Wirtschaft

"Es ist noch zu früh" Draghi hält am Nullzins fest

86130555.jpg

Die EZB ist unabhängig in ihren Einschätzungen und Entscheidungen: Zentralbank-Chef Mario Draghi.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Ära der Niedrigzinsen könnte länger dauern als gedacht: Europas einflussreichster Währungshüter denkt offenbar noch lange nicht daran, an dem für alle Spar- und Kreditgeschäfte im Euroraum maßgeblichen Zinsschraube zu drehen.

EZB-Chef Mario Draghi will trotz aufgehellter Konjunkturperspektiven an der ultra-lockeren Geldpolitik festhalten. Es sei weiter nötig, den "sehr substanziellen" Konjunkturimpuls aufrechtzuerhalten, sagte der Italiener bei einem Auftritt im niederländischen Parlament.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,11

Die bei der EZB einlaufenden Daten belegten zwar, dass der Aufschwung zusehends solider werde: "Die Abwärtsrisiken haben sich weiter verringert", erklärte Draghi. "Dennoch ist es noch zu früh, einen Erfolg zu verkünden."

 "Außergewöhnliche Probleme"

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bei ihrer jüngsten Sitzung Ende April an ihrem Kurs der weit geöffneten Geldschleusen festgehalten. Draghi betonte dabei, es brauche sehr günstige Finanzierungsbedingungen, um die Inflation in Richtung des EZB-Ziels von mittelfristig knapp unter zwei Prozent zu treiben.

Die Nullzinspolitik ist vor allem in Deutschland umstritten. Laut Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bereitet sie den Banken und der ganzen Finanzbranche hierzulande "außergewöhnliche Probleme". Draghi sagte dazu bei seinem Auftritt in Den Haag, die Vorteile der ultra-lockeren EZB-Geldpolitik überwögen mögliche Nebenwirkungen. Seine Rede vor niederländischen Parlamentariern ist Teil einer Reihe von Besuchen in Parlamenten von Mitgliedsstaaten der Währungsunion.

Draghi reist durch Europa

Im September 2016 hatte er seine Nullzinspolitik im Bundestag gegen Kritik verteidigt. Vertreter der Bundesbank und auch Bundesfinanzminister Schäuble haben sich wiederholt für eine baldige Anhebung der Leitzinsen im Euroraum ausgesprochen. Schäuble wies erst kürzlich auf die konjunkturelle Erholung in Italien und die ermutigenden Ansätze in Frankreich hin.

Die wirtschaftliche Lage in der Eurozone habe sich "insgesamt verbessert", betonte der deutsche Finanzminister, der von Amts wegen keinen unmittelbaren Einfluss auf die Geldpolitik nehmen kann. Auch die "Sorge vor einer Deflation" sei "verschwunden", so Schäuble weiter. Es gebe aus seiner Sicht, "Andeutungen aus dem Kreis des EZB-Vorstands, wonach man dort allmählich den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik einleiten will."

Quelle: n-tv.de, mmo/rts

Mehr zum Thema