Wirtschaft

Verheerendes Oxfam-Ranking Edeka ist Schlusslicht bei Menschenrechten

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Das große Edeka-E in schlechtem Licht.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Supermarkt-Einkauf gehört zu den alltäglichsten Tätigkeiten. Doch auch an unscheinbaren Produkten hängen Schicksale. Oxfam bewertet Supermärkte nach ihrem Menschenrechts-Engagement. Schlusslicht bleibt ein deutscher Markt - obwohl andere Ketten heute sogar weniger Einsatz zeigen, als noch 2018.

Die Supermarktkette Edeka bleibt in einem internationalen Vergleich Schlusslicht bei den Bemühungen um Menschenrechte. Edeka habe als einzige deutsche Kette eine Vereinbarung, in seinen globalen Lieferketten für existenzsichernde Löhne zu sorgen, nicht unterzeichnet, berichtete die Hilfsorganisation Oxfam in ihrem diesjährigen Supermarkt-Check. Außerdem habe sich das Unternehmen nicht zur Einrichtung der Position eines Menschenrechtsbeauftragten durchringen können. Edeka erreichte damit lediglich drei Prozent der möglichen Gesamtpunktzahl.

Edeka wies die Vorwüfe zurück. "Selbstverständlich legen wir Wert auf existenzsichernde Löhne in unseren Lieferketten", sagte ein Sprecherin. Deswegen sei das Unternehmen "auch aktives Mitglied der Arbeitsgruppe zu existenzsichernden Einkommen und existenzsichernden Löhnen der INA (Initiative Nachhaltige Argrarlieferketten)". Man verfüge zudem über eine eigene Abteilung, die sich nur mit dem Thema menschenrechtliche Sorgfaltspflichten beschäftige. Den "Supermarkt-Check" bezeichnete sie weiter als "Kampagne". Er sei keine objektive Studie. Man habe "mehrfach ausführlich über unsere Aktivitäten informiert, dies wurde aber zu unserem Bedauern in keinerlei Weise bei der Analyse berücksichtigt".

Erreichte Punkte für die von Oxfam vergebenen Kriterien in Prozent (und in Klammern der Wert bei der ersten Erhebung in 2018)

1. Tesco, GB - 46% (23)

2. Sainsbury's, GB - 44% (18)

3. Morrisons, GB - 33% (5)

4. Lidl, D - 32% (5)

5. Walmart, USA - 29% (17)

6. Aldi Süd, D - 25% (1)

7. Rewe, D - 25% (1)

8. Jumbo, N - 23% (0)

9. Ahold Delhaize, N - 19% (5)

10. Aldi Nord, D - 18% (1)

11. Costco, USA - 12% (6)

12. Plus, N - 9% (11)

13. Whole Foods, USA - 8% (2)

14. Albertsons, USA - 6% (8)

15. Kroger, USA - 5% (0)

16. Edeka, D - 3% (1)

Oxfam analysierte für den Vergleich die Geschäftspolitik von 16 Supermärkten in Deutschland, Großbritannien, den USA und den Niederlanden unter Bezug auf ihren Umgang mit Menschenrechten. Dabei geht es insbesondere um die Themen Transparenz, Arbeitnehmerrechte, Umgang mit Kleinbauern und Frauenrechte. Die deutschen Handelsketten schneiden dabei insgesamt schlecht ab - kein Unternehmen schaffte mehr als ein Drittel der möglichen Punkte.

Auch Rewe und Aldi verbessert

In dem zum bisher dritten Mal veröffentlichten Test konnte sich Lidl von zuletzt 9 Prozent auf 32 Prozent der Gesamtpunktzahl erheblich verbessern. Oxfam lobte, dass der Discounter mittlerweile einen Großteil seiner direkten Zulieferer publik mache. Dies sei ein Meilenstein, weil viele Unternehmen bisher behaupteten, dass dies nahezu unmöglich sei.

Oxfam-Menschenrechtsexpertin Franziska Humbert erklärte, "dieser Schritt von Lidl zeigt: Supermärkte können - wenn sie denn wollen." Auch Rewe sowie Aldi Süd und Nord hätten sich verbessert, Rewe und Aldi Süd auf 25 Prozent und Aldi Nord auf 18 Prozent. "Das Zwischenfazit lautet damit: Veränderungen ja, Wendepunkt nein."

Vorreiter bleiben in dem Test die Ketten Tesco und Sainsbury's aus Großbritannien, die ihre Geschäftspolitik schon länger an Menschenrechten ausrichteten. So habe etwa in Peru jeder von Tescos Zulieferern eine Arbeitnehmervertretung. Beide Ketten kommen dennoch nur auf 46 bzw. 44 Prozent der von Oxfam vergebenen Punkte. Als Grund für das bessere britische Abschneiden sieht Oxfam das britische Gesetz gegen Sklaverei, das die Supermärkte dazu verpflichte, über ihre Menschenrechtspolitik zu berichten.

Auch in Deutschland sei dies nötig, erklärte Humbert. "Wir brauchen schnellstmöglich ein Lieferkettengesetz, das Supermärkte dazu verpflichtet, die Menschenrechte in ihren Lieferketten zu achten."

Quelle: ntv.de, mra/AFP