Wirtschaft

Teilprivatisierung und Börsengang Dobrindt setzt Bahnchef Grube unter Druck

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Dobrindt (l.) und Grube nach der Hauptversammlung - der Minister fordert bessere Zahlen und mehr Investitionen.

(Foto: imago/Christian Thiel)

Mit 1,3 Milliarden Euro war die Bahn im vergangenen Jahr im Minus. Das dürfe sich nicht wiederholen, sagt Verkehrsminister Dobrindt nach der Hauptversammlung. Er drängt auf Teilprivatisierungen. Auch ein Börsengang ist wieder im Gespräch.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt stellt nach dem Milliarden-Fehlbetrag der Deutschen Bahn im vergangenen Jahr klare Forderungen an Konzernchef Rüdiger Grube. Er wolle keinen weiteren Verlust sehen, sagte Dobrindt in Berlin nach der Hauptversammlung des Unternehmens. In der Vergangenheit seien vom Bahn-Vorstand wichtige Marktentwicklungen wie beispielsweise der Trend zu Fernbussen nicht erkannt worden. Das Minus von 1,3 Milliarden Euro in 2015 sei "nicht zufriedenstellend" und dürfe keine Fortsetzung finden.

Allerdings begrüßte der Minister etwa ein großes Programm von Bahnchef Rüdiger Grube für mehr Pünktlichkeit und bessere Kundeninformationen. Grube führt den Staatskonzern seit 2009. Sein Vertrag läuft Ende 2017 aus, dem Jahr der Bundestagswahl. Noch im laufenden Jahr müsste entschieden werden, ob Grube darüber hinaus in der Verantwortung stehen soll. Der 64-Jährige wollte sich zu seinen eigenen Plänen nicht äußern, betonte allerdings: "Ich bin noch nie einem Vertrag hinterhergelaufen. Das werde ich auch nicht."

Zuletzt bereitete vor allem der Güterverkehr der Bahn Probleme. Nun sollen 215 Verladestellen und 3000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Dobrindt fordert von der Bahn zusätzliche Investitionen und machte deutlich, dass der Konzern mehr dafür tun müsse, diese aus eigener Kraft zu stemmen. So steht seit längerem eine mögliche Teilprivatisierung der Auslandstöchter - des Logistikunternehmens DB Schenker Logistics und der britischen Nahverkehrstochter Arriva - auf der Agenda.

Keine Denkverbote

Dazu wird die Bahn Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht zufolge in den kommenden Wochen ein Konzept vorlegen. Darüber werde der Aufsichtsrat dann in einer Sondersitzung beraten, kündigte Felcht an. Grube sagte, mit einer abschließenden Entscheidung sei wohl erst im Herbst zu rechnen. Zuletzt waren Erlöse von rund 4,5 Milliarden Euro im Gespräch. Ein Verkauf scheint frühestens 2017 möglich zu sein.

Denkverbote bei Modellen einer Beteiligung privaten Kapitals gebe es nicht, sagte Dobrindt dazu. Im Gespräch ist ein Börsengang. Dies ist seit einem gescheiterten Anlauf an den Kapitalmarkt 2008 aber massiv umstritten.

Trotz des Verlusts im vergangenen Jahr wird die Bahn an den Eigentümer Bund eine Dividende von 850 Millionen Euro ausschütten. Der Betrag kommt allerdings wieder komplett der Bahn zugute und wird reinvestiert, etwa in das Schienennetz. Die Auszahlung der Dividende wird den Schuldenberg des Unternehmens in diesem Jahr auf mehr als 19 Milliarden Euro anschwellen lassen.

Quelle: ntv.de, mli/rts/dpa