Wirtschaft

Das sind die Reimanns Deutschlands verschwiegenste Milliardäre

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Produkte von Reckitt Benckiser: Dahinter steht Familie Reimann.

(Foto: REUTERS)

Für 17 Milliarden Euro schluckt Durex einen US-Babynahrungskonzern. Hinter Durex steckt das britische Kosmetik-Imperium Reckitt Benckiser. Daran ist die deutsche Familie Reimann beteiligt. Doch wer sind sie?

Jeder kennt den Aldi-Clan. Die Familie schuf ein Supermarktimperium. Ähnlich still und medienscheu: die Quandts, die ihre Macht im BMW-Konzern zementiert haben. Doch wohl noch reicher und sicherlich geheimnisvoller sind die Reimanns. Vermögen: 30 Milliarden Euro - geschätzt. Denn der Clan aus Pforzheim agiert gern abseits der Öffentlichkeit. So viel Stille wie möglich, so wenig Aufsehen wie nötig.

Bekannt ist: Die Reimanns sind unter anderem beteiligt am britischen Wasch- und Reinigungsmittelkonzern Reckitt Benckiser (Sagrotan, Durex-Kondome). Der kündigte in dieser Woche an, für umgerechnet knapp 17 Milliarden Euro den US-amerikanischen Babynahrungskonzern Mead Johnson kaufen zu wollen. Experten sehen dort viel Potenzial, da gerade Chinesen seit dem Skandal um verunreinigtes Milchpulver die Nahrung für den Nachwuchs gern im Ausland kaufen.

Das ist nicht der einzige Megadeal mit den Reimanns im Hintergrund. Die Familie herrscht zudem noch über den Parfümriesen Coty, der Marken wie Davidoff, Joop, Calvin Klein und allerlei Promi-Düfte (Lady Gaga, Heidi Klum, Jennifer Lopez) verkauft. Geschätzt jedes zweite Duftfläschchen auf der Welt kommt von Coty. Auch Teile des Haarspezialisten Wella schnappten die Reimanns für 13 Milliarden Euro dem Düsseldorfer Konkurrenten Henkel weg.

Beteiligungen in Wien gebündelt

Zudem setzt die Familie mit Zukäufen in der Kaffeewelt (Senseo, Jacobs, McDonald's-Lieferant Keurig), im Fast-Food-Geschäft (US-Donutkette Krispy Kreme) und bei Luxus-Lederwaren (Jimmy Choo und andere) komplett auf die Vielfalt des Marktes. Experten witzeln: Würde man einen Stein in einer Innenstadt werfen, träfe man unweigerlich wohl auch ein Geschäft, hinter dessen Produktpalette die Reimanns stehen.

Doch wer ist diese Familie? So illuster ihre Deals, so abgeschieden agiert der Clan. In ihr Firmengeflecht gewähren sie nur oberflächlich Einblick. Geparkt sind die Beteiligungen in einem Wiener Bürgerhaus neben der Votivkirche. Die Türen öffnen sie nur ungern, in der Öffentlichkeit zeigen sie sich nie und Interviews geben sie schon mal gar nicht.

Die Reimanns, das sind die Geschwister Renate Reimann-Haas und Wolfgang Reimann sowie ihre Halbbrüder Matthias und Stefan. Waren die vier Mittsechziger ursprünglich in der Pfalz angesiedelt, zogen sie vor einigen Jahren in Steuerparadiese wie Luxemburg um. Alle haben eine naturwissenschaftliche Ausbildung. Alles andere, was über sie geschrieben wird, ist nicht richtig, heißt es im Umfeld der Familie.

Starbucks-Rivalen statt Kosmetikriesen

Gesichert ist die Geschichte des Clans. Sie beginnt im 19. Jahrhundert. Patriarch Karl Ludwig Reimann gründet 1851 eine Chemiefabrik. Knapp 100 Jahre später erfindet sein Sohn das Spülmittel Calgonit und die Zahnersatz-Pflegetabs Kukident. In den 1990er-Jahren entsteht unter der Hand der Reimanns der Wasch- und Reinigungsgigant Reckitt Benckiser mit Marken wie Clearasil und Air Wick.

Die Größe ihres Imperiums nimmt zu, immer mehr ziehen sich die Reimanns zurück. Ihre aggressive Expansionspolitik macht es unmöglich, dass sie unter dem Radar agieren können. 2011 startete Reimanns Coty einen Angriff auf den US-Kosmetikriesen Avon. Sie boten zehn Milliarden Dollar - Avon setzte damals elf Milliarden Dollar um. Die Übernahme scheiterte an der erbitterten Abwehrhaltung der Aktionäre. Als Entschädigung kauften die Reimanns spontan die Luxusversion von Starbucks, Peet's.

Geführt werden die Beteiligungen von familienfremden Managern. Die Unternehmer erstatten der Familie vierteljährlich Bericht, an unbekanntem Ort. Ihre Macht haben die Reimanns in der Finanzholding JAB gebündelt. Über sie wacht der Manager Peter Harf. Er ist das Gesicht der Reimanns in der Öffentlichkeit, gibt bereitwillig Interviews und vermehrt nebenbei seit Jahrzehnten das Vermögen der Dynastie. Harf verspricht: "Wir sind noch nicht satt. Wir kaufen weiter zu."

Quelle: ntv.de