlaglicht auf die größte Macht im Markt. Der bequeme Verbraucher ist der wahre Schuldige hier. Wenn er seine Einstellung nicht schnell ändert, wird sich nie etwas ändern.

Keine Woche ist der VW-Skandal alt, da macht sich schon Überdruss breit. War denn nicht genug der Aufregung? Dann wurden halt ein paar Abgasmesswerte manipuliert. Na und? VW-Chef Martin Winterkorn hat doch redlich die Verantwortung geschultert und ist mit ihr davon gegangen. Der neue Chef steht bereit. Jetzt noch rasch nachgefegt, fertig.

Hängen wir den Skandal doch etwas tiefer, dann macht "Made in Germany" auch wieder stolz. Seien wir doch realistisch. Fährt man einen Diesel, um die Umwelt oder nicht doch das eigene Portemonnaie zu schonen?

Genau in diesem Schulterzucken liegt der wirkliche Skandal. Ob es um Abgas-Manipulationen, Nahrungsmittelpanschereien oder Kinderarbeit geht: Skandale kommen und gehen und das Leben geht weiter. Schön ist die Diesel-Affäre nicht. Aber VW baut doch ansonsten schöne Autos. Und sind Primark & Co nicht wirklich günstig? Die paar T-Shirts werden an der Kinderarbeit ohnehin nichts ändern. Ebenso wenig wie das eine tiefgekühlte Drei-Euro-Hühnchen an der Tierhaltung.

Der Verbraucher ist bequem und geizig. Und liefert damit der Industrie den Anreiz, im Wettbewerb große Risiken auf sich zu nehmen, um die Kosten niedrig zu halten und die Preise zu drücken. Über das schlechte Gewissen kommt ein hübscher Aufkleber, der die richtige Effizienzklasse, das Bionahrungsmittel, den fairen Handel verspricht. Wer prüft das schon nach?

Wenn der Verbraucher Glück hat, übernimmt manchmal eine US-Umweltbehörde diese Aufgabe. Welche Motivation sie dabei hat, ist zweitrangig, wenn das Unternehmen die Verfehlungen selbst zugibt.

Wenn es gut läuft, wird die aktuelle VW-Aufregung dazu führen, dass die Autohersteller sich genötigt sehen, bessere Abgassysteme zu entwickeln. Diese Hoffnung wird sich aber nur erfüllen, wenn wir Verbraucher nicht bequem bleiben. Sonst beginnt sofort der Countdown zum nächsten Skandal.

Quelle: n-tv.de

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