Wirtschaft

Investitionen gehen zurück Deutscher Reformstau schreckt US-Firmen ab

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Ford setzt im Vergleich zu anderen US-Firmen immer noch am meisten in Deutschland um.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Liste an Hemmnissen hat es in sich: zu viel Bürokratie, zu wenige Fachkräfte, eine schleppende Digitalisierung. Für amerikanische Firmen ist Deutschland zwar noch immer ein wichtiger Standort. Doch Ford und Co. nehmen nicht mehr so viel Geld in die Hand, um ihre Präsenz in der Bundesrepublik auszubauen.

US-Unternehmen halten sich angesichts des Reformstaus in der deutschen Digitalisierungs-, Steuer- und Energiepolitik sowie der überbordenden Bürokratie mit Investitionen hierzulande deutlich zurück. Waren 2017 noch 47 Prozent der US-Firmen gewillt, in den kommenden drei Jahren mindestens zehn Millionen Euro in Deutschland zu investieren, so sind es jetzt nur noch 24 Prozent. Zu diesem Ergebnis kam die Beratungsgesellschaft KPMG bei einer Umfrage unter 100 Unternehmen. Der Anteil jener, die gar nicht investieren wollten, stieg von 6 auf 13 Prozent. Als wahrgenommene Investitionshemmnisse nennt KPMG zudem hohe Personalkosten und "die mangelnde Verfügbarkeit gut ausgebildeter Arbeitskräfte".

Auf das verhaltenere Vorgehen wies auch Frank Riemensperger, stellvertretender Präsident der amerikanischen Handelskammer (American Chamber of Commerce in Germany - Amcham), hin. US-Firmen sorgten sich zunehmend auch um die Stabilität, führte er in einer Pressekonferenz an. Andererseits seien die Direktinvestitionen deutscher Unternehmen in den USA zuletzt stärker gewachsen, lägen aber unter dem Schnitt der vergangenen zehn Jahre. Dabei hätten besonders Maschinenbau und Autoindustrie weniger Geld in die USA gepumpt, sagte Riemensperger weiter.

US-Firmen werden wegen des Reformstaus nicht aus Deutschland weggehen, sagte Frank Sportolari, Amcham-Präsident. Schließlich sei das Land der zweitwichtigste Markt. Aber bei weiteren Investitionen könnten sie den Blick auch nach Polen oder in die Benelux-Länder richten, sagte er. Als problematisch erachtet er außer der unzureichenden Digitalinfrastruktur auch den Mangel an Fachkräften. Die US-Firmen sähen die Reformen, die es in den USA gegeben habe. In Deutschland gebe es kein Pendant dazu.

"Das deutsche Wirtschaftswachstum ist, wie das europäische insgesamt, merklich abgeflacht", ergänzte Riemensperger. Diese Entwicklung bekämen auch die hier aktiven US-Unternehmen zu spüren: "Ihnen fehlt in Deutschland aktuell der Stimulus, den ihnen die Politik in den USA verschafft."

Ford und Daimler stehen an der Spitze

Zuletzt liefen die Geschäfte der 50 größten US-Konzerne in Deutschland aber blendend. Ihr Umsatz stieg 2018 um 5,5 Prozent auf 177 Milliarden Euro. 2017 hatte er um 3,4 Prozent zugelegt. Mehr als doppelt so viel setzten mit 371 Milliarden Euro deutsche Unternehmen in den USA um, das Wachstum verlangsamte sich dabei aber deutlich auf 3,1 Prozent von 7,1 Prozent im Vorjahr.

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Am Umsatzranking hat sich innerhalb eines Jahres nichts geändert. Angeführt wird die Liste weiter von Ford - mit 21,1 Milliarden Euro vor Amazon (16,9 Milliarden Euro) und Exxon Mobil (Esso) mit 9,4 Milliarden Euro (inklusive Mineralölsteuer). Besonders stark sind die US-Konzerne in den Bereich Informations- und Kommunikationstechnik sowie Dienstleistungen, auf sie fallen 43 Prozent der Einnahmen. Der Bereich IT mit Anbietern wie Amazon und Microsoft profitiere vor allem vom Cloud-Wachstum. Im Ranking der drei größten US-Arbeitgeber in Deutschland liegt Ford (27.400 Mitarbeiter) auf Platz zwei hinter McDonald's (etwa 60.000 inklusive Franchise). Es folgen der Paketdienst UPS (20.000) und Amazon (18.000).

Umsatzstärkstes deutsches Unternehmen in den USA ist Daimler. Der Autobauer setzte 2018 laut Amcham 41,1 Milliarden Euro um, 12,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit waren die Stuttgarter aber eine Ausnahme. Andere einst erfolgsverwöhnte Autobauer kamen nur noch auf kleine Zuwächse oder mussten wie BMW einen Umsatzrückgang um zehn Prozent hinnehmen. Im Kommen seien indes Dienstleistungen (Hochtief) und Konsum (Aldi).

Standort immer noch mit gut bewertet

Sehr genau hingehört hätten die Deutschen bei der Forderung der USA nach mehr Jobs. 2018 zählten die 50 führenden deutschen Firmen in den USA 5,6 Prozent mehr Mitarbeiter als im Vorjahr. Die Direktinvestitionen (FDI) der deutschen Konzerne 2018 bezifferte Amcham Germany auf 324 Milliarden Dollar, ein Plus von 4,5 Prozent. US-Firmen investierten demnach in Deutschland gut 140 Milliarden Dollar, ein Plus von 3,1 Prozent.

Ungeachtet der genannten Hürden für US-Unternehmen bewerten diese den Standort Deutschland noch mit gut. Allerdings trüben die Herausforderungen hinsichtlich der US-Handelspolitik sowie der Arbeits- und Energiekosten die Aussichten. Somit sehen die Unternehmen zwischen den beiden Ländern künftig eine engere Partnerschaft im wirtschaftlichen als im politischen Bereich. Sie kritisierten zugleich, dass die derzeitigen handelspolitischen Maßnahmen wie Zölle der US-Regierung nicht zu dem Ziel führen werden, eine ausgeglichene Handelsbilanz für die USA zu erreichen.

Quelle: n-tv.de, fzö/DJ/AFP

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