Ölpreise und Tankrabatt helfenDeutsche Inflationsrate fällt im Juni überraschend auf 2,3 Prozent

Der Angriff Israels und der USA auf den Iran treiben die Inflation weltweit an. Die Bundesregierung reagiert darauf unter anderem mit dem Tankrabatt - mit Erfolg. So kann die Inflation nicht nur im Zaum gehalten werden, sondern sinkt im Juni sogar.
Die Inflation in Deutschland ist im Juni wegen fallender Ölpreise und durch den Tankrabatt erneut gesunken. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich nur noch um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, nach 2,6 Prozent im Mai und 2,9 Prozent im April. Das teilte das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mit. Befragte Ökonomen hatten eine unveränderte Inflationsrate von 2,6 Prozent erwartet. Von Mai auf Juni fielen die Preise um 0,3 Prozent.
"Die Entspannung im Iran-Konflikt hat zuletzt die globalen Ölpreise auf das Vorkrisenniveau fallen lassen", sagte der Ökonom der Berenberg Bank, Felix Schmidt. "Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den deutschen Inflationszahlen wider." Der Ende Februar begonnene Krieg der USA und Israels gegen den Iran hatte die Energiepreise in die Höhe getrieben. Um das Tanken für Verbraucher wie Unternehmen günstiger zu machen, wurde für Mai und Juni ein befristeter Tankrabatt eingeführt. Er dämpft der Bundesbank zufolge die Inflation um etwa einen viertel Prozentpunkt.
Insgesamt verteuerte sich Energie im Juni nur noch um 3,4 Prozent zum Vorjahresmonat, nach 6,6 Prozent im Mai. Nahrungsmittel kosteten 0,4 Prozent (Mai: +0,4) Prozent mehr. Für Dienstleistungen wie Versicherungen oder Reisen wurden 3,1 (Mai: 3,1) Prozent mehr verlangt. Die Preise ohne Nahrungsmittel und Energie, auch als Kerninflation bezeichnet, stiegen um 2,5 (Mai: 2,5) Prozent.
EZB könnte von Zinsanhebung absehen
Für die Europäische Zentralbank (EZB) bedeutet die Preisentwicklung in Deutschland gute Nachrichten. "Die durch den Irankrieg ausgelöste Inflationswelle scheint sich abzuschwächen", sagte Berenberg-Experte Schmidt. Dies könnte der EZB erlauben, von einer weiteren Zinsanhebung im Juli abzusehen. Im Juni hatte sie den Leitzins erstmals seit knapp drei Jahren heraufgesetzt - von 2,0 auf 2,25 Prozent.
Künftig wollen weniger Unternehmen in Deutschland ihre Preise anheben. Das entsprechende Barometer für die Preiserwartungen sank im Juni auf 26,4 Punkte, von 30,0 Zählern im Mai, wie das Münchner Ifo-Institut zu seiner Umfrage mitteilte. "Sinkende Energiepreise, zu denen die Hoffnungen auf Frieden im Nahen Osten zusätzlich beigetragen haben, scheinen die Unternehmen zuversichtlicher hinsichtlich der wirtschaftlichen Lage gemacht zu haben", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.
"Allerdings dürften die Produzenten- und Verbraucherpreise in den kommenden Monaten weiterhin steigen." So liege der Indikator seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs noch erheblich über dem Durchschnitt von 18,3 für den Zeitraum 2023 bis 2025.