Wirtschaft

Tourismus peilt neuen Rekord an Deutschland wird als Reiseziel noch beliebter

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Im Sommer gut ausgebucht: Seebad Zinnowitz auf Usedom. Die Zahl der Deutschlandreisen steigt seit zehn Jahren in Folge.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Deutschland-Tourismus eilt von Rekordjahr zu Rekordjahr. Nord- und Ostsee sind in diesem Sommer voll ausgebucht und werden auch bei Reisenden aus dem Ausland immer beliebter. Angst vor einer Konjunkturdelle, Sorge ums Klima oder gar Flugscham bremst die Reiselust der Deutschen überhaupt nicht.

Der Tourismus im Inland boomt und die Menschen in Deutschland sind trotz der Konjunktureintrübung in Reiselaune. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes stieg die Zahl der Übernachtungen zwischen Rügen und Mittenwald im ersten Halbjahr um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Zugleich ist die Bereitschaft der Menschen, Zeit und Geld in Tagesausflüge oder mehrtägige Reisen zu investieren, einer Umfrage zufolge weiter hoch. Die Zahl der Übernachtungen von heimischen Gästen stieg im ersten Halbjahr um 4,0 Prozent auf 182,6 Millionen. Bei Reisenden aus dem Ausland gab es ein Plus von 3,0 Prozent auf 39,8 Millionen.

Der Inlandstourismus hatte 2018 bereits das neunte Rekordjahr in Folge erzielt. Nach Einschätzung von Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des Hotelverbands Deutschland (IHA) zeichnet sich für die Hotellerie ein weiteres Rekordjahr ab. Urlaub in Deutschland liege auch gerade bei heimischen Gästen wieder im Trend.

Weit oben auf der Beliebtheitsskala stehen nach Angaben des Reiseverbandes DRV in der aktuellen Sommersaison zum Beispiel die Nord- und Ostseeküste. "Derzeit läuft das Kurzfristgeschäft auf Hochtouren und die Branche verzeichnet einen spürbaren Anstieg der Buchungen", sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig jüngst. "Fast überall dürfte noch etwas zu bekommen sein - außer an Nord- und Ostsee vielleicht." Reiseveranstalter werben derzeit mit Schnäppchenpreisen und Rabatten um Kurzentschlossene.

Zahl der Reisen und Ausflüge steigt

Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) verbrachten die Bundesbürger zwischen Januar und April gut 408 Millionen Tage auf Ausflügen und Reisen, das waren rund 5 Millionen Tage oder 1,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr wird mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent gerechnet, wie aus Daten des BTW auf Grundlage der GfK-Konsumklimabefragung hervorgeht.

"Die Reiselaune zeigt sich bislang resistent sowohl gegenüber den dunkler werdenden Konjunkturwolken als auch gegenüber diversen tourismuskritischen Stimmen im Zuge der Klimadebatte", sagte BTW-Präsident Michael Frenzel. Die Branche müsse und werde sich ihrer Klimaverantwortung stellen. "Dabei muss es aber um eine durchdachte politische Gesamtlösung gehen", mahnte Frenzel.

In den ersten Monaten des Jahres lagen demnach vor allem mehrtägige Trips im Trend. Auf Reisen mit Übernachtung verbrachten die Menschen insgesamt 4 Prozent mehr Tage, während die Tagesreisen seltener wurden - minus 3 Prozent. Städte- und Badereisen gewannen an Beliebtheit. Die Nachfrage nach Kreuzfahrten stieg weiter.

Die Tourismusbranche profitiert allerdings nicht von allen Aktivitäten. Nach Daten der GfK-Konsumforscher lagen die Buchungsumsätze für das Sommergeschäft bis Ende Juni um zwei Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. Ausgewertet werden die Daten von klassischen Reisebüros, Onlineportalen der Veranstalter und Internetportalen mit Pauschalreiseschwerpunkt. Der BTW-Tourismusindex wird zweimal im Jahr veröffentlicht.

Keine Spur von Flugscham bei Auslandsreisen

Die Tourismusbranche profitiert seit Jahren von der guten Konjunktur und der Jobsicherheit der Verbraucher. Im Frühjahr und Sommer könnte die deutsche Wirtschaft aber in eine vorübergehende Rezession abrutschen. Erste Daten veröffentlicht das Statistikamt nächste Woche.

Zudem geht der Boom am Arbeitsmarkt zu Ende. Weitere Unsicherheiten seien der unklare Brexit-Fahrplan und die weltweiten Handelskonflikte, erklärte der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, Guido Zöllick. "Trotz der Risiken bleibt die Branche angesichts der anhaltenden Reise- und Konsumlust der Gäste grundsätzlich positiv gestimmt und rechnet für 2019 mit dem zehnten Wachstumsjahr in Folge."

Auch bei den Reiseveranstaltern, die vor allem Urlaub im Ausland organisieren, macht sich laut Branchenverband DRV die Konjunkturflaute und die jüngste Debatte über Klimaschutz und "Flugscham" bisher nicht bemerkbar.

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Quelle: n-tv.de, mau/dpa/rts

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