Wirtschaft

IfW-Experte zu Trumps Bilanz "Die USA könnten besser dastehen"

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Feiert seine Wirtschaftspolitik: Donald Trump

(Foto: imago images/Pacific Press Agency)

Im Wahlkampf brüstet sich US-Präsident Trump mit dem Erfolg seiner Wirtschaftspolitik. Aber geht der Aufschwung vor Corona wirklich auf sein Konto? Ökonom Rolf Langhammer erklärt, was die Konjunktur beflügelt hat und warum die "America First"-Agenda unter Biden weitergehen würde.

Bis zur Pandemie hat sich Donald Trump mit dem Erfolg seiner Wirtschaftspolitik gebrüstet. War die wirklich so gut?

Nein, sie war ein kurzfristiges Strohfeuer. Trumps ganze Steuerpolitik zielte darauf ab, in seiner Amtszeit möglichst viele Erfolge auf dem Arbeitsmarkt zu erzielen und die heimische Nachfrage zu stimulieren. Das ist ihm gelungen, hat aber auch seinen Preis gehabt: Zum einen ist die Verschuldung dadurch gestiegen. Zum anderen muss man auch sehen, dass die USA eine riesige Dienstleistungsmaschine für den heimischen Markt sind. Sie sind nicht so stark in den Weltmarkt für Güter integriert wie Deutschland. Die Exportquote liegt nur bei 12 Prozent - zum Vergleich: In Deutschland liegt sie bei rund 47 Prozent. Das heißt, die USA sind viel stärker von der heimischen Nachfrage abhängig. Trumps Politik hatte zur Konsequenz, dass die Importnachfrage angestiegen ist. Das wiederum hat Trump verärgert und er hat dann einfach die Handelspartner verantwortlich gemacht.

Sie sagen Trump hätte die Wirtschaft beflügelt. Hat er nicht nur eine aufstrebende Konjunktur von seinem Vorgänger Barack Obama geerbt?

Rolf Langhammer ist Handelsökonom am Institut für Weltwirtschaft.

Rolf Langhammer ist Handelsökonom am Institut für Weltwirtschaft.

(Foto: Privat)

Vieles war natürlich schon vorbereitet: Nach dem großen Schock von 2008 kam es zu einer beispiellosen konzertierten Expansionsstrategie aller Zentralbanken der Welt. Das hat die Weltwirtschaft stark beflügelt und davon haben auch US-Firmen im Ausland und die mit ihnen verbundenen einheimischen Produzenten profitiert. Ironischerweise hat Trump den Aufschwung damit auch den Chinesen zu verdanken. China war damals die große Konjunkturlokomotive. Dort wurde nach der Krise von 2008 das größte Fiskalprogramm gezündet und damit wurde die Weltwirtschaft angeschoben. Aber man muss auch darüber hinaus sagen, dass er mit der eigenen Steuerpolitik dem Erbe der Obama-Zeit Rückenwind verschaffte.

Nach dem Corona-Crash ist die US-Wirtschaft jetzt im dritten Quartal wieder gewachsen. In wie weit ist das ein Effekt der Trump-Politik?

Es ist schwer zu sagen, was in dieser Situation ohne Trump gewesen wäre. Er hat einige Sektoren begünstigt und andere benachteiligt. Aber die USA könnten sogar noch besser dastehen. Auf Trump sind auch noch hausgemachte Krisen zugekommen, wie etwa die Boeing-Krise. Das kann man ihm natürlich nicht in die Schuhe schieben. Daher ist es schwer zu sagen, inwieweit die Trump-Politik für den Aufschwung im dritten Quartal verantwortlich ist oder wie sich die Konjunktur ohne ihn oder ohne Corona entwickelt hätte.

Zu den Sektoren die profitiert haben, zählen die Stahl- und Landwirtschaftsbranche. Ist das eine nachhaltige Entwicklung?

Nachhaltig ist es dann, wenn die Produktivität und damit auch die Angebotskapazität verstärkt werden. Und das ist in der Landwirtschaft natürlich schwierig. Da hat man standardisierte Produkte, die auch andere Hersteller effizient anbieten. Sojabohnen zum Beispiel werden auch in Brasilien produziert. Die Produktivitätssteigerung im Industriegüterbereich hat sich auch sehr in Grenzen gehalten. IT-Unternehmen als Dienstleister sind die große Stärke der USA. Aber wenn man auf die Exportentwicklung im Vergleich zu anderen Dienstleistungsanbietern schaut, ist auch diese Stellung deutlich schwächer geworden. Die USA sind zwar immer noch der weltgrößte Dienstleistungs-Exporteur, aber das liegt auch daran, dass viele US-Unternehmen mit ins Ausland niedergelassen haben. Egal wer der nächste Präsident sein wird, er wird versuchen, US-Unternehmen aus dem Ausland zurückzuholen.

Wenn wir uns mal die Börsen unter Trump anschauen, boomten die Aktienmärkte in seiner Amtszeit. Sollten die Anleger daher auf seine Wiederwahl hoffen?

Ich glaube, die Aktienmärkte sind jetzt weltweit von Corona getrieben. Überall droht ein Lockdown und damit ein schwerer Nachfrageeinbruch. Von daher ist die Stimmung an den Märkten zurzeit eher gedrückt. Daran können weder Trump noch Biden etwas ändern. Mittelfristig würden aber die Märkte bei einem Sieg Bidens eine Deeskalation von Handelskonflikten erwarten und diese Erwartung könnte die Aktienmärkte beflügeln. Wir wissen aber auch, dass politische Börsen kurze Beine haben. Daher wäre die Überwindung der Pandemie die wichtigste Stimulanz für die Märkte.

Trump verspricht bei seiner Wiederwahl wieder mehr Konjunkturwachstum. Könnte er dieses Versprechen überhaupt einhalten?

Ja, denn er wird das Defizit weiter aufblähen. Wir haben jetzt schon einen Schuldenstand der USA von knapp 107 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt. Schätzungsweise wird er durch die Corona-Krise auf rund 130 Prozent steigen. Man darf dabei nicht vergessen, dass die USA die Leitwährung kontrollieren. Die Amerikaner können ihre Schulden mit dem Geld bezahlen, das sie selbst schaffen. Das ist mit Abstand das stärkste Pfund, das Trump in die Waage werfen kann. Zwar geht das nicht ewig, aber die Bonität der USA ist immer noch gut.

Jetzt gehen wir mal davon aus, dass Joe Biden die Präsidentschaftswahl gewinnt. Wie würde sich die US-Wirtschaftspolitik unter ihm ändern?

Biden pocht auf "Made in America", also darauf, die Produktion wieder in die USA zu holen. Er wird Unternehmen mit steuerlichen Maßnahmen daran hindern oder sie sogar dafür bestrafen, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern. Gleichzeitig wird er steuerliche Anreize für Unternehmen schaffen, damit die ihre Produktion wieder in die USA zurückzuholen.

Und was ist beim Thema "Freihandel" von einem US-Präsident Biden zu erwarten?

Von ihm sind keine Impulse für freieren Handel zu erwarten. Aber er wird auch nicht der Aggressor sein, der alle Handelspartner der Unfairness bezichtigt und sie mit Strafzöllen überzieht.

"Made in America" und wenig Freihandel - kopiert Biden damit nicht irgendwie Trumps America-First-Agenda?

Ja, aber er nennt es anders. Es kommt jetzt einfach in einem anderen Gewand daher. Er wird es vielleicht mit weicher Stimme machen. Aber inhaltlich wird es, vor allem für Handelspartner, nicht einfacher werden vom Ausland auf den amerikanischen Markt zu kommen. Er wird darauf drängen, dass sie in den USA produzieren. Er wird auch die Strafzölle erstmal nicht von heute auf morgen wieder alle wieder aufheben.

In weit könnte die deutsche Wirtschaft von Biden profitieren?

Wir sind natürlich in der Handelspolitik von dem abhängig, was in Brüssel entschieden wird. Aber Deutschland wird sich sicherlich dafür einsetzen, dass zunächst einmal die aggressive Stimmung gegen deutsche Automobilhersteller abgebaut wird. Trump hatte ja eine richtige Phobie gegen ausländische Autos, egal wo sie produziert werden. Das wird bei Biden, glaube ich, nicht so sein. Aber es wird in keinem Fall plötzlich wieder ein Wiederaufleben von TTIP geben - dem Transatlantischen Freihandels- und Investitionsabkommen. Biden wird sich eher um die Binnenwirtschaft kümmern und weniger um die Außenwirtschaft.

Mit Rolf Langhammer sprach Daniel Heyd.

Quelle: ntv.de

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