Wirtschaft

Märkte verlieren das Vertrauen Die Zahl der Qual der Deutschen Bank

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Dass die Deutsche Bank ein so verheerendes Bild abgibt, liegt auch an der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank.

(Foto: REUTERS)

Spekulationsattacken, Gerüchte über Staatshilfe und endlose Skandale: Investoren sorgen sich um die finanzielle Stabilität der Deutschen Bank. Eine einzige Zahl zeigt, wie stark der Glaube der Finanzmärkte an die Frankfurter erschüttert ist.

Die Vorwürfe wiegen schwer: Bilanztricks, Manipulation von Zinsen und Devisenkursen, Verstöße gegen US-Sanktionen und Betrug mit Hypothekenpapieren. Die Deutsche Bank steckt in den schlimmsten Krise ihrer Geschichte. Die Androhung einer Strafe von 14 Milliarden Dollar durch die US-Justiz hat dem größten deutschen Geldhaus übel zugesetzt. Sein Aktienkurs ist daraufhin ins Bodenlose gefallen. Die Märkte zweifeln an der finanziellen Stabilität der Bank. US-Hedgefonds starteten kürzlich sogar Spekulationsangriffe auf die Bank.

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Der Vertrauensverlust der Investoren lässt sich an einer einzigen Zahl ablesen: dem Interbanken-Zins Euribor. Er beschreibt, zu welchem Preis sich die größten Banken der Eurozone gegenseitig Geld leihen. Der Euribor wird täglich in einer Umfrage für Laufzeiten von einer Woche bis zwölf Monaten veröffentlicht. Der Interbanken-Zins wird nicht nur von externen Faktoren wie dem Wirtschaftswachstum beeinflusst. Er ist vor allem ein Maß für die Kreditwürdigkeit und das Vertrauen der Banken untereinander.

Genau das scheint gegenüber der Deutschen Bank massiv abzunehmen: Sie ist das einzige große Geldhaus der Eurozone, das derzeit sogar dafür bezahlen muss, sich Geld zu leihen, während alle anderen Banken Strafzinsen kassieren und dabei verdienen. Laut den Euribor-Zahlen von Mittwoch müssen die Frankfurter für einen Kredit von neun Monaten derzeit 0,02 Prozent Zinsen zahlen. Für eine Laufzeit von zwölf Monaten werden sogar 0,06 Prozent fällig. Selbst Pleitebanken wie die italienische Banca Monte die Paschi oder die griechische Nationalbank schneiden besser ab als die Frankfurter: Sie können negative Zinsen von minus 0,06 Prozent beziehungsweise minus 0,04 Prozent verlangen.

Selbst Pleitebanken schneiden besser ab

Für die Finanzmärkte ist die Deutsche Bank also inzwischen erkennbar ein Risiko-Institut. Besonders auffällig: Auf kurze Frist von einer Woche fällt das Institut überhaupt nicht aus dem Rahmen. Die Frankfurter können wie alle anderen großen Banken Strafzinsen verlangen. Je länger die Konkurrenz der Bank aber Geld leihen soll, desto mehr Risikoaufschlag verlangt sie. Denn sie fürchtet offenbar, ihr Geld nicht wiederzubekommen, weil die Deutsche Bank dann womöglich pleite ist. Auf Sicht von einem Jahr ist die Angst so groß, dass die Deutsche Bank dann sogar Geld zahlen muss, obwohl überall am Markt Minuszinsen herrschen.

Dass die Deutsche Bank ein so verheerendes Bild abgibt, liegt aber auch an der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die Minuszinsen eingeführt hat, um die Banken zu stabilisieren. Dadurch verschiebt sich das Zinsgefüge ins Negative - und die Deutsche Bank sticht besonders hervor, wenn sie als einzige Bank für Kredite Zinsen zahlen muss, statt sie selbst zu verlangen.

Hinzu kommt, dass die Aussagekraft des Euribor stark in Verruf gekommen ist: Händler haben die Zinsumfrage jahrelang manipuliert und dadurch ihre Glaubwürdigkeit geschwächt. Auch die Deutsche Bank war daran beteiligt und musste hohe Strafen zahlen. Die Banken dürfen seit dem Skandal nicht mehr selbst schätzen, wie viel Zinsen sie von den anderen Instituten verlangen. Vielmehr müssen sich ihre Angaben von konkreten Transaktionen herleiten lassen.

Quelle: ntv.de