Wirtschaft

Heise von Allianz zu Griechenland "Der ganze Zeitplan ist etwas verzögert"

28932895.jpg

Allianz-Volkswirt Heise schätzt die Reformverzögerungen in Griechenland nicht als dramatisch ein.

(Foto: picture alliance / dpa)

Seit den Neuwahlen ist es ruhig geworden um Griechenland. Da die vereinbarten Reformen in Athen nur schleppend umgesetzt werden, wird die fällige Kredittranche von den Geldgebern nun zurückgehalten. Droht eine erneute Griechenland-Krise? Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz-Gruppe klärt im n-tv Interview auf.

n-tv.de: Es schien ja fast so, als hätten wir Griechenland so ein bisschen aus dem Gedächtnis verloren. Zumindest hier aus Börsensicht waren andere Themen wie China größer. Kommt Griechenland wieder zurück? Schätzen Sie die Lage dort auch so schlimm ein wie zum Beispiel die Deutsche Bank, die mit einem Schuldenschnitt rechnet noch Ende des Jahres?

Michael Heise: Ich bin da anderer Meinung. Ich glaube nicht, dass wir ein neues Reformdebakel in Griechenland sehen werden. Wir müssen einfach auch berücksichtigen, dass die Neuwahl, die Tsipras ja eingeleitet hat, den ganzen Zeitplan etwas verzögert hat. Deswegen sind sie noch hinterher mit den Reformen. Deswegen wird auch die Revision ihrer Politik, die für Oktober geplant war, erst später stattfinden. Der ganze Zeitplan ist etwas verzögert. Es gibt auch inhaltliche Streitpunkte, selbstverständlich, aber ich glaube nicht, dass die Regierung erneut auf eine ganz andere Richtung schwenkt. Das wäre ein Problem.

Aber könnte es sein, dass die Flüchtlingskrise jetzt doch ein paar Änderungen bewirkt und Herr Tsipras das vielleicht auch als Druckmittel nehmen kann, um zu sagen: Wir brauchen weniger Reformdruck?

28763360.jpg

Der Chef-Volkswirt des Versicherungskonzerns Allianz SE, Michael Heise.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ich glaube, dass man in der Flüchtlingskrise Griechenland auch sehr großzügig helfen und weitreichend unterstützen muss. Das ist glaube ich ganz klar angesichts dieser Belastungen. Aber mit Reformpolitik hat das wenig zu tun und bei einem Schuldenschnitt bleibt das Argument bestehen, dass der Griechenland im Moment gar nichts bringen würde. Denn der absolute Großteil aller Schulden hat einen Zins- und Tilgungsmoratorium bis Anfang des nächsten Jahrzehnts. Also wenn man die Schulden streicht, passiert in der Zahlungsbilanz für Griechenland eigentlich gar nichts. Deswegen wird das nicht kommen. Abgesehen davon, dass auch kein politischer Wille dafür da ist in der Eurozone.

Und dass jetzt Hilfszahlungen wieder verzögert werden, das, sagen Sie, ist jetzt auch kein Problem? Das ist alles in dem normalen Spiel, wie wir es bisher auch kennen, drin?

Ich glaube, dass es kein großes Drama ist, weil es wie gesagt in der ganzen Verzögerung durch die Neuwahlen mit begründet ist. Es gibt da ein paar Streitpunkte, was steuerliche Dinge angeht oder auch die Bankensanierung. Da gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Ich denke, die wird man beilegen können.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen