Wirtschaft

Stimmungsumschwung EZB muss sich Grexit-Szenario stellen

Der Euro sei "unumkehrbar", sagte EZB-Präsident Draghi einmal. Doch die Griechenland-Krise sorgt auch bei den Notenbankern für ein Umdenken. Auch sie müssen sich mit einem möglichen Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone befassen.

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"Dieses Mal ist es wirklich schwierig."

(Foto: imago/Ralph Peters)

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat seit Beginn der Griechenland-Krise darauf beharrt, dass eine Mitgliedschaft in der Währungsunion unumkehrbar ist. In letzter Zeit ist bei den Verantwortlichen in der Notenbank jedoch ein Stimmungsumschwung spürbar geworden.
Ganz allmählich beginnen sie sich mit der realen Möglichkeit zu befassen, dass Griechenland - mehr als fünf Jahre nach dem ersten Rettungspaket - die Währungsunion verlassen muss. Sie sprechen bereits offen über die Werkzeuge, über die die EZB verfügt, um solch einen Notfall zu managen.

Sogar EZB-Präsident Mario Draghi hat eingeräumt, dass es keine Gewissheit gibt, ob Griechenland und seine Gläubiger eine dritte Rettungsvereinbarung schließen können. "Ich weiß es nicht, dieses Mal ist es wirklich schwierig", sagte Draghi der italienischen Zeitung Il Sole 24 Ore. Seine Kommentare vermitteln eine klare, wenn auch unausgesprochene Botschaft: Sollte in den nächsten Tagen keine Einigung erzielt werden, würde das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone eingeleitet.

Einer von Draghis Kollegen, Ardo Hansson, wurde im Interview mit einer estnischen Zeitung noch deutlicher. "Wir sind gezwungen, uns immer stärker mit der Möglichkeit eines Ausscherens Griechenlands aus der Eurozone zu befassen, nachdem die Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios im Laufe der Zeit unglücklicherweise größer geworden ist."

Die Werkzeuge dafür seien vorhanden. "Die Möglichkeiten, mit diesem Szenario zurechtgekommen, gibt es: Wir haben eine große Bandbreite geldpolitischer Maßnahmen zur Verfügung und arbeiten eng mit anderen Zentralbanken zusammen", sagte Hansson. "Wenn die Notwendigkeit da ist, sind wir bereit, diese Maßnahmen umzusetzen". Die griechische Situation sei "nicht hoffnungslos, aber sie wird schnell schlimmer".

Schuldenrückzahlung bis zum 20. Juli

Die Rhetorik unterscheidet sich deutlich von früheren Aussagen. Im April hatte Draghi beim Treffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) gesagt, er stehe zu seiner Aussage aus dem August 2012, dass der Euro "unumkehrbar" sei.

Obwohl ein Land rein rechtlich gesehen nicht dazu gezwungen werden kann, die Währungsunion zu verlassen, könnte genau das doch passieren, wenn Griechenland sich mit den Gläubigern nicht rechtzeitig auf ein neues Rettungspaket einigen kann, um bis zum 20. Juli seine Schulden bei der EZB zurückzuzahlen. Bei einem Staatsbankrott Griechenlands wird erwartet, dass die EZB die Nothilfen für griechische Banken stoppt. Dann wäre Griechenland gezwungen, eine neue Währung einzuführen, um die Banken auf Laufen zu halten.

Das andere entscheidende Tag ist der kommende Sonntag, wenn die Staats- und Regierungschefs der EU in Brüssel zu einem Notgipfel zusammenkommen. Griechenland hatte am Mittwoch einen Hilfsantrag an den Euro-Rettungsschirm ESM geschickt.
Wenn den jüngsten Kommentaren von Zentralbankern Glauben geschenkt werden kann, wollen sie die Märkte wissen lassen, dass sie einen sogenannten "Grexit" mittlerweile als reale Möglichkeit ansehen, und dass sie - noch wichtiger - darauf vorbereitet sind.

Quelle: ntv.de, Todd Buell, DJ