Wirtschaft

Cryan könnte noch schärfer sparen Deutsche Bank quält sich zum Mini-Gewinn

Der Umbau der Deutschen Bank kostet Geld. Viel Geld. Im zweiten Quartal bricht der Gewinn auf gerade mal 20 Millionen Euro ein. Bankchef Cryan zeigt sich zufrieden - kann sich aber ein schärferes Sparprogramm vorstellen.

Die Deutsche Bank bezahlt ihren Radikalumbau mit einem herben Gewinneinbruch. Ein Minigewinn von gerade noch 20 Millionen Euro blieb Deutschlands größtem Geldhaus für das zweite Quartal 2016 unter dem Strich übrig - ein Jahr zuvor hatte der Frankfurter Dax-Konzern noch 818 Millionen Euro verdient.

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Konzernchef John Cryan hatte das Jahr 2016 zum Übergangsjahr erklärt und mehrfach betont, er schließe nach dem Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro 2015 rote Zahlen für das laufende Jahr nicht aus. Für die ersten sechs Monate des laufenden Jahres steht nun ein Überschuss von 256 Millionen Euro in den Büchern.

Bei der Vorlage des Zwischenberichts äußerte sich Cryan zufrieden mit den erzielten Fortschritten bei der Neuausrichtung. Gleichwohl kündigte der Brite an, das Sparprogramm notfalls zu verschärfen: "Ich möchte hier nichts beschönigen: Sollte es bei diesem schwachen wirtschaftlichen Umfeld bleiben, müssen wir bei unserem Umbau noch ehrgeiziger werden, als wir es ohnehin schon sind. Und wir werden schon jetzt alles daran setzen, die geplanten Schritte zu beschleunigen."

Niedrigzinsen schlagen durch

Auf den Weg gebracht wurden bereits die Schließung von bundesweit 188 Filialen und der Abbau von knapp 3000 Vollzeitstellen in Deutschland. Über die Streichung von etwa 1000 weiteren Stellen in anderen Bereichen in Deutschland wird noch verhandelt. Weltweit will die Bank bis 2018 unter dem Strich insgesamt 9000 Arbeitsplätze abbauen. Aus zehn Auslandsmärkten zieht sich die Deutsche Bank ganz zurück.

Die Kosten für den Umbau drückten ebenso auf die Quartalsergebnisse wie die allgemeinen Unsicherheiten an den Kapitalmärkten unter anderem nach dem Nein der Briten zur Europäischen Union. Auch die anhaltend niedrigen Zinsen schlagen wie bei anderen Instituten immer stärker auf die Ergebnisse durch. Zudem musste die Deutsche Bank ihre Risikovorsorge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast drei Viertel auf 259 Millionen Euro erhöhen - unter anderem wegen höherer Wertberichtigungen in der Schiffsfinanzierung.

Cryan betonte allerdings die Stärke des Geldhauses. Man dürfe nicht "außer Acht lassen, dass das Risikoprofil der Deutschen Bank selten so gut war wie heute - allen gegenteiligen Spekulationen an den Finanzmärkten zum Trotz", heißt es in einer Botschaft an die Mitarbeiter, die die Bank zu den Quartalszahlen veröffentlichte. "Die Kredite in unseren Büchern sind von guter Qualität und die Ausfallquoten bleiben gering, sowohl absolut als auch im Vergleich zu Wettbewerbern." An flüssigen Mitteln könne die Bank rund 220 Milliarden Euro umgehend abrufen. Der Vorstand sei zudem zuversichtlich, die Bestände der Abbausparte bis zum Jahresende auf weniger als zehn Milliarden Euro zurückführen zu können und so die Bilanz weiter zu entlasten.

Cryan will Altlasten vom Tisch haben

Die Erträge - die gesamten Einnahmen der Bank - sackten im zweiten Quartal zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent auf 7,4 Milliarden Euro ab. Dabei gab es in allen Geschäftsbereichen Einbußen - mit Ausnahme der zum Verkauf stehenden Postbank. Vor Steuern verdiente die Deutsche Bank von April bis Ende Juni 408 Millionen Euro - zwei Drittel weniger als ein Jahr zuvor. Gedrückt wurden der Vorsteuergewinn durch Aufwendungen für Konzernumbau und Abfindungen (207 Millionen Euro), Rechtsstreitigkeiten (120 Millionen Euro) und durch Wertberichtigungen (285 Millionen Euro).

Cryan drückt beim Thema Altlasten aufs Tempo. Bei der Hauptversammlung im Mai hatte er gesagt: "Bei aller Vorsicht sehe ich uns - was unsere Rechtsstreitigkeiten angeht - allmählich auf der Zielgeraden." Einige größere Fälle wie einen Geldwäscheverdacht in Russland und Vergleichsverhandlungen wegen krummer Hypothekengeschäfte in den USA will die Bank möglichst noch im laufenden Jahr vom Tisch haben.

Bei ihren Puffern für Krisenzeiten machte die Deutsche Bank etwas Boden gut. Die harte Kernkapitalquote kletterte zum Ende des zweiten Quartals leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 10,8 Prozent.

Quelle: ntv.de, mli/dpa

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