Wirtschaft

Leitzins bleibt auf Rekordtief EZB behält ihr Inflationsproblem

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Mario draghi bleibt bei der Politik des billigen Geldes.

(Foto: REUTERS)

Das Ringen um Preisstabilität hat für die EZB weiter höchste Priorität. Die Notenbank rechnet in den kommenden beiden Jahren nicht mit einer höheren Inflation. Deshalb behält sie die ultralockere Geldpolitik bei. Am 8. Juni kauft die EZB auch Firmenanleihen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt sich trotz des jüngsten Ölpreisanstiegs nicht auf höhere Inflationsraten ein. Die volkswirtschaftlichen Abteilungen von EZB und nationalen Zentralbanken rechnen weiterhin damit, dass die Verbraucherpreise im Euroraum 2017 und 2018 im Jahresschnitt um nur 1,3 und 1,6 Prozent steigen werden. Das geht aus den aktuellen Stabsprojektionen hervor, die EZB-Präsident Mario Draghi nach der Ratssitzung in Wien bekannt machte. Auch im März hatte der EZB-Stab 1,6 Prozent für 2018 prognostiziert. Seitdem ist der Ölpreis jedoch um rund 20 Prozent gestiegen.

Zuvor hatte der EZB-Rat beschlossen, den Leitzins und andere geldpolitische Elemente unverändert zu lassen. Damit bleibt der Leitzins bei seinem Rekordtief von null Prozent. Die EZB ist auf die Gewährleistung mittelfristiger Preisstabilität verpflichtet, die sie bei knapp 2 Prozent gegeben sieht.

Die EZB legt Wert auf die Feststellung, dass der Prognosehorizont der Stabsprojektionen nicht mit der "mittleren Frist" übereinstimmt. Draghi sagte: "Die Länge der mittleren Frist hängt von der Art und der Stärke des Schocks ab." Die EZB hat ihr Inflationsziel zuletzt vor rund drei Jahren erreicht. Im Mai lag die Teuerung nach vorläufigen Berechnungen bei minus 0,1 Prozent. Für 2016 erwarten die Zentralbankvolkswirte nun 0,2 (bisher: 0,1) Prozent Inflation.

Vorerst keine weitere Lockerung der Geldpolitik

Darüber hinaus hoben die Zentralbankökonomen ihre Wachstumsprognose für 2016 an. Sie erwarten nun einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,6 (1,4) Prozent. Die Prognosen für 2017 und 2018 lauten auf jeweils 1,7 Prozent. Die Risiken für diese Prognosen sind laut EZB weiterhin abwärts gerichtet.

Draghi machte deutlich, dass die EZB vorerst nicht an eine weitere Lockerung ihrer Politik denkt. "Wir müssen uns auf die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen und auf deren Auswirkungen konzentrieren", sagte Draghi. Handeln würde die EZB allerdings, wenn es zu einer ungewollten Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen käme oder wenn sich Zweitrundeneffekte der niedrigen Inflationsraten zeigen würden. Bisher seien jedoch keine Zweitrundeneffekte zu beobachten. Draghi wies aber darauf hin, dass sich die Kerninflation seit März schwächer als erwartet entwickelt habe.

Kauf von Unternehmensanleihen

In seinem vorbereiteten Statement bekräftigte der EZB-Präsident die zuletzt gemachten geldpolitischen Schlüsselaussagen. Demnach wird die EZB ihre Zinsen für längere Zeit auf dem gegenwärtigen oder einem noch niedrigen Niveau halten. Dieses niedrige Zinsniveau soll länger anhalten als die Wertpapierankäufe der EZB.

Das Wertpapierkaufprogramm wiederum soll nach jetzigem Stand bis Ende März 2017 laufen - mindestens aber so lange, bis die Inflation nach Einschätzung des EZB-Rats eine überzeugende Wende in Richtung des Zielbereichs vollzogen hat.

Ab 8. Juni wird die EZB neben Staatsanleihen, Covered Bonds und Kreditverbriefungen auch Unternehmensanleihen kaufen. Zudem startet im Juni eine zweite Serie langfristiger, gezielter Refinanzierungsgeschäfte für Banken mit vierjähriger Laufzeit, deren Zins höchstens bei null Prozent liegen wird.

Quelle: n-tv.de, wne/DJ

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