Wirtschaft

Bruchlandung von Thomas Cook Die wichtigsten Antworten zur Insolvenz

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Für diese britischen Touristen endet der Mallorca-Urlaub unerfreulich.

(Foto: REUTERS)

Der britische Touristikkonzern Thomas Cook ist in die Insolvenz geschlittert und hat alle Aktivitäten eingestellt. Zehntausende Urlauber sitzen nun in ihren Hotels fest. Auch die deutschen Aktivitäten sind betroffen, der deutsche Ferienflieger Condor fliegt allerdings noch. n-tv.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ist passiert?

Der britische Reisekonzern Thomas Cook hat kein Geld mehr und musste deshalb einen Insolvenzantrag stellen. Der Betrieb wurde eingestellt. Flüge bleiben auf dem Boden, Filialen werden geschlossen. Thomas Cook beschäftigt 21.000 Menschen, davon 9000 in Großbritannien. Peter Fankhauser, der Chef von Thomas Cook, bezeichnete das Scheitern der Bemühungen zur Rettung des Touristikkonzerns als verheerend.

Wieso ist Thomas Cook pleite?

Das Unternehmen steckt schon lange in Schwierigkeiten. Noch bis Sonntagabend hatte das Management mit Investoren über frisches Kapital in Höhe von 200 Millionen Pfund (umgerechnet 226 Millionen Euro) verhandelt. Diese wären zu einem bereits ausgehandelten 900 Millionen Euro schweren Rettungspaket hinzugekommen. Die britische Regierung lehnte eine Bitte um eine Finanzspritze von knapp 170 Millionen Euro ab.

Warum ist Thomas Cook in Schieflage geraten?

2012 hatten mehrere Banken den Konzern mit frischem Geld nach immensen Abschreibungen auf das britische Geschäft und IT-Systeme gerettet. Auch dadurch hat Thomas Cook einen Schuldenberg in Milliardenhöhe angehäuft und hat mit einer hohen Zinslast zu kämpfen. Hinzu kam der Preiskampf im Reise- und Fluggeschäft. Thomas Cook litt auch unter rückläufigen Buchungen und höheren Treibstoffpreisen.

Hat das auch mit dem Brexit zu tun?

Der Austritt Großbritanniens aus der EU hat wohl eine Rolle gespielt. Dass es noch immer keine Klarheit über den Brexit gibt, dürfte die Lage noch verschärft und die Urlaubsfreude der britischen Kundschaft gedämpft haben. Zudem hat das britische Pfund an Wert verloren, dadurch wird Urlaub im Ausland für Briten teurer. Großbritannien ist neben Deutschland der wichtigste Absatzmarkt für Thomas Cook.

Was bedeutet das für Urlauber?

Thomas Cook hat seine Aktivitäten eingestellt, neue Buchungen sind nicht mehr möglich. Flüge und Reisen werden storniert. Zehntausende Urlauber sind gestrandet. In Deutschland springt bei Pauschalreisenden im Fall einer Insolvenz des Veranstalters ein Versicherer ein. In der Praxis helfen dann andere Fluggesellschaften, Touristen nach Deutschland zu holen, wenn deren Reiseanbieter oder die gebuchte Airline pleite ist.

Anders in Großbritannien. Dort bezahlt der Staat die Rückholung gestrandeter Urlauber. Die Regierung kündigte die größte Rückführungsaktion seit dem Zweiten Weltkrieg an. Regierung und Zivilluftfahrtbehörde haben dutzende Chartermaschinen angemietet, um die Kunden kostenlos nach Hause zu fliegen. Für Urlauber im Ausland wurde die Website thomascook.caa.co.uk geschaltet. Was die Thomas-Cook-Insolvenz für Kunden bedeutet, lesen Sie ausführlich hier.

Wie viele Reisende sind betroffen?

Betroffen sind nach Angaben des Konzerns 600.000 Urlauber, darunter 150.000 Briten. Mit dem deutschen Reiseveranstalter von Thomas Cook sind nach Unternehmensangaben derzeit 140.000 Gäste unterwegs. Heute und morgen sollten 21.000 Menschen abreisen.

Wie sieht es bei den deutschen Töchtern aus?

Der deutsche Zweig Thomas Cook GmbH stellte auf "Notgeschäftsführung" um und sprach davon, dass Reisen mit Abreisedatum heute und morgen nicht gewährleistet werden könnten. Neue Reisen können nicht mehr gebucht werden. Das deutsche Unternehmen lote derzeit "letzte Optionen" aus. Sollten diese scheitern, müsse für die Thomas Cook GmbH, Thomas Cook Touristik GmbH und weitere Gesellschaften Insolvenzantrag gestellt werden.

Die deutschen Veranstaltertöchter, zu denen Marken wie Neckermann Reisen, Bucher Last Minute, Öger Tours, Air Marin und Thomas Cook Signature gehören, haben den Verkauf von Reisen derweil komplett gestoppt.

Was ist mit Condor?

Die Thomas-Cook-Tochter Condor ist nicht von der Einstellung des Flugbetriebs betroffen. "Wir führen den Flugbetrieb ganz regulär fort", sagte eine Sprecherin. Aus rechtlichen Gründen darf der Ferienflieger allerdings Urlauber, die mit Thomas-Cook-Veranstaltern gebucht haben, nicht mehr an ihr Reiseziel bringen.

Condor hat bei der Bundesregierung einen Überbrückungskredit beantragt. Dieser solle Liquiditätsengpässe verhindern, teilte das Unternehmen mit. Die Bundesregierung prüfe den Antrag gerade, so Condor. Zur Höhe des möglichen Darlehens wurden keine Angaben gemacht. Condor fliegt mit 58 Maschinen von Deutschland aus zu mehr als 80 Zielen weltweit.

Quelle: n-tv.de, jga/dpa/rts/AFP

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